AC4 AC4
Ny Våg Records
Da hat es den ehemaligen Refused Kopf Dennis Lyxzén mächtig in den Fingern gekribbelt. Der Garagerock von The (International) Noise Conspiracy und der Poppunk der Lost Patrol Band sind ihm dann wohl doch zu wenig gewesen. Anscheinend hat der glückliche Herr Lyxzén nichts anderes zu tun, als nur Musik zu machen. Mit seiner neuen Band AC4 macht der Bühnenderwisch nun wieder Hardcore-Musik. Nicht so brachial und vertrackt wie bei Refused, dafür schön oldschool-mäßig voll auf die Zwölf. Melodischer 80er Jahre Amicore der Marke 7Seconds wird dezent mit Punk’n’Roll der Marke Crypt Records gemixt. Alle Songs gehen direkt nach vorne los und machen keine Gefangenen. Wenn man bedenkt, dass zudem kein Lied über zwei Minuten geht, weiß man sofort, woran man ist. Dennis Lyxzén kann musikalisch einfach nichts falsch machen. Bin gespannt, was die Band Live auf der Bühne abfeuert - das muss grandios sein. Jättebra!
A Good Deed A Good Deed
Concrete Jungle Records/Broken Silence
Eher durchschnittlichen Schwedenpunk präsentieren uns A Good Deed auf ihrer selbstbetitelten Debüt-EP. Die Grundideen sind zwar vorhanden, aber an der Umsetzung hapert es ein bisschen. Man möchte zwar gerne wie Gaslight Anthem oder gar The Clash klingen, kommt aber über lau gespielten Streetpunk kaum hinaus. Dazu rumpeln die vier Jungs aus Malmö zu sehr herum. Das Potential zu etwas ganz Gutem scheint da zu sein - vielleicht kann die Band dieses dann beim nächsten Mal etwas besser umsetzen.
Nova Aschere Rotten Make Up
Nicotine Records/NMD
Nova Aschere ist so etwas wie der nordrhein-westfälische Andrew Eldritch, macht der Mann doch New Wave und Gothic Musik, wie es sie in den 80ern von Bands und Künstlern wie Sisters Of Mercy, Bauhaus oder Phillip Boa gab. Nova Ascheres Debütalbum "Rotten Make-Up" atmet die Luft vom Berlin und London der 80er Jahre. Dabei ist zu beachten, dass er alles im Alleingang eingespielt hat und dass es eine richtig brauchbare und düstere Coverversion des Stooges Klassikers "Dirt" gibt; Velvet Underground werden auch noch gecovert. Schön, dass aus der Gothic-Szene mal wieder ernstzunehmende Musik kommt, nicht immer dieser theatralische und kitschige Sound für Rollenspieler.
The Boxer Rebellion Union
Den Bogen zwischen britischem New Wave der 80er Jahre und britischem Gitarrenrock der 90er spannen The Boxer Rebellion auf ihrem neuen Album erneut meisterlich. The Boxer Rebellion scheint eine Band zu sein, die schon beim zweiten Album kein Bock mehr auf eine Plattenfirma hat und somit "Union" in Eigenregie veröffentlicht. Was auch ganz gut ist, denn mit einer großen Plattenfirma im Rücken könnten die Londoner mittlerweile locker zusammen in einer Liga mit Placebo, Muse oder gar Radiohead spielen. Melancholische und sphärische Elemente werden immer wieder von rockigen Tönen abgelöst. Untermalt wird das alles von richtig toll groovenden Rhythmen und oben drauf gibt es diesen tragenden und melodischen Gesang, der Thom Yorke alle Ehre macht. Auch Freunde von Ride oder Glas Vegas werden an "Union" ihre helle Freude haben. So britisch der Sound von The Boxer Rebellion auch klingen mag, kann es "Union" aber auch mit der filigranen und düsteren Atmosphäre isländischer Bands wie Sigur Ros aufnehmen. So denke ich, dass The Boxer Rebellion uns richtig stilvoll durch den grauen und tristen Spätherbst bringen werden…
Dead To Me African Elephants
Fat Wreck
Boah ey, so gut hatte ich Dead To Me gar nicht Erinnerung, fand ich ihr 2006er Debüt "Cuban Ballerina" eher durchwachsen. Doch mit "African Elephants" hat mich das Trio aus San Francisco endgültig geknackt. Und man würde es sich zu einfach machen, wenn man behaupten würde, dass Dead To Me jetzt einen auf Against Me! oder Gaslight Anthem machen würden. Klar, Songs wie "A Day Without War" oder "Bad Friends" schlagen schon eindeutig in diese Kerbe, aber mit Liedern wie "Modern Muse" oder "Nothin Runnin Through My Brain" bekommt man die volle Breitseite Pop-Punk der Marke Descendents entgegen geschleudert. Und auch der Dub-Opener "X" sucht seinesgleichen. Die drei Jungs von Dead To Me werden in den letzten 3 Jahren eine Menge The Clash gehört haben. Ich bin jedenfalls Fan geworden!
Mike Doughty Sad Man Happy Man/Half Smove
ATO Records/Noisolution/Indigo
Nichts Neues an der Mike Doughty Front dachte ich beim ersten Hören seines neuen Doppel-Albums "Sad Man Happy Man/Half Smove". Das hat man ja alles schon auf seiner Werkschau "Introduction" Anfang des Jahres gehört. Aber nach dem zweiten Hören begann diese Platte ihre Wirkung zu entfalten. Der ehemalige Kopf von Soul Coughing ist einfach ein zu guter Songwriter, dass einen "Sad Man Happy Man/Half Smove" nicht berühren würde. Spärlich instrumentiert - fast nur mit Gitarre und Cello - entfaltet "Sad Man Happy Man" eine wundervolle Americana-Atmosphäre. Und Mike Doughtys durchdringende Stimme ist einfach einzigartig… Einziger Wehrmutstropfen ist die kaum vorhandene Soundabwechslung, wie es sie noch auf "Introduction" gab, wo es zum Beispiel auch Indie-Rock-Songs in voller Bandstärke gab.
Auf der zweiten CD "Half Smove" befindet sich ein Livemitschnitt eines Auftritts in Minneapolis und wer das Glück hatte, Mike Doughty zusammen mit seinem Cello-Spieler Scrap Livingstone auf Tour letzten Frühling sehen zu können, weiß, um was für ein spaßiges und kurzweiliges Spektakel es sich hierbei handelt. Der Mann ist ein ebenso begnadeter Entertainer wie Musiker und Songwriter. Seine Ansagen und Improvisationen sind einfach nur klasse. Wer Mike Doughty noch nicht mit "Introduction" kennen gelernt hat, der sollte spätestens jetzt mal zuschlagen. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Freaky Fuckin Weirdoz Oh My God
Rocking Ape/CMS
Manchmal holt einen ja dann doch wieder die Vergangenheit ein - die Freaky Fuckin Weirdoz habe ich bestimmt seit zehn Jahren nicht mehr gehört, obwohl ich Anfang bis Mitte der 90er ein ganz großer Fan der Band war, sie mehrmals live gesehen habe und ihre Alben "Weirdelic", "Senseless Wonder" und "Mao Mak Maa" rauf und runter gehört habe. Die Freaky Fuckin Weirdoz waren damals genau zum richtigen Zeitpunkt da, als Bands wie Faith No More, Urban Dance Squad, 24-7 Spyz oder Fishbone die alternative Musikszene mit ihrem Crossover und Funky-Metal aufmischten. Dabei hatten die Freaky Fuckin Weirdoz immer diesen esoterisch angehauchten Ashram- und Weed-Touch, wodurch sich die Band aus München von den anderen Crossoverbands abheben konnte. Ihre Platten waren musikalische Meisterwerke und ihre Konzerte großartige Partys.
Nun, etliche Jahre später treten die Freaky Fuckin Weirdoz wieder auf den Plan, geben vermehrt Konzerte und haben mit "Oh My God" ein neues Album veröffentlicht. Und es scheint sich nichts verändert zu haben im Leben der Weirdoz, denn "Oh My God" knüpft nahtlos an die guten, alten Funky-Metal Zeiten an. Harte Riffs, groovende Beats, exotische Klänge, fette Bässe und Sprechgesang machen auch 2009 den Freaky Fuckin Weirdoz Sound aus. A.K.A. und Gringo kreischen und rappen auch heute noch um die Wette. 1994 wäre dieses Album bestimmt ein Klassiker geworden, aber 15 Jahre später wird es wohl schwer mit diesem Sound, ernst genommen zu werden. Für Nostalgiker und alte Weirdoz-Fans wird "Oh My God" aber sicherlich eine Bereicherung sein. Bin mal auf die kommende Tournee gespannt.
The Generators Between The Devil And The Deep Blue Sea
Concrete Jungle Records/Broken Silence
Die Generators haben es einem ja nie so leicht gemacht - so waren ihre Alben bisher immer Wechselbäder der Gefühle. Nehmen wir zum Beispiel mal das legendäre Debüt-Album "Welcome To The End": Da gibt es auf der einen Seite so grandiose Hits wie "Plastic Roses", "Voices In The Night" oder das eher atypische "City Of Angels" und auf der anderen Seite einen ganzen Haufen belangloser und durchwachsener Songs. Ein Generators Album komplett durchzuhören, war bisher immer ein schwieriges Unterfangen…
Bis jetzt, denn mit "Between The Devil And The Deep Blue Sea" haben die Generators aus Los Angeles ihr bisher rundestes und ausgewogenstes Album heraus gebracht. Auch wenn der große Megahit fehlt, gibt es hier keine Ausfälle. Hier wird einem tollster Kalifornischer Punk mit viel Rock’n’Roll und Coolness geboten; oft im Midtempo Bereich und mit einem ausgefeilten Songwriting. Und je öfter man "Between The Devil And The Deep Blue Sea" hört, desto mehr Ohrwürmer bleiben hängen. Mit diesem Album haben die Generators meines Erachtens ihre beste Platte veröffentlicht - zwar spät, aber immerhin.
Gogol Bordello Live From Axis Mundi CD/DVD
Sideonedummy/Cargo
Auch wenn ich Firewater sehr gerne mag und letztens noch begeistert im 59 to 1 Club in München gesehen habe, bin ich kein großer Fan des Balkan-Rock oder gar Balkan-Punk. Deshalb stand ich auch der Band Gogol Bordello immer etwas ambivalent gegenüber. Klar, ich schätze Eugene Hütz sehr, vor allem seine grandiose Schauspielleistung im Film "Alles ist erleuchtet", aber dieses osteuropäische Folkgedudel ist meines Erachtens gewöhnungsbedürftig. Dennoch schätze ich die Livequalitäten der Band sehr, die ja ein erstklassiges Entertainment-Feuerwerk abfackelt. Umso besser, dass es sich beim neuen Gogol Bordello Album um ein Live-Album handelt, das an zwei Abenden in New York aufgenommen wurde.
Songs wie "Alcohol" oder "American Wedding" lassen erahnen, welch gute Stimmung auf diesen Gigs gewesen sein muss. Aber einen noch besseren Eindruck von der Live-Energie der Bordellos bekommt man bei der zweiten CD, der DVD "Live From Irving Plaza". Hier gibt es eine fantastische, komplette Live-Show, sowie tonnenweise Bonusmaterial zu sehen: sämtliche Videos, sehenswerte Interviews, sowie Studio- und Backstageaufnahmen. Doch, doch, auch für einen nicht all zu großen Kenner und Fan der Band, ist dieser CD und DVD Doppelpack "Live From Axis Mundi" eine sehr lohnenswerte Sache.
Je Suis Animal Self-Taught Magic From A Book
Angular Recordings/Alive
Das ist Popmusik, wie man sie auch gerne im Radio hören oder in den Charts sehen würde. Je Suis Animal kommen aus - na woher wohl? - Oslo und machen laut Infozettel Dreampop. Man könnte es auch Tweepop nennen, also Sixties-Pop gemixt mit Indie und New Wave. Bands wie Belle And Sebastian oder Stereolab fallen einem da sofort ein. In Norwegen scheint "Self-Taught Magic From A Book" schon richtig gut angekommen zu sein, hoffen wir auf etwas Ähnliches auch für Deutschland.
The Micragirls Wild Girl Walk
Bone Voyage/Cargo
Dass Finnen nicht bloß ein einfaches Garage-Rock Album veröffentlichen, sollte einem schon bewusst sein - dafür sind Finnen einfach zu durchgeknallt. Auch die Micragirls sind da einfach zu verrückt, experimentierfreudig sowie obskur und haben einen viel skurrilen und abstrusen Humor. Mit ihrem zweiten Album "Wild Girl Walk" kann das Garage-Punk Trio auf ganzer Linie überzeugen. Da gibt es krachenden Punk’n’Roll mit "Rock’n’Roll Rocket", melodischen Folkpop mit "Story Of Two", zuckersüßen Sixties-Pop mit "Summer’s Gone" oder psychedelischen und durchgeknallten Garage-Rock mit "Electric Chair Twist". Was uns die drei Damen hier präsentieren hat Hand und Fuß und verliert trotz der breiten Vielfalt nie den roten Faden. Und wenn dann beim Song "Out Of Tune" noch der altehrwürdige Jon Spencer mitsingt, kommt das ja einem Ritterschlag gleich. Hienoa!
The Monroes Roulette
Tocado Records/Radar Music
In Sachen mitreißender Indie-Musik habe ich jetzt schon länger nichts mehr Neues aus den Niederlanden gehört. The Monroes aus Groningen haben das Zeug, diese große Lücke endlich zu schließen. Mit ihrem sehr spannenden Sound aus Garagerock, Sixties-Beat und Indie-Pop erfindet das Quartett um die bezaubernde Sängerin Josje zwar das Rad nicht neu, dafür gibt es mit "Roulette" ein einfach rundes und kurzweiliges Rockalbum. Manchmal erinnern mich die Monroes auch aufgrund des Gesangs an ihre Landsmänner und -frauen von Bettie Serveert. Und wer dann am Ende noch so gekonnt die Oblivians covert, kann einfach nicht schlecht sein. Helemaal goed!
New Model Army Today Is A Good Day
Attack Attack/Alive
Ich muss gestehen, ich hatte ein wenig Angst, als ich die neue New Model Army CD in den Player schob; klar, die Band um Leader Justin Sullivan gehörte Ende der 80er zu meinen absoluten Jugendhelden und Songs wie "51st State", "Vagabonds" oder "I Love The World" wurden für die Ewigkeit geschrieben, aber will man diese alternden und zahnlosen Hippiepunks auch heute noch hören? Nach dem ersten Hören des neuen Albums "Today Is A Good Day" kann man nur noch reumütig sagen: Ja, man will!
Auch auf ihrer mittlerweile elften Platte, knüpfen New Model Army eindrucksvoll an ihre alten, glorreichen Tage an. Wut und Protest werden in tolles Songwriting und eingängigen Melodien verpackt. Powerchords werden ebenso eingesetzt, wie auch Schrammelgitarren. Punksmasher wie das brachiale "Today Is A Good Day" werden von ruhigeren, balladesken Songs wie "Autumn" abgelöst. Und Justin Sullivan scheint auch mit Anfang 50 immer noch ziemlich agro zu sein, so fulminant wie er die Missstände dieser Welt anprangert. Überraschend gut…
Old Canes Feral Harmonic
Saddle Creek/Indigo
Die kalifornische Indie-Rock Band The Appleseed Cast standen bei mir früher ganz hoch im Kurs. Ich erinnere mich da ein großartiges Konzert im Aachener AZ 2002, an tolle Alben wie "Lost Songs", "Two Conversations" oder "Peregrine" und natürlich an den sphärischen, düsteren und teilweise bombastischen Emo-Indie-Rock Sound. Da ich lange nichts mehr von der Band vernehmen durfte, war ich umso gespannter auf das neue Soloalbum des Appleseed Casts Leader Christoper Crisci. Als Ein-Mann-Band mit diversen Gastmusikern firmiert Crisci mittlerweile als Old Canes und hat mit "Feral Harmonic" ein sehr tolles Indie-Folk Album heraus gebracht. Kenner des von Conor Oberst gegründeten Labels Saddle Creek Records aus Omaha, wissen wahrscheinlich genau, was sie hier erwartet.
"Feral Harmonic" ist ein sehr harmonisches, ausgeklügeltes, verspieltes und kurzweiliges Indie-Album mit zum Glück nur dezenten Folkanleihen. Da gibt es flotte Folkpunk-Nummern wie das großartige "Little Bird Courage", melancholische Singer/Songwriter Songs wie "Trust", Postrock-artiges wie "Next Flood", Americana-Balladen wie "Under" und ganz große Gesten wie das fantastische "Flower Faces", welches die Verbindung zu Appleseed Cast fast am stärksten herstellt. Der Einsatz einer ganzen Armada an Instrumenten wie Trompete, Cello, Mandoline, Hackbrett oder Harmophon erzeugt sehr erdige und ausgefallene Stimmungen. Freunde von Saddle Creek Bands, Arcade Fire oder Friska Viljor sollten hier auf jeden Fall zugreifen.
The Pains Of Being Pure At Heart Higher Than The Stars
Fortuna Pop
Da sind sie wieder, die Shoegazer-Truppe aus New York. The Pains Of Being Pure At Heart gehören neben den Black Lips zu meinen persönlichen Neuentdeckungen des Jahres 2009. Nachdem die vier Herren und die eine Dame Anfang des Jahres ihr selbsbetiteltes Debütalbum veröffentlicht haben, ging es stiel bergauf. Es hagelte gute Kritiken allerorts, obwohl mit Fortuna Pop nur ein kleines Indie-Label hinter der Band steht. Die folgende Tour im Juni ließ dann auch begeisterte Fans zurück. Zumindest hier in München haben The Pains Of Being Pure At Heart das Publikum mit ihrer dichten, polyphonen und melodischen Indie-Musik bezaubert. Mit ihrer neuen EP werden die Pains ihre Fans auch dieses Mal nicht enttäuschen.
Auf "Higher Than The Stars" gibt es bis auf einen Remix des Titelsongs auch wirklich kaum was Neues. Und das ist auch gut so, denn für diesen etwas verträumten Indie-Sound und diese dichten Gitarrenwände liebe ich diese Band. The Jesus & Mary Chain, Ride, The Smiths oder My Bloody Valentine Remeniszenzen lassen sich auch dieses Mal nicht von der Hand weisen. Und vielleicht bin ich auch befangen, was die Pains Of Being Pure At Heart angeht, aber auch der Remix macht eine verdammt gute Figur, obwohl ich Remixe sonst eher verabscheue. Doch diese Mischung aus Elektronik und 80er Jahre Indie-Pop klingt richtig frisch. Na, hoffentlich kommt die Band mal wieder auf Tour vorbei… Ganz großes Tennis!
Pelican What We All Come To Need
Southern Lord/Soulfood
Wer auf Doom und Noise der Marke Isis oder Neurosis steht, hin und wieder aber auch mal ruhigere Postrock Töne à la Tortoise hört, der kann mit Pelican nicht viel verkehrt machen. Trotz schwerer Riffs und mächtiger Beats, schwingt beim Instrumental-Sound der Band aus Chicago auch immer etwas Leichtes und sphärisches mit. So was habe ich bis dato selten gehört - entweder rocken und doomen Bands um die Wette oder sie kommen eher melodisch und gediegen daher. Pelican finden jedoch auf "What We All Come To Need" eine ausgewogene Mischung. Es ist nicht zu laut, aber auch nicht zu leise; nicht zu fett, aber auch nicht zu dünn. Gefällt mir ausgesprochen gut. Mit von der Partie sind übrigens auch Gastmusiker von Isis und Sunno))).
Scumbucket Heliophobia
Noisolution/Indigo
Irgendwann Ende der 90er habe ich das erste Scumbucket Album "Heliophobia" in die Hände bekommen und war wie weggeblasen. Solch einen dichten, atmosphärischen, aber krachenden und fulminanten Indie-Rock hatte ich damals lange nicht mehr gehört. Nachdem die Grunge-Welle eine ganze Menge Schund zu Tage gefördert hatte, war ich verdammt froh, dass in diesem Bereich noch Leute gibt, die leidenschaftlich und authentisch klingen konnten. Scumbucket hatten mit mir damals einen neuen Fan gefunden. Auch die späteren Alben wie "Batuu" waren fantastisch, aber keines dieser Alben kam an die Frische und Wucht des in nur sechs Tagen aufgenommenen "Heliophobia" ran. Irgendwann verlor ich das Interesse an der Band aus Koblenz und hatte Scumbucket mittlerweile schon jahrelang nicht mehr gehört. Umso überraschter war ich, als das neue "Heliophobia" bei mir im Briefkasten lag.
Achtung, bei dem neuen "Heliophobia" handelt es sich keineswegs um ein banales Rerelease, sondern um ein komplett neu eingespieltes Album. Scumbucket sind in Originalbesetzung ins Studio gegangen und haben die alten Songs gänzlich neu eingespielt. Und dieses Mal brauchte das Trio um Kurt Ebelhäuser von Blackmail mehr als nur sechs Tage für die Studioarbeit. Da ich das alte "Heliophobia" zurzeit leider nicht zur Hand habe, kann ich jetzt schlecht sagen, ob es zu damals gravierende Unterschiede gibt. Aber keine Bange, man kann die Songs noch wiedererkennen und Lieder wie die grandiosen "Killing Me Dogs" oder "Breeze" wecken direkt wieder Erinnerungen an gute, alte Zeiten. Schöne Idee, dieses große Album neu einzuspielen. Nicht nur für Fans geeignet.
Shannon Wright Honeybee Girls
Unter Schafen Records/Alive
Die Musikerin und Songwriterin Shannon Wright ist mir 2005 durch ihre Zusammenarbeit mit dem großartigen Yann Tiersen aufgefallen und es scheint, als ob sich damals die Frau aus Atlanta musikalisch mehr durchgesetzt hatte. Das damalige Album klang nämlich nicht so farbenfroh und verspielt wie die meisten Tiersen Sachen, sondern eher düster und morbide. Auch auf ihrem neuen Album "Honeybee Girls" klingt Shannon Wright eher melancholisch und trist. Selten habe ich eine solch traurige und brüchige Stimme gehört. Mal hat es wie im Song "Tall Countryside" was von Nico, mal was von Patti Smith wie in "Embers In Your Eyes". Zusammen mit dem Bassisten Andy Baker und dem Schlagzeuger Brant Rackley hat Shannon Wright ein wunderschön trauriges Songwriter-Indie-Album eingespielt, das Fans von PJ Harvey, Stina Nordenstam oder Elysian Fields gleichermaßen gefallen könnte. Und was man Shannon Wright zum Schluss noch hoch anrechnen muss, ist die Tatsache, dass sie vollkommen auf Folk-Einflüsse verzichtet, so wie es ja viele ihrer Kolleginnen und Kollegen machen. Am Ende gibt es dann mit "Asleep" noch eine fantastische The Smiths Neuinterpretation. Ich ziehe meinen Hut!