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Atlas Losing Grip
Watching The Horizon
Horror Business/New Music Distribution
Yes, Rodrigo, Sänger und Schlagzeuger der legendären schwedischen Skate-Core Band Satanic Surfers ist wieder da. Von denen war ich in den 90ern ein großer Fan, da sie authentischer und vor allem besser waren, als ihre Kollegen von Millencollin oder No Fun At All. Und die besseren Live-Shows haben sie auch noch gegeben. Leider sind die Satanic Surfers nie so groß geworden wie die eben genannten Weggefährten, so dass Rodrigo nun wieder mit Atlas Losing Grip durch die kleinen Bars und Clubs touren muss - wahrscheinlich touren möchte. Jedenfalls haben sie in Salzburg ein famoses Hardcore-Punk-Feuerwerk abgefackelt - vor etwa 50 Leuten.
Rodrigo macht mit Atlas Losing Grip genau das, was er am besten kann: Hardcore-Punk mit einer etwas tragischen und melancholischen Note, also weniger lustiger Skate-Core, sondern etwas mehr Emo. Aber diese Mischung ist fantastisch. Da gibt es nicht nur flotte Kracher, sondern auch mal die eine oder andere Mid-Tempo Passage, bei denen die Kids im Rhythmus mit hüpfen könnten. Dass der Sound auf der CD-EP "Watching The Horizon" so verdammt authentisch nach Old-School Hardcore-Punk klingt, liegt wohl auch daran, dass neben Rodrigo von den Satanic Surfers auch gestandene Punker von Venerea oder Sista Sekunden dabei sind. Fetter Sound!




Beni Hemm Hemm
Retaliate
Kimi Records/Indigo
Beni Hemm Hemm habe ich letzten Sommer im Vorprogramm von Mùm gesehen, wo er zusammen mit zwei Mùmern diesen sehr verspielten und melodischen Singer/Songwriter-Pop spielte. Das Ganze war verdammt schön und eines Mùm-Support würdig. Mit "Retaliate" veröffentlicht der Wahlschotte nun eine 5 Song EP, die vor tollen Ideen und ganz großen Gesten nur so strotzt. Songwriting eins a, Dramaturgie fantastisch, Stimmung grandios. Sehr melancholisch klingen die Songs, die meist nur mit Gitarre und Piano eingespielt wurden. Doch am Ende wird dann noch für zwei Songs gerockt, obwohl der Ausdruck "gerockt" ein wenig übertrieben wirkt. Auch wenn man hier in voller Bandmontur mit Schlagzeug und so spielt, haben diese Songs auch wieder etwas Filigranes, Zerbrechliches, aber auch etwas Epochales. Woran erinnert mich nur diese tolle Stimme? An Stuart A. Staples? An Sigur Ros? An Connor Oberst? Fans dieser Künstler sollten auf jeden Fall mal bei Beni Hemm Hemm rein hören. Es lohnt sich…




Holly Golightly & The Brokeoffs
Medicine County
Damaged Goods/Cargo
Holly Golightlys (vor-)letztes Album war ja eher eines der anstrengenden Sorte mit diesem recht experimentellen Country-Sound, den sie und ihr Mitmusiker aus selbstgebastelten Instrumenten fabrizierten. Und nun geht sie wieder etwas songorientierte zu Werke, spielt eine Mischung aus Country, Blues und Sixties-Sound. Slide-Gitarren kommen hier ebenfalls vor wie auch erdige Orgelklänge. Zusammen mit ihrem Partner Lawyer Dave zelebriert sie einen Mix aus Jon Spencer, The Shangrilas, Nancy und Lee oder wie im Song "Blood In The Saddle" auch mal Johnny Cash. Schönes zurückgelehntes Album!




Juta
Running Through Hoops
Arctic Rodeo/Alive
Oh wie wunderschön. Das kanadisch-italienische Projekt Juta präsentiert uns auf ihrem Debüt einen dermaßen herzergreifenden Postrock-Sound, der dann noch von dieser traumhaften Stimme der Sängerin Barbara Adly gekrönt wird. Da gibt es nun wahrlich nichts dran auszusetzen. Erinnert irgendwie an verspielte Monochrom Lieder oder ein wenig auch an kanadische Kollegen wie Stars oder Arcade Fire, nur etwas filigraner, ruhiger und zerbrechlicher. Wunderbar jazzige Rhythmen treffen hier auf eingängige Melodien. Das Songwriting ist perfekt und klingt verdammt atmosphärisch. Einfach ein Traum!




Lombego Surfers
Still Got The Night
Flight 13
Der Name war ja schon immer etwas irreführend, so haben die Lombego Surfers ja viel mehr Garage-Punk Anteile im Sound, als Surf-Komponenten. Aber in Sachen Garage-Punk sind die drei Rocker aus der Schweiz fast unschlagbar. Da wo Bands wie die Cynics, die Miracle Workers oder die Nomads aufgehört haben, machen die Lombego Surfers seit einer halben Ewigkeit weiter. Und das mit gefühlten 35 Alben, wobei die neue Platte "Still Got The Night" mein mittlerweile viertes Lombego Surfers Album ist. Und viel hat sich da im Laufe der Jahre nicht verändert, was ja auch ganz gut ist. Von den Lombego Surfers will man keine Entwicklungen, Ausflüge oder gar Experimente erwarten. Man will einfach die volle Ladung Stooges-Rock mit einer Prise Surfsound darin haben. Oh ja, das rockt wie wild. Schwer zu sagen, ob es derzeit eine bessere Garage-Rock Band gibt…




Mother-Unit
Brain-Massage
Stickman Records/Indigo
Yo, das ist Spacerock in Reinkultur. Wie haben Monster Magnet mal ihre Musik so treffend beschrieben? "It's a satanic drug thing, you wouldn't understand!" Und das passt auch wie der Smiley auf den Trip zu "Brain-Massage" von Mother-Unit. Vier Songs, von denen drei über zehn Minuten lang sind, passt ja auch wieder zu den alten Monster Magnet Sachen, man erinnere sich da nur an die famose "Tab 25" Platte. Mother-Unit spielen hingegen Instrumental-Rock, der sehr episch und monumental klingt. Könnte glatt aus einem alten Science-Fiction-Soundtrack stammen. Und das Mother-Unit aus den Niederlanden so fantastisch gut und professionell klingt, liegt wohl auch daran, dass es sich hierbei um das Projekt von Bertus Fridael, dem ehemaligen Kopf der Space-Rock-Legende 35007 handelt. Ganz großes Kino!




The Picturebooks
Artificial Tears
Noisolution/Indigo
Und schon wieder reißen mich die Picturebooks aus Paderborn nicht so besonders vom Hocker. Nach ihrem Debüt-Album "List Of People To Kill" im letzten Jahr, haut das Trio mit "Artificial Tears" die nächste Scheibe raus in Sachen… ja wie nennt man das?... Artpunk vielleicht, schräger Indie-Rock, Grunge-Punk? Wie auch immer, die Picturebooks haben eine Menge guter Ideen, wollen wahrscheinlich aber zu viel auf einmal. Da geht jegliche Frische und Authentizität leider verloren. Das klingt dann alles zu Mucker-mäßig. Schuld könnte daran auch Claus Grabke sein, in dessen Studio "Artificial Tears" aufgenommen wurde. Irgendwie schade!




Pttrns
Science Piñata
Altin Village/Cargo
Die Pttrns aus Kölle präsentieren uns auf ihrem Debütalbum eine etwas sehr hektische Mischung aus Post-Punk, No Wave und Disco-Punk. Produziert wurde "Science Piñata" vom legendären Guido Lucas, der den drei Jungs aber auch nicht mehr Eier verleihen konnte. "Science Piñata" plätschert leider etwas uninspiriert dahin, obwohl die guten Ideen und das technische Vermögen vorhanden sind. Besonders angetan haben mir es jedoch die dubbigen Beats, die mich an die späten Pretty Girls Make Graves Sachen oder Q And Not U erinnern. An diese Bands kommen Pttrns zwar noch nicht ran, sie scheinen aber auf einem guten Weg zu sein.




Scumbucket
Sarsaparilla
Noisolution/Indigo
Ja, jaa, jaaaaa!!! Sie können es immer noch: große Pop-Melodien mit fett brachialen Rockriffs zu kombinieren. Ich war früher schon Scumbucket-Fan und bin es nun noch mehr. Dass man zu dritt so einen mächtigen Sound produzieren kann, grenzt dann schon an ein Wunder. Wer Scumbucket schon einmal live sehen durfte, weiß wovon ich rede. Und was Kurt Ebelhäuser und Konsorten auf "Sarsaparilla" wieder fabrizieren ist aller Ehren wert und macht Lust auf eine kommende Tournee, falls eine in Planung ist.
Mit "Sarsaparilla" haben Scumbucket wohl so etwas wie ihr spätes Meisterwerk geschaffen. Nicht mehr ganz so ungestüm und jugendlich wie ihre alten Alben, aber auch nicht zu glattpoliert. Diese goldene Mitte muss man ja auch erst einmal treffen… Große Popmelodien und mitreißende Background-Chöre der Marke Blackmail frischen nun den mächtigen Stonerrock auf. Da kann das Ebelhäuser Nebenprojekt Blackmail ja fast einpacken. Ganz, ganz groß!




Spanish Gamble
It's All Coming Down
Paper & Plastick
Spanish Gamble haben mit "It's All Coming Down" wahrscheinlich das Album veröffentlicht, zudem Hot Water Music wohl heutzutage nicht mehr fähig wären. Diese Unbekümmertheit, diese Rauheit, dieses Ungestüme der "No Division" ist ja bei Hot Water Music in den letzten Jahren etwas abhanden gekommen. Spanish Gamble haben dieses Emo-Core Lebensgefühl der späten 90er Jahre astrein eingefangen und in fantastisch mitreißenden Postcore Songs gebannt. Fans von Leatherface, Dischord-Bands oder eben Hot Water Music werden daran ihre helle Freude haben. Wäre dieses Album vor zehn Jahren erschienen, Spanish Gamble könnten genau so groß wie die Band aus Florida sein. Auch im neuen Jahrzehnt bin ich es nicht leid, gute Emo-Punk Musik zu hören, wovon es ja leider zu viel schlechte gibt. Spanish Gamble sind jedoch eine freudige, positive Ausnahme.




Varsity Drag
Night Owls
Boss Tuneage Records
Ben Deily, neben Evan Dando der zweite Kopf der frühen Lemonheads, ist mit seiner aktuellen Band Varsity Drag zurück. Nachdem es letztes Jahr ein Live-Album gab, welches ja auch Kostproben der neuen Scheibe enthielt, kommt nun mit "Night Owls" der nächste Geniestreich in Sachen Indie-Pop-Punk. War das letzte Album "For Crying Out Loud" schon grandios, legen Varsity Drag nun in Punkto Songwriting eine Schüppe drauf. Auch wenn "Night Owls" nicht mehr ganz so sonnig und poppig klingt, besitzen die Songs nun irgendwie mehr Atmosphäre. Im Großen und Ganzen klingt nun alles ein wenig melancholischer, düsterer und dramatischer, ohne aber aus dem Pop-Punk Rahmen zu fallen. Kann es sein, dass Varsity Drag auch aufgrund des Gesangs irgendwie nach Placebo klingen? Nein, Ben Deily braucht sich nun wirklich nicht hinter den letzten Evan Dando Veröffentlichungen verstecken. Dass man die beiden auch immer wieder vergleichen muss? Weiter so Ben Deily!