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Airship
Stuck In The Ocean
PIAS/Rough Trade
Auf den Spuren von Indiebands wie Glas Vegas, The Boxer Rebellion oder Editors wandeln Airship aus dem Vereinigten Königreich mit ihrem Debütalbum "Stuck In This Ocean". Die Band um Sänger und Keyboarder Elliot Williams beweist dabei ein Händchen für ganz große Melodien mit Pathos, Schmiss und den gewissen Hauch an Melancholie. Sehr empfehlenswert!
Baby Woodrose
Love Comes Down
Bad Afro Records
Was soll ich an dieser Stelle noch alles über Baby Woodrose schreiben? So viel habe ich schon über diese Band gesagt und so oft habe ich diese Psychedelic-Rock Band und all die anderen Bandprojekte von Lorenzo Woodrose über den grünen Klee gelobt. Bei "Love Comes Down" handelt es übrigens nicht um ein neues Album der Band aus Dänemark, sondern ein Reissue des "Money For Soul" Nachfolgers aus dem Jahre 2006, das damals wohl nur in Skandinavien veröffentlicht wurde.
Also, was bleibt mir nun zu schreiben? Dass es sich hierbei wieder um eine grandiose Mischung aus groovendem Sixties-Rock und drogengeschwängerten Seventies-Rock handelt? Dass die ewigen Referenzen wie die großen Bevis Frond, Sudden/Kusworth, die ganz frühen Monster Magnet, die Canterbury-Szene oder die Troggs hier auch wieder herhalten müssen? Ja, genau das bleibt mir wieder nur zu schreiben - und dass sich endlich mal ein paar Leute mehr mit dieser überragenden Band auseinandersetzen sollten. Baby Woodrose kommen im November übrigens auf große Deutschlandtournee. Yeah!
Beggars
Beggars 7"
A Chorus Of One Records
Ähnlich wie die famosen Fucked Up spielen auch die Beggars eine sehr mitreißende, aber verspielte Hardcore Version. Da wird dann zwar gebrüllt, geschrien und gegrölt, was aber aufgrund der eher an den alten 80er Amipunk angelehnten Gitarren nicht negativ auffällt. Die Band aus Chicago ist da glücklicherweise meilenweit vom Metalcore von Bands wie Strike Anywhere oder Rise Against entfernt. Das geht dann eher in Richtung Cloak/Dagger oder eben Fucked Up und würde auch gut auf Jade Tree passen, denn neben Härte und Power gibt es bei den Beggars noch eine gute Portion Melancholie. Ja, auch ein paar alte Dischord Bands wie Rites Of Spring oder Graymatter fallen einem da ein. Ein sehr schöne 7" von einer vielversprechenden Band, von der ich in Zukunft gerne noch mehr hören würde.
Dubioza Kolektiv
Wild Wild East
Koolarrow Records
Irgendwie scheint es so zu sein, dass jede Band, die aus den ehemaligen Ostblockstaaten kommt, so etwas wie Balkan Beat Musik macht. Das kann man nun gut finden oder nicht, jedenfalls ist es doch löblich, dass sich diese Bands eine regionale, kulturelle Komponente in ihrer Musik bewahrt haben. Da ich nun kein großer Fan dieser Musik bin, doch aber die Livequalitäten dieser Bands sehr schätze, ist es natürlich schwierig über eine Band dieses Genres zu urteilen, die ich bisher leider noch nicht live gesehen habe. Denn die Musik des Dubioza Kolektivs klingt auf Platte vielversprechend und zündet live bestimmt ein Feuerwerk ab. "Wild Wild East" klingt nämlich nicht nach dem typischen Balkan Beat Sound so vieler anderer Bands, die diese Musik bloß mit Rock und Ska kombinieren, sondern erfrischend cool und modern. Da werden auch Stile wie Dub, HipHop und Crossover verwurstet. Und politisch in ihren Aussagen ist die Band aus Bosnien ebenfalls wie viele ihrer Balkan Beat Kollegen. Doch, Dubioza Kolektiv ist eine sehr erfrischende Abwechslung im leider immer belangloser werdenden Balkan Beat Einheitsbrei.
Jingo De Lunch
Live in Kreuzberg
Noisolution
Da ich generell kein Fan von Live-Alben bin, möchte ich an dieser Stelle gar nicht viele Worte über das neue Jingo de Lunch Livealbum verlieren. Über die herausragenden Livequalitäten der Band um Yvonne Ducksworth kann man sich ja bei den Liveberichten in diesem Online-Fanzine informieren. Menschen, die erstens Livealben mögen und zweitens auch noch Jingo Fans sind, sollten bei "Live in Kreuzberg" sicher mal ein Ohr riskieren. Zwei Dinge, die mir aufgefallen sind, möchte ich dennoch loswerden. Da Setlist der letzten Tour verständlicherweise viele Songs des tollen neuen Albums enthielt, befinden sich davon natürlich auch zahlreiche auf dem Livealbum - das ergibt ja irgendwie Sinn. Und irgendwie finde ich die etwas wegkippende, schon fast krächzende Stimme von Yvonne Ducksworth irgendwie bemerkenswert. Entweder hatten sie vorher schon eine Menge Konzerte gespielt, sodass die Stimme natürlich nicht mehr die frischeste war oder sie hat an dem Abend ziemlich tief ins Glas geschaut. Muss man sich auch erst mal trauen, so etwas zu veröffentlichen.
The King Blues
Punk & Poetry
Transmission Recordings/PIAS/Rough Trade
Irgendwie habe ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu The King Blues aufgebaut. Beim Hören deren neuen Albums "Punk & Poetry" denke ich manchmal, dass es sich hierbei um den letzten Dreck handeln würde, manchmal bin ich dann so überwältigt, dass ich denke, dass es sich hierbei um etwas ganz Großes handeln würde. Wo ist denn nun das Problem? Irgendwie klingt die Band aus England manchmal einfach zu konstruiert und aufgesetzt effektheischend nach all den großen, coolen Bands wie The Clash, The Streets oder Sublime. Und dann denke ich bei mir: Geht es nicht noch etwas dicker? Manchmal ist es aber genau die geniale Mischung, die einem einen Ohrwurm nach dem anderen in den Kopf hämmert. Crossover-Punk mit Groove würde ich diese Musik bezeichnen, die für Punkpuristen wohl eher als Brechmittel taugen würde, für alldiejenigen, die die eben genannten Bands, aber auch Bands wie die Beatsteaks oder gar Chumbawamba gut finden, wären The King Blues sicher eine vielversprechende Entdeckung.
The Ladybug Transistor
Clutching Stems
Fortuna Pop/Cargo
Manchmal ganz knapp am Kitsch schlittern die Ladybug Transistors auf ihrem neuen Album "Clutching Stems" vorbei. Aber echt, ein Song wie "Oh Christina" ist da schon verdammt nah an der Grenze. Dennoch kann die Band aus New York mit ihrem an die New Romantic Zeiten der frühen 80er Jahre erinnernden Sound irgendwie überzeugen. Das liegt an der etwas lasziven Stimme Gary Olson, am weiblichen Backgroundgesang, an den Johnny Marr-Gedächtnisgitarren, an den lieblichen Melodien und am ausgefeilten Songwriting. Manchmal klingen The Ladybug Transistor dann auch wie die poppigen und gut erzogenen Geschwister ihrer Labelmates der The Pains Of Being Pure At Heart. Doch, trotz Pathos, Romantik und Kitsch sind die Ladybug Transistors wirklich eine Entdeckung. Was heißt "trotz"? Wahrscheinlich eher deswegen…
Muffalo
Love Songs And Battle Hymn
Cargo
Damals, es ist locker über zehn Jahre her, als ich das erste Mal etwas von den Queens Of The Stone Age hörte und dann noch erfuhr, dass bei dieser Band der alte Miracle Workers Schlagzeuger spielte, eine Band, die ich in den frühen 90ern verehrte und glücklicherweise auch mal live sehen durfte, war ich ja wie weggeblasen von diesem Sound. Mittlerweile spielt Gene Trautmann schon lange nicht mehr bei den Queens und auch das mit dem "weggeblasen" hat sich ja mittlerweile erledigt. Und auch seit etwa zehn Jahren soll es nun schon Muffalo geben, bei denen neben Gene Trautmann auch der Mondo Generator Gitarrist Derek Myers mitspielt. "Love Songs And Battle Hymn" ist jedoch erst ihr erstes Album, was ja keine schlechte Ausbeute für ein zehnjähriges Bandbestehen ist - andere Bands werden nie ein Album aufnehmen. Und da wir schon bei so namhaften Bands wie die eben erwähnten sind, kann man da ja mal weitermachen: Produzent des voluminösen Stonerrock und Grunge Mixes auf "Love Songs And Battle Hymn" war Hunt Sales, der Schlagzeuger bei David Bowie und Iggy Pop war und den Endmix vollzog dann Paul Leary, seines Zeichens Gitarrist der famosen Butthole Surfers. Ja, so klingt wahre Rockmusik…
Nazca Lines
Hyperventilation
Stressed Sumo Records/New Music Distribution
Für gute Musik ist es nie zu spät… Natürlich könnte man jetzt ganz einfach schreiben, dass die Nazca Lines mit ihrem Sound aus hektischem und schrägem Post-Core etwa zehn Jahre zu spät kommen, aber darum geht es nicht in erster Linie. Klar hätte man mit solch einem Album die Hardcore-Punk Szene vor über zehn Jahren nachhaltig beeinflussen können, so wie es damals Bands wie At The Drive-In, Drive Like Jehu oder North Of America getan haben, dennoch sollte man heilfroh sein, dass solch ein Album immer noch aufgenommen wird in Zeiten von Metalcore und anderen schrecklichen Hardcore Entwicklungen. Und wenn die Band aus Seattle dann auch noch wie im Song "Swedish Kiss" diesen treibenden Fugazi-Groove hinkriegt und dann auch noch ein Typ der Blood Brothers bei zwei Liedern mitspielt, ist wohl alles richtig gemacht worden. Doch, die Nazca Lines sollte man sich unbedingt merken…
N.R.F.B.
Nuclear Raped Fuck Bomb
Major Label/Broken Silence
Frankie Stubbs auf Techno - was beim Lesen dieser Aussage schon befremdlich wirkt, klingt in echt noch befremdlicher. Aber werte Leatherface-Fans: gewöhnt euch daran, denn so etwas gibt es.
Nuclear Raped Fuck Bomb heißt Frankie Stubbs neues Projekt. Was zuerst so klingt wie der schlechte Name einer noch schlechteren Metalcoreband, entpuppt sich schnell als das vielleicht schrägste Punkbandprojekt der Welt. Denn neben Reibeisen Stubbs gibt es weiter namhafte Mitmusiker: Jens Rachut von Kommando Sonne-nmilch und ehemals von Dackelblut, Oma Hans und so weiter, Mense Reents von den Goldenen Zitronen und Thomas Wenzel von den Sternen. Klingt schräg? Ist es aber auch! Stellt euch mal Eurodance zusammen mit der melodischen Leatherface-Gitarre und dem bellenden Gesang von Oma Hans vor. Könnt ihr nicht? Ein Grund mehr, sich diese schräge Platte zu besorgen. Und keine Angst, es gibt nicht nur electro-lastige Songs. Auch wenn die Stimmen Jens Rachuts und Frankie Stubbs' N.R.F.B. eine dezente Tendenz in Richtung ihrer eigentlichen Bands geben, ist dieses Album mit nichts, aber rein gar nichts zu vergleichen, was die vier Herren vorher musikalisch verbrochen haben. Und allein das tolle Coverartwork mit dem Bein amputierten Frankie Stubbs sollte den Kauf schon rechtfertigen.
Chuck Ragan
Covering Ground
Sideonedummy Records/Cargo
In Zeiten da selbst Thees Uhlmann einen auf Möchtegernspringsteen macht (ich habe es nur gelesen, denn ich werde mich hüten, auch nur in die Nähe seines neuen Albums zu kommen), kann man heilfroh über das neue Soloalbum von Chuck Ragan sein. Der großartige Frontman der noch großartigeren Hot Water Music ist nämlich auf dem neuen Album "Covering Ground" in seiner Springsteen-Transformation noch ein Stückchen vorangeschritten. Hört euch nur den Opener "Nothing Left To Prove" an und ihr denkt fast, ihr hättet die falsche Platte aufgelegt - nämlich irgendwas von Springsteen. Ja, mittlerweile habe ich mich auch mit der Musik vom Boss angefreundet, denn da kommt man ja kaum noch dran vorbei. Wie viele sogenannter Punkrocker mittlerweile versuchen, seinen Sound zu kopieren…
Ja, auch Chuck Ragan ist einer dieser Springsteen-Plagiatoren - aber einer der richtig guten Sorte. Seine ganze Springsteen-Klasse manifestiert sich dann auch im Song "Wish On The Moon". Große Gefühle treffen hier auf eine raue Schale. Spartanisch nur mit Gitarre, Kontrabass und Fiedel eingespielt, versprühen die Lieder dann doch auch diesen gewissen Hot Water Music Touch. Manche Songs würden sicherlich auch in einer härteren Version als HWM Song gut funktionieren. Großes Album!
Subvasion
Lost At Funfair
Major Label/Broken Silence
Guts Pie Earshot waren in den 90ern in den Autonomen Zentren und den besetzten Häusern dieser Republik das ganz große Ding. Zu außergewöhnlich und cool neu war deren mit Cello, gelerntem Gesang und Electronic Klängen angereicherter Hardcore-Sound. Da Guts Pie Earshot mittlerweile leider nur noch ein Schatten ihrer selbst sind, ist es erfreulich mit Subvasion ein neues Guts Pie Earshot Projekt vorliegen zu haben. Zusammen mit der Schweizer Electronic-Künstlerin L.N/A treten sie auf "Lost At Funfair" mal wieder etwas härtere Wege aus. Der Breakbeat und Breakcore Sound von L.N/A steht den beiden Musikern von Guts Pie Earshot gut und nimmt ihrer Cello-World-Musik den Eso-Touch. Melancholie trifft hier auf Härte. Klassik auf Moderne. Gut!
Maria Taylor
Overlook
Affairs Of The Heart/Indigo
Sie machte schon als die eine Hälfte des weiblichen Americana-Duos Azure Ray von sich reden - seit einigen Jahren veröffentlicht Maria Taylor nun schon Soloalben, wobei "Overlook" nun den zwischenzeitlichen Höhepunkt markiert. Hört euch allein schon den Opener "Masterplan" mit dem pointierten Schlagzeug, mit dieser unbeschreiblichen Dynamik und mit dieser glasklaren Stimme Maria Taylors an und ihr werdet mir beipflichten, dass das wohl das Beste in Maria Taylors eh schon hervorragenden Output ist. Und auch wenn mit "Masterplan" schon das schönste Lied am Anfang des Albums steht, kann man bei weitem nicht davon sprechen, dass Maria Taylor ihr Pulver direkt am Anfang verschossen hat. Im Gegenteil, "Idle Mind" besticht durch seine tiefgehende Melancholie, "In A Bad Way" durch einen treibenden Groove oder "This Could Take A Lifetime" durch seine bezaubernde Sinnlichkeit. In Sachen Singer/Songwriter und Americana ist Maria Taylor definitiv ganz weit vorne. Großes Album!
Urge Overkill
Rock&Roll Submarine
UO Records/Cargo
Wer erinnert sich nicht an dieses grandiose Neil Young Cover aus dem Film "Pulp Fiction": "Girl, Youl'll Be A Woman Soon"? Das waren damals die flippigen Jungs von Urge Overkill, die nach 15 Jahren Funkstille nun mit "Rock&Roll Submarine" wieder ein starkes Stück Rock veröffentlichen. Grunge trifft hier auf Seventies-Rock, der manchmal etwas spacig, hin und wieder dezent funky klingt. Die alten Fans werden sich freuen.
We Sink
We Sink 10"
Chorus Of One Records
Franz Josef Wagner nennt es "Mamaland", Berlusconi nennt es "Scheiß Land" - wie auch immer, aus dem Land, das wie ein Dominastiefel geformt ist kommen We Sink mit ihrem doomigen, waghalsigen Hardcore. Was daran Punk sein soll, wie mir der Infozettel weismachen möchte, bleibt mir schleierhaft. Jedenfalls habe ich lange überlegt, ob man die Platte nun besser auf 33 oder 45 abspielen sollte. Geht irgendwie beides, denn es klingt so oder so sehr dumpf, dunkel, tief und doomig. Mein Sound ist es nicht, aber ein paar Mamas werden doch bestimmt drauf stehen.