And Also The Trees When The Rains Come
Cargo Records
Mal was ganz Neues von der Band, die Anfang der 80er eine Art Bandfreundschaft mit The Cure pflegte. Und so war der Sound der englischen Band, bis auf ein paar kleine Ausbrüche Richtung Americana zum Beispiel, immer vom englischen New Wave und Postpunk beeinflusst - also schön dunkel, melancholisch und nicht zu rockig. Ihr neues Album "When The Rains Come" haben And Also The Trees rein akustisch aufgenommen, was die ganze Sache mindestens genau düster und morbide macht. Schön ruhig und gediegen gehen die Engländer hier zu Werke, lassen auch hier ihr Gespür für sehr gutes Songwriting nicht vermissen. Das Cover erinnert übriges an Munchs "Madonna"-Gemälde/Schnitt. Sehr schönes Album.
The Ashtones Mainline Rocket
Nicotine Records/NMD
In der Aachener Punkrockszene besitzen die Ashtones aus Nordfrankreich schon so etwas wie einen Legendenstatus, haben sie doch die Szenekneipe das Hauptquartier zu ihrem zweiten Wohnzimmer auserkoren und spielen dort in stetiger Regelmäßigkeit. Sogar der Käsemann auf dem Aachener Neumarkt trägt hin und wieder ein T-Shirt der Ashtones. Das Quintett ist live in kleinen, schwitzigen Clubs einfach eine Wucht. Mit ihrem Rawk'n'Roll genannten Garage-Punk können die Ashtones auch auf ganzer Linie überzeugen und spielen sich eh andauernd auf Tour den Arsch ab. Und auch auf ihrem neuen Album "Mainline Rocket" gibt es im Grunde nichts Neues. Dieser ewige Ashtones Punkrocksound knallt aber einfach gut. Die Stooges, alte Crypt Records-Bands, Motörhead und auch die New York Dolls haben die Ashtones wohl zu dem gemacht, was sie heute sind: einfach eine der energischsten und mächtigsten Punk'n'Roll Bands in Europa.
Blotch Love & Rockets
Blunoise/Alive
Aus dem ganzen Wust an neuen Progrock und Avantgarde Bands etwas richtig Innovatives und Gutes herauszufiltern, ist schon keine leichte Aufgabe. Wie schön, dass Produzenten-Meister Guido Lucas immer wieder ein Händchen für tolle Bands hat und mit Blotch die nächste viel versprechende Band aus den Tiefen der deutschen Musiklandschaft ausgegraben hat. So machen Blotch nicht den üblichen doomigen Progsound der Marke Isis oder Mono, sondern sind dem Dancefloor nicht ganz abgeneigt. Industrial Rock trifft hier auf Disco. Blotch klingen auf ihrem neuen Album "Love & Rockets" verdammt groovy und tanztauglich. In den besten Momenten kommen sie gar an Mogwais Popsong "The Sun Smells To Loud" von ihrem letzten Album heran. Aber auch dieser frickelige und klackende Notwist-Sound kommt einem in den Sinn. Blotch sind für Progrock Verhältnisse sehr loungemäßig und genau deswegen auch einfach klasse.
The Church Untitled #23
Cargo
Selten habe ich einen derart langen Wikipedia-Eintrag über eine Indie-Band gesehen, wie den über The Church. Das Lesen dieses Eintrages nimmt ja fast genau so viel Zeit in Anspruch, wie das Hören des neuen, mittlerweile dreiundzwanzigsten regulären Albums "Untitled #23". Na ja, The Church gibt es ja auch ohne große Unterbrechungen seit knapp 30 Jahren und da wird es eben einiges zu erzählen geben. Auf ihrem neuen Album hält die australische Band, die zu ¾ noch aus dem Original-Line Up besteht, auch keine großen Überraschungen parat. Ihre dunkel gefärbte Rockmusik, die hin und wieder an Bowie in düster erinnert, ist geprägt vom New Wave der Marke Echo & The Bunnymen, Psychedelic Rock à la My Bloody Valentine und dreckigem, australischen Indie-Bluesrock, wie ihn auch die Beasts Of Bourbon zelebrieren. Das sphärische Krautrock-Element, was den The Church Sound ja auch hin und wieder prägte, spielt dieses Mal nur eine marginale Rolle. So fällt das Album sehr dunkel, ruhig und getragen aus, was in großartigen Pup-Rock-Hits wie "Pangaea", "Space Saviour" oder dem ganz ruhigen, balladesken "On Angel Street" gipfelt. Auch mit The Church ist Australien in Sachen Rockmusik ganz weit vorne.
Dÿse Lieder sind Brüder der Revolution
Exile On Mainstream/Soulfood
Immer wieder frage ich mich, wenn wieder neue tolle Bands aus den Staaten oder Skandinavien auftauchen, warum die deutsche Musiklandschaft nicht in der Lage ist, öfter mal erstklassige Bands auszuspucken. Immer wieder dieser Einheitsbrei, selbst im Untergrund. Dÿse aus Jena/Berlin haben mich dahingehend sehr überrascht, denn so etwas hätte ich aus deutschen Landen nie und nimmer erwartet. Mit "Lieder sind Brüder der Revolution" hat das Duo ein zwar recht sperriges Album geschaffen, aber schon nach dem zweiten Hören entfaltet sich langsam die ganze Spannung und Schönheit, die diese Platte besitzt.
Den Grundstein legt das sehr unkonventionelle Drumming, welches eine selten so gehörte Einheit mit der schrägen, aber grandiosen Gitarrenarbeit ergibt. Trompeten, Keyboards und Vogelgezwitscher-Pfeifen komplettieren diesen sehr anspruchsvollen, aber keineswegs anstrengenden Sound. Postcore der Marke Fugazi trifft auf Noise und gar Industial ähnliche Sounds. Gesungen wird auf Deutsch und Englisch, was hier ausnahmsweise auch mal nicht beknackt rüberkommt. Im Gegenteil, die Texte sind einigartig - irgendwie verrückt und schräg, aber nicht zu kryptisch und verstörend. Songs wie "Zebramann", "Treppe" oder "Supermachineeyeon", bei dem Jens Rachut (Oma Hans) als Gastsänger fungiert, sind einfach unschlagbar und zaubern ein breites Grinsen ins Gesicht, trotz des krachenden Sounds. Prädikat wertvoll!
Eagle Twin The Unkindness Of Crows
Southern Lord/Soulfood
Das Debüt-Album von Eagle Twin hätte auch problemlos "The Discovery Of Slowness" betitelt werden können. Die Musik zerrt und schleppt sich dahin, ohne aber langweilend oder einschläfernd zu wirken. Das ist Doom in seiner reinsten Form. Ist auch kaum verwunderlich, denn Kopf von Eagle Twin aus Salt Lake City ist kein Geringerer, als Gentry Densley, ehemals Mitglied und Ideengeber von Iceburn. "The Unkindness Of Crows" grollt und bollert nur so, was das Zeug hält. Düster, morbide, schleppend, scheppernd, hart, krachend und wuchtig klingt die Musik von Eagle Twin. Ganz groß!
Editors In This Light And On This Evening
PIAS
Das dritte Album der famosen Editors, nach den beiden abgefeierten Vorgängern "The Back Room" und "An End Has A Start", weckte wohl bei vielen hohe Erwartungen, denn kaum eine aktuelle Band kann ja den 80er Jahre New Wave und Indie Sound so authentisch spielen, wie die Band aus Birmingham. Und auch wenn ich die beiden ersten Alben großartig finde, kann man den Editors nur dankbar sein, dass sie sich nicht am Altbewähren festklammern und noch ein weiteres typisches Editors Album produzierten, sondern sich neu erfunden haben. Auch wenn dieses sich neu Erfinden nicht ganz so dramatisch ausfällt, ist der Unterschied dann doch recht gravierend.
Natürlich lässt der typische Bariton Gesang von Tom Smith keinen Zweifel daran, dass es sich bei "In This Light And On This Evening" um eine Editors Platte handelt, auch wenn er meines Erachtens noch düsterer als sonst klingt, und auch diese 80er Indie Grundstimmung ist auch da, aber die Editors haben die Elektronik für sich entdeckt. So fallen die alten Vergleiche mit Joy Division, Nick Cave oder Echo & The Bunnymen nicht mehr so sehr ins Gewicht, sondern eher mit New Order oder gar Anne Clark, wenn man mal den Gesang außen vor lässt. Die Musik auf "In This Light And On This Evening" ist definitiv erst einmal gewöhnungsbedürftig, aber schon nach dem zweiten oder dritten Hördurchgang, kristallisieren sich schon die ersten Ohrwurmpassagen heraus und man ist froh, dass es doch noch Bands gibt, die sich weiterentwickeln - positiv weiterentwickeln. Gut so….
Elysian Fields The Afterlife
Reverb/Alive
Und wieder eine Band aus New York, die in ihrem eigenen Land kaum Beachtung findet. Dieses Schicksal teilen sich Elysian Fields mit einer ganzen Reihe weiterer avantgardistischer Bands wie zum Beispiel Botanica. Der Prophet im eigenen Land ist halt nichts wert. Umso besser, dass das neue, fünfte Album wenigstens hier in Europa erscheint und hoffentlich hier die m würdige Beachtung erfährt. Denn das Duo Oren Bloedow (Musik) und Jennifer Charles (Gesang) hat mit "The Afterlife" ein weiteres dunkles, aber zerbrechliches Indie Album geschaffen. Dream Pop oder Rock Noir wird die Musik von Elysian Fields auch oft bezeichnet, beinhaltet sowohl Rockpassagen, als auch jazziges und New Wave Einflüsse. Und besonders die hauchende, säuselnde Stimme von Jennifer Charles, die ein wenig an PJ Harvey erinnert, macht aus einer eh schon tollen Musik, eine super tolle Musik. Absolut empfehlenswert.
The Ettes Do You Want Power
KNTRST Records
Letztens habe ich noch Greg Cartwright, den man vielleicht besser unter dem Namen Greg Oblivian kennt, live on stage mit seiner legendären Garage-Punk Band The Oblivians gesehen und es war ein absolutes Fest. Tja, warum schreibe ich das nun, könnte man sich jetzt fragen. Ganz einfach, Greg Oblivian hat die neue Platte von The Ettes produziert und ich brauchte zudem einen Aufhänger für diese Rezension. Neben seiner eigenen Band, produzierte der Herr Oblivian in der Vergangenheit auch Bands wie die Detroit Cobras oder Jay Reatard. Diese Information nur so am Rande, damit man direkt ahnen kann, in welche Richtung die Musik der Ettes geht - sie geht halt direkt, ohne Umschweife und ohne über Los zu gehen in die Garage. The Ettes haben mit "Do You Want Power" ein sehr kurzweiliges Garage-Rock Album geschaffen, das nur so scheppert und poltert. Dabei ist zu beachten, dass es sich hierbei nicht um Garage-Punk der alten Crypt-Schule handelt, sondern um Garage-Rock mit einer gehörigen Schüppe Indie-Rock darauf. Das geht dann, vor allem aufgrund der Sägerin Coco Hames ganz cool in Richtung Yeah, Yeah, Yeahs, The Kills oder Juliette Lewis. Für Garage-Puristen sind The Ettes wohl eher nichts, alle anderen, die sich irgendwo in der Schnittmenge Garage, Punkrock, Indie und Avantgarde wieder finden, sollten "Do You Want Power" unbedingt mal antesten.
The Gears/The D.I.s Rockin' At Ground Zero/Rare Cuts
Hep Cat Records
Nachhilfeunterricht in Sachen LA-Punk - The Gears rocken nun schon seit 1978 die kalifornische Punkszene. Gründungsmitglieder Axxel G Reese und Kidd Spike sind seit Anfang an dabei und haben 1980 auch das legendäre "Rockin' At Ground Zero" Album aufgenommen, welches jetzt in einer Deluxe Edition wieder veröffentlicht wird. Und man muss schon sagen, dass die Gears im Gegensatz zum damals an der Westküste entstandenen Ami-Hardcorepunk einen recht konservativen und rockigen Punksound gespielt haben. Surf Punk, Garage Punk, Rock'n'Roll, Rockabilly sind die Elemente aus dem der Gears Sound damals bestand. So haben sie damals schon den Sound der Suicide Kings/Humpers, Stitches oder auch der Briefs vorweggenommen. Ein Song wie "I Smoke Dope" geht auch wirklich gut in die Suicide Kings Ecke. Insgesamt sind auf der CD 23 Songs, davon die 15 regulären Songs, drei 7" Lieder und ein paar alte Demos von 1979. Hits wie "Let's Go To The Beach", "Don't Be Afraid To Pogo" oder das eben erwähnte "I Smoke Dope" sollten in keiner gut geführten Punkrock-Sammlung fehlen.
Auf der zweiten CD der Deluxe Edition befindet sich eine Songzusammenstellung von The D.I.s - nicht zu verwechseln mit der ebenfalls aus Kalifornien stammenden Punklegende DI. The D.I.s, aka The Drill Instructors, wurden 1982 von den Gears Mitgliedern Axxel G. Reese und Dave Drive als eine Art Nebenprojekt (?) gestartet. Die Band gab es bis 1992 und die Mitglieder wurden unter anderem aus legendären Bands wie TSOL oder The Joneses rekrutiert. Auf der D.I.s CD "Rare Cuts" befinden sich insgesamt 22 Songs, die noch etwas rockiger ausfallen, als der Sound der Gears. Das Rockabilly Element wird hier richtig ausgekostet, aber auch dezente Surf-Anleihen sind noch rauszuhören. Persönlich gefällt mir die Musik der Gears besser, da diese noch näher am Westküsten Punk der 80er Jahre dran ist. Insgesamt ist diese Deluxe Editions Doppel-CD eine sehr lohnenswerte Angelegenheit.
J Tex Misery
Heptown Records
J Tex kommt aus Dänemark und macht normalerweise Musik mit seiner Band J Tex & The Volunteers. Da J Tex aber mehr Musik im Kopf hat, als er mit seiner Band zeitbedingt umsetzen kann, hat er mit "Misery" nun sein erstes Soloalbum veröffentlicht. Auch wenn ich sonst kein großer Fan von Folk, Americana, Country und Bluegrass bin, hat der Herr Tex doch irgendwas, was mich nicht dazu veranlasst, schon nach zwei bis drei Songs auszuschalten. Vielleicht ist es das Unkonventionelle und Schräge, dass auch zum Beispiel einen Tom Waits ausmacht und so einzigartig erscheinen lässt. Natürlich ist J Tex weit entfernt von der Klasse eine Tom Waits, aber er ist auf jeden Fall auf dem richtigen Weg.
Krum Bums Same Old Story
TKO Records
Normalerweise kann man mich mit Bands der Marke Casualties aber so was von jagen, deshalb erwartete ich beim ersten Hören der neuen Krum Bums CD nichts Großes, ach, noch nicht einmal etwas Mittelgroßes. Doch die Krum Bums wissen auf "Same Old Story" zu überzeugen. Denn ihr Crust-Hardcore-Punk ist eben nicht die schon tausendfach erzählte und mittlerweile ermüdende Gutterpunk Geschichte, auch wenn die Krum Bums näher am Original bleiben, als die Casualties, die ja angeblich auf ihrem neuen Album in Richtung Ska schlittern. Die Krum Bums spielen immer noch brutal und schnell nach vorne los, ohne dabei einfach nur eine Uffta-Ufftata-Punkband zu sein, wie es sie unzählige Male gibt. Nein, die Amis flechten auch Elemente anderer Punkrock-Spielweisen in ihre Musik ein, da hört man auch mal Pup-artiges der Marke Dropkick Murphys, Melodicpunk à la Bad Religion oder 80er Jahre Hardcore-Punk, der sehr stark an The Accused erinnert. Dazu gesellen sich noch fette Metal-Gitarren, die in manchen Soli auch an alten Classic-Metal erinnern. Überhaupt hält sich die Gitarre nicht bloß an drei Akkorden auf. Wenn jetzt noch an der feuchten Aussprache von Sänger Dave Tejas gearbeitet wird, dann… obwohl, irgendwie hat dieser Gesang auch etwas.
The Neurotic Spiders Down To Kill
Nicotine Records/NMD
Benannt nach der legendären Johnny Thunders Platte, besticht dieses Album durch seine Rotzigkeit und Power. Dass die kleinen Japaner richtig abrocken können, am besten nur in Triobesetzung, weiß man ja spätestens seit der legendären Crypt Band Teengenerate. Und auch die Neurotic Spiders aus Tokio rocken sich auf "Down To Kill" den Arsch ab, mixen dabei ihren Punk'n'Roll Sound mit einer fetten Ecke Motörhead-Atmosphäre, was vor allem der grollende Gesang erzeugt. Cooles Debütalbum einer ganz coolen Band.
Skinny Bones & The Gonedaddys Shot My TV
Nicotine Records/NMD
Er ist im Hause Ramone ein- und ausgegangen und hat mit Marky Ramone zusammen die Intruders gegründet und in Joey Ramones Nebenprojekt Resistance gespielt. Zudem hatte er sich bei den Ramones Alben "Mondo Bizarro" und "Adios Amigo" am Songwriting beteiligt - die Sprache ist von Skinny Bones aus New York. Zusammen mit seiner Band The Gonedaddys präsentiert uns der Herr Bones ein schmissiges Punkalbum, das die gute, alte New Yorker Luft mit jedem Zug tief eingeatmet hat. Die Ramones lassen grüßen, ebenso die New York Dolls und natürlich das CBGB's. "Shot My TV" ist ein zeitlos gutes Album, was heute genauso wie vor dreißig Jahren funktioniert hätte. Hut ab!
Snail Blood
Meteor City
Snail gründeten sich 1992 in Seattle und ab da hätte ihre Geschichte ganz anders laufen können. Die Voraussetzungen waren also gegeben, im Fahrwasser von Bands wie Monster Magnet, Kyuss, Melvins oder auch Saint Vitus den großen Durchbruch zu schaffen. Nach zwei, drei Jahren und eine LP und einer EP war dann aber wieder Schluss mit Mucke. Nun, nach 14 Jahre Pause kommen Snail mit ihrem neuen Album "Blood" zurück auf die Landkarte des Stoner Rocks, des Dooms und des Grunges. Schön schleppend, fuzzig, spaceig und rockend klingt das Ganze, erinnert hin und wieder an alte Monster Magnet, Black Sabbath, Nebula, Soundgarden oder Stone Temple Pilots. Das Comeback von Snail ist auf keinem Fall, eines der Marke: "Ach nein, gibt's die schon wieder?" Im Gegenteil - willkommen zurück.
Strung Out Agents Of The Underground
Fat Wreck
Strung Out sind wieder zurück! Jetzt könnte man zu recht denn, dass die Band aus Kalifornien seit etwa 20 Jahren nie weg gewesen ist. OK, in Realität natürlich nicht, aber für mich waren sie eine gewisse Zeit kaum noch beachtenswert, zu stark wurde der Heavy Metal Einfluss in Strung Outs Musik. Dieses Metal-Gewichse gipfelte dann in dem sehr durchwachsenen "Blackhawks Over Los Angeles" Album vor wenigen Jahren. Mit ihrem Outtakes- und B-Seiten-Album "Prorotypes And Painkillers" Anfang des Jahres wurde ich dann wieder ein bisschen versöhnt, gab es hier doch eine Menge Hardcore-Punk-Kracher aus früheren Tagen der Band. Da wurde einem mal wieder bewusst, was für eine geile Melodic-Core und Ami-Punk Band Strung Out mal gewesen ist.
Und nun kommt das neue Album "Agents Of The Underground" raus und ich gewinne den Glauben an eine gute Welt wieder, denn Strung Out sind hier so gut, wie selten zuvor. Klar, sie haben immer noch hin und wieder ihre Metal-Gitarren, aber im Gossen und Ganzen überwiegt die Melodie. Trotz Metal, sind Strung Out wieder punkiger, gar Pop-punkiger geworden. Ich denke, dass es weniger Schreipassagen gibt und der Gesang wieder etwas melodischer und harmonischer geworden ist. Strung Out 2009 spielen eine ganz ausgewogene Mischung aus Metalcore, Emo und Skatepunk und machen auch vor einigen Midtempo-Nummern nicht Halt. Das klingt dann manchmal nach Samiam auf Metal. "Agents Of The Underground" weiß fast durchgängig zu gefallen.
Sunny Day Real Estate Sunny Day Real Estate
Sub Pop/Cargo
1995 entstand dieses in Sachen Emo wegweisende und legendäre Album von Sunny Day Real Estate auf dem noch legendäreren Label Sub Pop. Nun hat das Label aus Seattle dieses wunderbare und selbsbetitelte Album, was auch gerne mal als "LP2" oder das pinke Album bezeichnet wird, remasterd und wiederveröffentlicht. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn Sunny Day Real Estate haben sich reunioniert. Genau, in Originalbesetzung, also auch mit Bassist Nate Mendel, der ja sein Haupteinkommen mittlerweile bei den Foo Fighters verdient. Bin mal gespannt, ob die Band auch auf Tour kommt.
Die Musik auf dem pinken Album ist geprägt von tragenden, melancholischen, teils scheppernden, teils ruhigen Klängen. Alternative Rock meets Postcore, also genau das, was man heute als Emo bezeichnen würde. Und über allem schwebt der sphärische Gesang von Jeremy Enigk, der teilweise an den Gesang der ebenfalls legendären Porno For Pyros erinnert. Die CD kommt in einer schönen Papphülle, Linernotes und zwei Bonussongs. Sollte in keiner gut geführten Indie-Sammlung fehlen.
Teenage Bottlerocket They Came From The Shadows
Fat Wreck
Dass es so etwas heute noch gibt; und vor allem, dass so etwas heute noch auf Fat Wreck erscheint. Wusste gar nicht, dass so etwas heute noch im großen Stil gehört wird. Ich bin hin und weg, ich bin Fan geworden, Fan von Teenage Bottlerocket. Das schaffen nicht sehr viele Bands, mich als einen richtigen Fan zu gewinnen. Aber die Band aus Wyoming hat mich mit ihrem neuen Album "They Came From The Shadows" restlos überzeugt. Die Teenage Bottlerockets spielen richtig schön angepissten Poppunk wie man ihn vor etwa 15, 20 Jahren gespielt hat. Man könnte dazu jetzt böswillig Altherrenpunk für Berufsjugendliche sagen. Das Quartett vereinigt alle Lieblingsbands jener Zeit auf einem einzigen Album. Also die Quersumme aus den Queers, Badtown Boys, Down By Law, Dickies, ALL/Descendents, Samiam und Screeching Weasel. Und über allem schweben natürlich die altehrwürdigen Ramones. Dabei bleibt der Bubblegum-Punk Anteil dezent im Hintergrund und das Ganze fällt schön rockig aus. Mit Teenage Bottlerocket haben die Leute bei Fat Wreck mal wieder eine fantastische Punkband aus den Tiefen Amerikas gegraben. Bin sehr gespannt, wie sich diese Band noch weiterentwickeln wird.
The Untamed Delicious Death
Heptown Records
Es gibt sie zwar recht selten, aber es gibt sie dann doch immer wieder mal: Bands, die aus dem langweiligen Einheitsbrei des Psychobillys und des Rockabillys ausbrechen und verschiedene Einflüsse einfließen lassen, ohne dabei wie billiger Crossover zu klingen. Charley Horse oder die Legendary Shack Shakers fallen mir da jetzt spontan ein. The Untamed aus Dänemark können sich nun problemlos in diese Reihe eingliedern. Auf ihrem dritten Album "Delicious Death" mixen The Untamed ein teuflisches Gebräu aus Psychobilly, Garagerock, Country, Rockabilly, Horrorpunk und Blues. Dabei erinnert Mark Burros Gesang sehr an Glenn Danzig, was ja auch wieder passen würde. Der Mann hat wirklich eine fulminante Stimme und nicht nur bei Lied zwei "Annie" hat man die Assoziation, dass es sich hierbei um Mando Diao auf Psychobilly handeln könnte. Dieser Song ist ein absoluter Hit; überhaupt ist das Songwriting ziemlich gut. Klasse!