Alex Face Never Been Alright
Alleycat Records/Soulfood
Vielleicht sind Alex Face die schwächste Band auf Alleycat Records, was noch lange nicht heißt, dass sie schlecht sind, denn die Jungs bei Alleycat haben ja schon Geschmack. Aber beim Sound von Alex Face fehlt mir so ein bisschen die Kontur, das Gesicht oder der rote Faden. Die Band klingt zu wenig eigen, sondern versucht an allen Ecken der Rock'n'Roll Geschichte das für sie Beste herauszufischen. Im Großen und Ganzen kann man die Musik auf "Never Been Alright" schon Garage-Rock nennen, es wird aber zu sehr auf die Großen des Business' wie Mando Diao oder White Stripes geschielt, so dass Alex Face irgendwie zu berechenbar klingen. Das ist dann so eine Art Stadionrock für alternative Hipsters. Na ja, da muss man wohl auf das nächste tolle Release auf Alleycat warten; und das kommt bestimmt, da vertraue ich den Schweden aber so was von…
Baby Woodrose Baby Woodrose
Bad Afro Records
Baby Woodrose ist mittlerweile Lorenzo Woodroses eigenes Baby geworden, hat der Mann doch alle Instrumente auf dem selbstbetitelten neuen Album selbst einspielt. Neben seinem Engagement bei Projekten wie den Freeks oder den Dragontears, findet der Däne auch noch Zeit sich wochenlang ins Studio für sein eigentliches Baby einzuschließen. Und das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Baby Woodrose entfernt sich immer mehr vom Space Rock und schlendert ziemlich mächtig in Richtung Sixties-Rock, Fuzzrock und Garagepunk. Das psychedelische Element der letzten Alben ging irgendwie verloren und Baby Woodrose ist wieder so rockig treibend wie in den Anfangstagen. Doch so poppig und eingängig wie auf "Baby Woodrose" war Baby Woodrose nie. Na ja, für Drogen- und Hippiemusik hat Lorenzo Woodrose ja seine eben genannten Nebenprojekte.
Big Drill Car A Never Ending Endeavor
Boss Tuneage/Rookie/Cargo
Nach all den teilweise überflüssigen Reunions diverser Bands, gibt es mit der Wiederbelebung der Poppunk-Legende Big Drill Car endlich eine Reunion auf die vielleicht nicht unbedingt die Welt gewartet hat, dafür aber ich umso mehr. Schnell die tollen, alten Platten "No Worse For The Wear" oder "Batch" aus der Kiste rausgeholt und eine kurze Zeitreise in eine Zeit, da Pop, Punk, Hardcore, Indie und Alternative noch nicht durch unüberwindbare Barrieren getrennt waren. In eine Zeit, als großartige Bands wie die Descendents, ALL, Doughboys, Coffin Break, Chemical People, Down By Law oder Heads Up das Geschehen beherrschten. Tja, wann war das noch mal gleich? So um 1990 etwa…
Nun haben sich Big Drill Car wiedervereinigt und ganze fünf neue Songs eingespielt, die auf "A Never Ending Endeavor" veröffentlicht wurden. Und das im Original-Line up mit Fank Daly, Mark Arnold, Bob Thomson und Danny Marcrft. Dazu gibt es dann noch eine ellenlange Liste mit raren und unveröffentlichten Stücken, drunter auch jeweils ein Cover von Hüsker Dü, Buzzcocks, Bowie, Cheap Trick und Billy Joel. Doch vor allem die fünf neuen Stücke haben es mir angetan, denn Big Drill Car haben in ihrer musikalischen Abstinenz rein gar nichts verlernt. Noch immer haben sie den Spirit der späten 80er und frühen 90er drauf…
Boxhamsters Brut Imperial
Unter Schafen Records/Alive
5 Jahre ist es nun her, als die Boxhamsters ihr letztes Album "Demut & Elite" veröffentlichten und ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich dieses Album recht langweilig fand. Es klang für mich zu fett produziert, zu hart und zu schnell. Irgendwie fehlte mir die Melancholie und die Düsterkeit, dieses EA80 Gefühl, dass die Boxhamsters auch immer gut konnten. Umso überraschter war ich, als ich das neue Album der Band aus Gießen gehört habe. "Brut Imperial" könnte, bis auf ein paar Textzeilen, auch ein legendäres Boxhamsters Album von Anfang der 90er sein, so im Stile von "Toetensen". Schon der Opener "1982" klingt wie ein alter Boxhamsters Klassiker, so auch Song Nr. 3 "Mogli". Bis auf den absoluten Ausfall "Der 3. Ton" ist "Brut Imperial" gespickt mit erstklassigen, melancholischen Punksongs. Weiter so, denn manchmal ist ein Schritt nach hinten, auch einer nach vorn.
Broadway Calls Good Views, Bad News
Sideonedummy/Cargo
Ähnlich wie bei Against Me!, Gaslight Anthem oder den Riverboat Gamblers, habe ich auch bei den Broadway Calls zwei bis drei Hördurchgänge benötigt, um dahinter zu steigen, was deren Musik so alles kann. Denn ähnlich wie die eben aufgelisteten Bands, verbinden die Broadway Calls gekonnt Americana mit Postcore und Emozeugs. Gibt es mittlerweile eigentlich eine Bezeichnung für diese Musikrichtung, für einen Sound, der auch immer mit Bruce Springsteen verglichen wird und von jungen, unrasierten Typen mit Tätowierungen und karierten Hemden gespielt wird? Da sollte man sich langsam mal was einfallen lassen. Wie auch immer, die Broadway Calls aus Oregon spielen auf "Good Views, Bad News" eine fulminante Mischung aus eben jenem Springsteen und Samiam sowie Hot Water Music und Blink 182. Da gibt es viel Pathos und große Gesten und an manchen Stellen kommt man auch an die rührende Melancholie von Gaslight Anthem heran. Produzent war übrigens der altehrwürdige Bill Stevenson.
Billy Childish Archive From 1959 - The Billy Childish Story
Damaged Goods/Cargo
Mich würde ja schon interessieren, ob es jemanden gibt, der alle Billy Childish Alben besitzt. Ich schätze ja sogar, dass Childish noch nicht einmal seine Discographe komplett besitzt. Allein das wäre ja schon eine richtig fette Sammlung, war der britische Musiker doch sage und schreibe 120 Platten beteiligt. Zu Ehren seines 50. Geburtstages, bringt nun das Label Damaged Goods ein Doppelalbum mit einer Werkschau aller Billy Childish Aktivitäten heraus. Angefangen bei seiner ersten Band The Pop Rivets, die er 1977 gründete, bis hin zu seiner aktuellen Band The Musicians Of The British Empire sind hier insgesamt 32 Jahre Billy Childish Musik vertreten. Das geht von den Buff Medways über Thee Headcotees, von den Chatham Singers hin zu Thee Mighty Caesars, von den Milkshakes zu den Delmonas und, und, und… Von Punk hin zu Garage Rock, von Sixties Beat hin zu Psychedelic Rock, von Rockabilly hin zu Countrypunk. Tja, Billy Childish hat zwar diesen coolen britischen Akzent, seine Musik klang dafür öfters mal sehr amerikanisch. Wer den Einstieg in den Billy Childish Kosmos mit dem Best of Album "My First Billy Childish Album" vor einiger Zeit verpasst hatte, könnte nun mit dem wirklich tollen "Archive From 1959 - The Billy Childish Story" in die Welt des Vaters des Rock'n'Roll einsteigen. Ein absolutes Muss!
Hot Water Music No Division
Unter Schafen Records/Alive
Ich weiß noch ganz genau, es war im Sommer 2000, Hot Water Music waren gerade dabei eine große Nummer zu werden, was mir bis dahin nicht bewusst war, wie ich mit ein paar Freunden zum Kölner Underground fuhr, um Hot Water Music live und n Farbe zu sehen. Ein guter Kumpel hatte mir etwa ein halbes Jahr vorher ein Tape mit Hot Water Music Songs gegeben und ich habe es damals geliebt. Ich war vom ersten Ton an fasziniert - und nun sollte ich diese grandiose Band live sehen. Was ich nicht ahnte, war das, dass wohl eine Menge Leute zu diesem Zeitpunkt fasziniert waren von Hot Water Music. Ich Depp dachte, dass das wieder eine dieser zu Unrecht kaum beachteten Bands sein wird, die vor einer Handvoll Leute spielen wird. Dem war aber nicht so, denn vorm Underground lungerten hunderte von Menschen rum, die alle nicht mehr rein kamen, da der Laden hoffnungslos ausverkauft war. Schiete.
Blöd gelaufen… und so hingen wir den ganzen Abend vorm Underground rum, tranken Bier, trafen Leute und hörten von Innen ein mächtiges Grollen. Als das Konzert dann vorbei war, gingen wir in den Club, um die Reste dieser großen Schlacht zu begutachten; und tatsächlich hatte der Merchandise Stand noch geöffnet und wurde von einer wilden Meute bevölkert. Ich quetschte mich durch die Massen, zückte mein Portemonnaie und zeigte wild gestikulierend auf eine der diversen dort ausliegenden Platten. Und wie der Zufall es so wollte, war es doch tatsächlich die "No Division", von deren Größe ich an diesem Abend natürlich noch nichts wissen konnte. Hatte ich es zu diesem Zeitpunkt schon geahnt? Du, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall verließ diese Scheibe in den nächsten Wochen nur höchst selten meinen Plattenteller.
Nun bin ich auch stolzer Besitzer einer "No Division" CD und kann die Platte schonen und mir die Songs jetzt auch auf meinem MP3 Player anhören. Und Hot Water Music, die ich jahrelang sehr vernachlässigt habe, erleben so bei mir einen zweiten Frühling. Und Songs wie "It's Hard To Know", "Our Own Way", "No Division" oder "Jet Set Ready" sind einfach grandiose, zeitlose Hits, die ich mir zurzeit fast jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit reinpfeife; da beginnt der Tag dann richtig gut. Toll, dass diese mittlerweile recht rare Platte neu aufgelegt wurde.
Nebula Heavy Psych
Teepee Records/Cargo
Psychedelic Rock lebt - und das sogar ziemlich heavy, wie der Titel des neuen Nebula Albums suggeriert. Und ich muss schon sagen, dass mich "Heavy Psych" komplett wegbläst. So einen fetten Psychedelic Rocksound habe ich in letzter Zeit selten gehört; vielleicht gerade noch von Baby Woodrose oder dem famosen Brant Bjork. Die gute alte Monster Magnet und Fu Manchu Schule lugt hier um die Ecke, aber auch ein wenig Mudhoney oder Witch. Ist ja auch kaum verwunderlich, spielte Nebula Mastermind Eddie Glass doch früher bei Fu Manchu und so lässt einen das Gitarrespiel zahlreiche Parallelen zu Fu Manchu ziehen. Das Nebula aber nicht nur ein bloßer Abklatsch sind, dafür sorgen dann aber auch Bassist Tom Davies und Drummer Rob Oswald, der früher für Mondo Generator spielte. Zudem gibt es eine Menge Wahwah-Sounds sowie einige funkige Passagen. Doch, "Heavy Psych" von Nebula ist bei mir derzeit ganz vorne mit dabei.
Pere Ubu Long Live Père Ubu!
Cooking Vinyl/Indigo
Ob Turbonegro, als sie ihren Song "What Is Rock?!" schrieben und darin diese Frage mit unter anderem "Cleveland, Ohio" beantworteten, auch Pere Ubu auf der Rechnung hatten, wage ich zu bezweifeln. Bestimmt ging es da eher um Bands wie die Dead Boys, die Pagans, die Electric Eels oder Rocket From The Tombs. Bei denen hat übrigens Pere Ubu Sänger David Thomas vorher gespielt, bevor er 1975 dann Pere Ubu gründete. Benannt haben sich Pere Ubu nach der Hauptfigur Père Ubu aus dem Drama Ubu Roi von 1895.
Und genau dieses Stück haben Pere Ubu nun auf "Long Live Père Ubu!" vertont. Und dieses Stück hat es wirklich in sich: es geht im Tyrannei und Macht, dabei werden diese Themen als Parodie und Groteske behandelt. Und all das spiegelt sich auch in der sehr eindringlichen Musik von Pere Ubu wider. Schon das von David Thomas als Eingang gegrunzte "Merdre" geht richtig unter die Haut. Überhaupt ist der Gesang von David Thomas und Gastsängerin Sarah Jane Morris verdammt stark. Die Musik klingt sehr avantgardistisch sowie düster und weist ziemlich mächtige Industrial-Einflüsse auf. Ganz großes Theater!
Polar Bear Club Chasing Hamburg
Bridge 9/Soulfood
Einen ziemlich coolen Emocore Sound irgendwo zwischen Avail, Hot Water Music, Sick Of It All, Gaslight Anthem und Anti-Flag brechen Polar Bear Club aus Syracuse auf ihrem neuen Album "Chasing Hamburg" vom Zaun. Dabei pendelt der Sound irgendwie immer zwischen Melodie und Härte; mal fett und brachial, mal harmonisch und gefühlvoll. Nur der etwas geknödelte Gesang lässt an manchen Stellen zu wünschen übrig. Der Sänger scheint teilweise richtiggehend zu platzen. Aber wenn Polar Bear Club dann wie beim Song "The Old Fisher Burial Ground" ziemlich nahe an die großartigen Samiam kommen, ist wieder alles in Butter.
Radio Burroughs The Principles Of Hope Or Hybris
Altin Village Records
Mit Radio Burroughs gibt es wieder mal eine hoffnungsvolle, junge deutsche Band, die den Absprung aus der Hardcore- und Screamoszene geschafft hat und ziemlich coolen Postcore mit melodischen Indieeinflüssen spielt. The Robocop Kraus oder auch Yage Fans könnten hier problemlos zugreifen. Zudem lassen sich aufgrund des weiblichen Gesangs Parallelen zu Monochrome oder den Pretty Girls Make Graves nicht von der Hand weisen. Mit den acht dynamischen Songs auf "The Principles Of Hope Or Hybris" haben sich Radio Burroughs in mein Herz gespielt. Ich befürchte aber, dass es wohl so viele Herzen geben wird, die sich auf solch einen Sound einlassen möchten. In diesem Punkt hätte ich auch nichts dagegen, dass ich mich täusche.
RF7 Hatred On The Rise
Just For Fun Recods
Wie heißt es derzeit bei den Stupids aus Ipswich so schön: The kids don't like it… Und auch bei der kalifornischen Hardcore-Punk Legende RF7 wird dieser Slogan leider Gottes auch wieder zutreffen. Dabei haben die alten Bands wie die Stupids, die Spermbirds, die Adolescents, SNFU oder eben RF7 mehr Energie und Aggression in ihrer Musik, als fast sämtliche neuen so genannten Hardcore Bands, die die Kids so lieben. Das, was heute meistens als Hardcore firmiert, ist ja näher am Metal und am Progressive Rock, als am Punk. Also, genau an der Musik, die die Hardcorekids in den 80ern verpönten und deshalb erst so schnell und wütend spielten. Und genau so spielen RF7 auch heute noch.
Dabei stellt das neue RF7 Album "Hatred On The Rise" so etwas wie ein Novum dar, denn es handelt sich hierbei um so etwas wie einen Wettstreit, einen "Challenge", wie es die Band ausdrückt. Denn die beiden Originalmitglieder Felix Alanis (Gesang) und Nick Lamagna (Gitarre) haben diese Platte mit zwei verschiedenen RF7 Bands aufgenommen: einmal mit dem aktuellen Band-Line Up und dann noch mit dem Original Line Up von Anfang der 80er Jahre. Dabei wurden jeweils zehn und neun Songs aufgenommen, alles im selben Studio und mit demselben Produzenten, um eine Art Wettbewerbserzerrung auszuschließen. Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen, denn hier wird einem schneller und kompromissloser 80er Jahre Amicore der Sonderklasse und mit einem brachialen Gesang geboten. Dabei klingt das neue Lin-Up etwas runder und ausgefeilter mit einer sehr coolen, sich am alten California-Punksound orientierenden Gitarrenarbeit. Dennoch sind beide RF7s ziemlich fett.
Die Skeptiker Fressen und Moral
Rozbomb Records/Cargo
Tom Schwoll scheint ja ein sehr umtriebiger Zeitgenosse zu sein, nicht genug, dass er wieder mit seiner alten, legendären Band Jingo De Lunch musiziert, nein, er ist auch bei den Skeptikern eingestiegen, die im Osten Deutschlands so etwas wie Kultstatus besitzen. 1986 in Ostberlin gegründet, waren die Skeptiker aufgrund der manchmal kaum vorhandenen Distanz zum Regime nicht ganz unumstritten. 1999 löste sich die oft etwas düster und poetisierend klingende Punkband auf.
Nun nach elf Jahren bringen Die Skeptiker mit "Fressen und Moral" wieder ein Album heraus. Mit Sänger und Texter Eugen Balanskat ist das einzige Originalmitglied verblieben, aber mit Tom Schwoll, Andy Laaf (Cassandra Complex, Mad Sin) und weiteren Musikern, hat man eine namhafte und kompetente Besetzung gefunden. Die Musik auf "Fressen und Moral" ist wie eh und je düster und recht hart. Das erinnert dann an die späten Abwärts oder Extrabreit Sachen, aufgrund des kleinen Metaleinschlages auch an die Neue Deutsche Härte. Der Gesang klingt sehr theatralisch und Songs wie "Arminius" dürften auch etwas für Rollenspiel-Gothics sein. Im Großen und Ganzen soll eine politische Attitüde transportiert werden, was sich auch im Pressetext mit Schlagwörtern wie "Bonzenlobby", Konsumstaat" oder "deutscher Steuerzahler" so liest, wie längst vergessen 80er Jahre Politparolen. Nur die Zeile "in den Zeiten von Hartz IV" lässt einen wieder klar werden, dass wir uns im 21. Jahrhundert befinden.
Southport Armchair Supporters
Boss Tuneage/Flight 13
Wow, ich habe eine neue Lieblingsband. Southport kommen aus England und haben nun mit "Armchair Supporters" ihr zweites Album innerhalb von zehn Jahren veröffentlicht. Und das Warten hat sich mehr als gelohnt, denn die Band um den SNUFF Gitarristen Simon Wells hat hier ein fantastisches Album mit schön melodischen Indie-Pop-Punk kreiert. Und das alles in der Tradition alter britischer Bands wie Mega City Four, HDQ, Leatherface oder auch SNUFF. Dabei klingt die Musik von Southport aber keineswegs altbacken, sondern richtig quirlig und lebendig. Die macht verdammt viel Spaß. Außerdem kommen einem auch noch ein paar alte Ami-Indie-Puk-Bands wie die Doughboys, Moving Targets, Alloy, Jones Very und die frühen Samiam und Lemonheads Sachen in den Sinn. Mit "Armchair Supporters" haben Southport eine richtig tolle melodisch-melancholische Pop-Punkplatte eingespielt, die bei mir derzeit rauf und runter läuft.
Street Sweeper Social Club Street Sweeper Social Club
Cooking Vinyl/Indigo
Tom Morello ist wahrlich so etwas wie eine Gitarrenlegende, hat er doch mit Rage Against The Machine und Audioslave einflussreiche Bands der härteren Töne betrieben. Mit seinem neuen Projekt Street Sweeper Social Club zusammen mit dem Rapper Boots Riley, tendiert Morello zwar mehr in Richtung HipHop, doch sein unverkennbarer Gitarrenstil ist auch hier wieder zu hören. Spätestens bei Song Nr. 3 "The Oath", was Gitarren-technisch nah an "Bombtrack" rankommt, sollte einem klar sein, wer dort die Gitarre bearbeitet. Doch der "Street Sweeper Social Club" klingt dann aber insgesamt etwas gediegener, trockener und mellow. Die Wut und Aggression von Rage Against The Machine wurde hier bewusst nicht übernommen, sondern mehr mit Gangster Rap-Einflüssen gearbeitet. Da hat der alte Morello mal wieder ein richtig cooles Projekt am Start.
TV Smith Live At The NVA Ludwigsfelde
Boss Tuneage/Rookie/Cargo
Nachdem Boss Tuneage vor zwei Jahren schon eine TV Smith/Bored Teenagers Live-CD veröffentlichte, mit den alten Adverts Hits, gibt es nun eine Solo-Liveplatte. Und bei aller Liebe, so richtig warm werde ich nicht mit dieser Idee, dass andauernd TV Smith Liveplatten veröffentlicht werden. Vielleicht liegt es ja auch daran, dass ich generell kein großer Fan von Live-Alben bin. Denn TV Smith ist ja eigentlich schon ein Phänomen und die alten Advertsklassiker wie "Great British Mistake", "One Chord Wonders" oder "New Church" sind auch halbakustisch mit Klampfe gespielt einfach nur zu gut. Aber auch die neueren Songs wie "In The Arms Of My Enemy", "Not In My Name" oder "It's Warming Up" sind großartige Lieder. Der Mann ist einfach ein großer Singer/Songwriter, der auch noch eine Menge zu sagen hat und das Herz am richtigen Fleck hat. Dennoch höre ich lieber seine Studioplatten oder gehe auf seine Konzerte.
Varsity Drag Rock'n'Roll Is Such A Hassle: Live In Europe
Boss Tuneage/Flight 13
Muss eine Band, die gerade mal ein Studioalbum hat, auch schon direkt eine Liveplatte raus bringen? Im Falle von Varsity Drag lautet die Antwort klipp und klar: JA! Denn hierbei handelt es sich ja um die Band von Ben Deily, der neben Evan Dando Co-Songwriter bei den famosen Lemonheads gewesen ist. Deily war bei den ersten drei Alben "Creator", "Lick" und "Hate Your Friends". So sind es nicht nur die Varsity Drag Hits wie "Summertime" oder "Miles Of Ocean", die "Rock'n'Roll Is Such A Hassle: Live In Europe" hochgradig hörenswert machen, sondern gerade die alten Lemonheads Klassiker "Postcard", "Burying Ground", "2 Weeks In Another Town", "Falling", "Ever", "7 Powers" und "Second Chance". Ich könnte mich jetzt noch umso stärker ärgern, dass ich Varsity Drag 2007 auf ihrer Tour verpasst habe. Hoffentlch kommen sie irgendwann mal wieder und hoffentlich gibt es dann auch mal wieder ein Studioalbum dieser fantastischen Band.
Chris Wollard & The Ship Thieves Chris Wollard & The Ship Thieves
No Idea Records
Endlich mal ein richtig cooles Soloalbum eines Punkrock-Musikers. Meistens sind diese Alben ja verstärkt durch Country, Americana oder Singer/Songwriter-Sound geprägt, man erinnere sich da nur an Kevin Seconds oder Chuck Ragan. Mit letzteren teilt Wollard die Gemeinsamkeit, dass sie beide bei Hot Water Music spielen, wobei Chris Wollard ja auch bei The Draft Gitarre spielt.
Chris Wollards Americana-Ambitionen sind eher dezent, zwar spielt er mit einer Band The Ship Thieves Country-lastige Songs wie "Reason In My Rhyme" oder "The Same To You", diese Songs weisen aber dennoch eine gefühlvolle und melancholische Größe auf, dass man den Countryeinfluss auch schnell mal vergisst. Die wahren Perlen sind aber Songs wie "No Exception", "All Things You Know" oder "Oh, Whatever", die so fantastisch nach alten, traurigen Indierock klingen, wie es zum Beispiel Hüsker Dü zu ihren Warehouse-Zeiten gemacht haben. Chris Wollard und seinen Ship Thieves ist mit diesem selbsbetitelten Album ein ganz großer Wurf gelungen, hinter dem die meisten seiner Punkrock-Kollegen, die ein Soloprojekt versuchen, einpacken können. Mega!
Yo La Tengo Popular Songs
Matador/Beggars/Indigo
"Popular Songs" - der Name ist Pogramm. Ich habe selten solch ein poppiges und eingängiges Yo La Tengo Album gehört, wie dieses. Dabei ist das überhaupt nicht wertend oder gar negativ gemeint, haben mir die Yo La Tengo Popsongs immer schon gut gefallen und das nicht nur als willkommene Abwechslung zu den schrägen und experimentellen Sachen. Da wird mit tollen Melodien gearbeitet, mit schönen Gitarren Akzentuierungen, sogar mit Geigen und orchestralen Klängen. Das Ganze klingt dann nach sonnigem Sixties-Pop wie in Brian Wilson auch nur mit Ach und Krach hinbekommen würde. Am Ende wird dann aber doch noch fulminant-instrumental rumexperimentiert. Da gibt es dann zwei ellenlange Indie-Rocknummern. Das lassen sich Yo La Tengo dann doch nicht nehmen.