39 Clocks Zoned
De Stijl/Cargo
Die 39 Clocks sind mir, leider etwas spät, vor einigen Monaten auf dem "Dancing, Food & Entertainment - German Neo Psych Classics"-Sampler untergekommen. Dabei handelt es sich bei den 39 Clocks, wenn man sich mit deren gehaltvollen Geschichte und deren abgedrehten Sound näher beschäftigt, um eine höchst spannende Band. Die 39 Clocks kamen aus Hannover und bestanden im Kern aus den beiden Musikern Christian Henjes und Juergen Gleue, die auch schon in den 70ern zusammen Musik machten und, so will es die Sage, Joseph Beuys auf einer Dokumenta in Kassel mit ihrer Musik so nervten, dass er das Konzert abbrechen ließ. Tja, so viel zum Thema künstlerische Freiheit und Spießertum. Zur Beuys Verteidigung muss man allerdings sagen, dass es Henjes und Gleue aufs Beste verstanden, chaotische, laute und krachende Konzerte zu zelebrieren, die von zahlreichen Besuchern fluchtartig verlassen wurden. Man muss bloß den Namen 39 Clocks bei Google eingeben und man findet zahlreiche Foreneinträge, die sich mit den Livequalitäten der 39 Clocks beschäftigen.
Mit "Zoned" kommt dieser Tage so eine Art Werkschau der 39 Clocks raus. Und "Zoned" ist nun wahrlich ein Album, das man sich besorgen sollte. Die 39 Clocks waren in ihrem Sound wohl so etwas wie die Fortführung von Krautrock. Es gibt kaum zu überhörende Can-Anleihen, aber auch Velvet Underground scheinen immer wieder mal durch. Es gibt viele Loop-Sachen, Gitarrengeschredder und einen Sänger, der nicht singen kann. Also, alles einfach gut und aus "Twist & Shout" wird "Twisted & Shouts". Doch, es ist auch hier wieder nicht zu spät für eine Geschichtsstunde in Sachen Deutscher Avantgarde und Psychedelic Musik.
The Bottrops Entertainment Overkill
Destiny/Bottropop
In Sachen Studentenpunk sind die Bottrops ja ganz vorne mit dabei. Auf den Spuren von Funpunk, Deutschpunk und Hamburger Schule bringen die Bottrops aus Berlin nach ihrem selbstbetitelten Debüt von 2007 mit "Entertainment Overkill" nun ihr zweites Album raus. Die Jungs um Johnny Bottrop (ex-Terrorgruppe) verbinden hier mal wieder gekonnt ausgereifte Punkmusik mit Powerpop und New Wave Anleihen sowie bissige und amüsante Texte. Auch wenn ihnen an der einen oder anderen Stelle der Zeigefinger ein wenig ausgerutscht ist (zum Beispiel bei "Die Großen der Geschichte"), können sich die Songs auf "Entertainment Overkill" wirklich hören lassen.
Capillary Action So Embarrassing
Discorporate Records/Soulfood
In Sachen Avantgarde oder Jazzrock waren bisher die Amerikaner von etwa Cuneiform Records, Ipecac oder Tzadik Records die großen Nummern, wenn man in einem Genre, das sich eher durch Leidenschaft und Hingabe finanziell über Wasser halten kann, von einer "großen Nummer" überhaupt sprechen kann. Seit einiger Zeit kommt nun aus Ostdeutschland frischer Wind in den etwas angestaubten Jazzrock. Mit Discorporate Records hat sich nun ein junges Label aufgemacht, schräge, wilde, chaotische und unkonventionelle Musik unters Volk zu bringen; dazu gibt es auch einen sehr lesenswerten Bericht im aktuellen Persona Non Grata Magazin.
Mit Zarboth hatte ich ja schon vorletzten Monat eine ziemlich coole Discorporate Band rezensiert und nun kommen Capillary Action aus New York dran. Und man muss schon sagen, dass die drei Jungs ihr Handwerk mehr als verstehen. Früher hätte man so etwas Frickelcore genannt, obwohl mir fast zu viel gefrickelt wird und es fast zu wenig Core gibt. Das Ganze klingt ein wenig zu Freejazz-lastig, um noch interessanter für mich zu werden. Vielleicht ein paar härtere Ecken und Kanten an den richtigen Stellen und "So Embarrassing" wäre ein absolutes Aha-Erlebnis geworden. So sind Capillary Action für mich lediglich ein Mhm-Erlebnis. Dennoch, Hut ab vor dieser Leistung!
Cats On Fire Our Temporary Movement
Cargo Records
Wenn man es nicht wüsste, könnte man denken, dass es sich bei Cats On Fire um eine Indie-Band aus den 80ern handeln würde, nein, müsste, so fantastisch gut adaptieren die vier Finnen den Sound von Morrissey und The Smiths. Nein, die Cats On Fire sind aber ellenlang davon entfernt, bloß eine einfache Smiths-Kopie zu sein und bringen noch eine verspielte, ja vielleicht folkige Note in ihre Musik, die dann hin und wieder an Belle And Sebastian erinnert. Mit "Our Temporary Movement", ihrem zweiten Album, stehen die Cats On Fire in einer Reihe mit Bands wie The Pains Of Being Pure At Heart und ihren Landsleuten Joensuu 1685. Also, junge Bands, die den 80er Indie und Wave Sound auf eine frische und unkonventionelle Weise ins neue Jahrtausend transferieren. Die Cats On Fire sind Ende Mai und Anfang Juni auf Tour. Anspieltipp: der Überhit "Fabric".
Clues Clues
Constellation/Alive
Die Clues hätten sehr gut auf Sub Pop gepasst, zu Soundkollegen wie No Age, The Thermals oder Oxford Collapse, aber auch bei Constellation ist das Quintett gut aufgehoben, zwischen Do Make Say Thing und Silver Mt Zion. Kopf der Band ist Brendan Reed, der vorher bei Arcade Fire gespielt hatte. Und zählt man nun all die eben genannten Bands zusammen, weiß man wohin die Reise geht: es geht etwas verträumt, schräg und abschweifend in Richtung Postrock, Postpunk, Indierock und Indiepop. Pavement oder Sebadoh fallen einem hier vielleicht als Referenzen ein. Aber auch diese ganzen Kanadischen Musikkollektive wie Broken Social Scene, Stars oder eben Arcade Fire haben hier ein Wörtchen mitzureden. Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum haben Clues ein hervorragendes und nachhaltiges Stück Indierock fabriziert. Toll.
Dr. Norton The So-Called
Go Kart Records/PIAS/Rough Trade
Mit ihrem letzten Album "Your Plot - The Prison - Our Escape" konnten mich Dr. Norton aus Berlin schon nicht so richtig überzeugen und auch "The So-Called" will nicht richtig zünden. Zu sauber und glatt poliert klingt ihr Sound aus Garagerock und Indiepop. Man schielt wohl zu sehr auf einen kleinen Erfolg, was? Nur schade, dass die meisten richtig coolen Garagerock-Bands aus Skandinavien oder den USA und leider nicht aus Deutschland.
The Furthermost All Against The World
Chorus Of One Records
Aus Portugal kommen The Furthermost und hauen uns auf "All Against The World" elf Hardcore-Kracher um die Ohren, die das Wort "Kracher" auch wirklich verdienen. Da gibt es kein blindes Gebolze, sondern richtig tolle Songs irgendwo zwischen Westcoast Skatecore und Eastcoast Aggrocore. Strung Out oder Good Riddance treffen hier auf Sick Of It All. "All Against The World" kann an zahlreichen Stellen überzeugen.
Industri Royal Tacky Skills
Alleycat Records/Soulfood
Schweden scheint ja in Sachen Power-Pop-Punk das Land der Stunde zu sein - schon wieder. Nachdem die Yum Yums und Lost Patrol, die Band um den Noise Conspiracy Sänger, sich schon seit Jahren soundtechnisch auf alte Pop-Punk Helden wie Buzzcocks oder Wire berufen, gibt es auch immer mehr Label wie zum Beispiel Ny Vag Records, die sich dieser Musik verschreiben. Mit Alleycat Records macht nun das nächste schwedische Label auf sich aufmerksam, dass neben Garage-Rock Bands auch eine Hand voll Pop-Punk Bands vertritt. Eine davon ist Industri Royal aus Umeå, die anscheinend aus ganz schrägen Vögeln besteht, sieht man sich die Typen auf den Fotos im Booklet und auf dem Cover an.
Musikalisch bekommt man hier die volle Breitseite Power-Pop um die Ohren gedonnert: immer schön melodisch und eingängig, aber nie beliebig oder uninspiriert. Nein, Industry Royal schaffen es ganz gut auf der einen Seite süß zu klingen und auf der anderen Seite dann angepisst. So besitzen die zahlreichen Ohrwürmer auf "Tacky Skills" auch genügend Wut und Energie. Hört euch nur mal den Überhit "Location, Location, Location" an und ihr versteht mich. Coole Band.
The Nightingales Insult To Injury
Klangbad/Broken Silence
Die Nightingales sind eine Postpunk-Band aus Birmingham, die 1979 aus ehemaligen Mitgliedern der legendären Punkband The Prefects gegründet wurde. Nach einer etwa 20jährigen Pause fanden sich die Nightingales vor ein paar Jahren wieder und bringen nun mit "Insult To Injury" ein ziemlich trockenes und schräges Postpunk-Album heraus, das auch Anleihen im Pubrock aufweist. Das Ganze erinnert hin und wieder stark an Mission Of Burma oder Iggy Pop Sachen aus den 90ern. Aus Holland kam auch eine Zeit lang solch ein Sound, man denke da nur an Herman Brood oder Claw Boys Claw. Es gibt also dunkle Rockmusik mit unkonventionellen Ideen und einer tiefgründigen und markanten Stimme. Schöne Platte.
NOFX Coaster
Fat Wreck/SPV
Wahrscheinlich muss Fat Mike sein Anwesen unterhalten bei den fallenden Immobilienpreisen, anders ist die Veröffentlichungswut von NOFX kaum zu erklären. Vielleicht so noch, dass NOFX einfach immer viel zu sagen und zu rocken haben, denn deren neues Album "Coaster" kann sich wahrlich sehen lassen. Zwar gibt es diesen typischen NOFX Melodiccore in Hülle und Fülle, aber auch das eine oder andere Fettnäpfchen in Form von Schweinerock ("We Called It America"), Trashmetal ("Eddie, Bruce, And Paul") oder Ska ("Best God In Show") wird nicht ausgelassen. Und ein Song wie "My Orphan Year" hätte auch locker auf das legendäre "Punk in Drublic" Album gepasst. Tolles NOFX Album und somit einfach auch ein tolles Album…
Olehole Holemole
Go Kart Records/PIAS/Rough Trade
Das ist Emocore wie wir ihn hören wollen: ehrlich, mit Ecken und Kanten, mächtig und einfach nur verdammt gut. Olehole aus Oakland/Kalifornien überraschen mich als neue Band vollkommen, so fantastisch ist deren Debüt-Album "Holemole". Obwohl, wundern müsste einen das nicht gerade, hat man doch mit ehemaligen The Ghost und Dead To Me Leuten, erfahrene Musiker in Sachen Postcore und Emopunk am Start. So sind auf der einen Seite das besonders gute Songwriting und die hervorragende Gitarrenarbeit zu beachten, auf der anderen Seite aber die schleppende und scheppernde Rhythmussektion, die schon fast in Richtung Doomrock geht. Stellt euch die langsamen, aber mächtigen Fugazi oder Hot Water Music-Nummern vor und füllt damit ein ganzes Album - dann bekommt ihr "Holemole" heraus. Einfach nur geil.
The Paper Chase Someday This Could All Be Yours (Part 1)
Southern/Soulfood
Konzeptalben sind ja dann doch meistens eher ein Griff ins Klo als wirklich brauchbar, oder? Nicht so im Falle von "Someday This Could All Be Yours (Part 1)" von The Paper Chase. Die Band aus Dallas bezeichnet ihr Konzept dann auch wie folgt: "about natural disasters" und schnell wird klar, dass es sich um ein richtig schräges und krankes Konzept handelt. Songtitel wie "If Nobody Moves", "Your Money Our Your Life" oder "This Is A Rape" lassen da auch keine Kompromisse offen und "Someday This Could All Be Yours (Part 1)" klingt dann so wie ein vertonter Gruselthriller der Marke Hitchcock. Da wird mit Effekten und Samples gearbeitet, Türknarren, Psycho-Geigen, "Kein Anruf unter dieser Nummer"-Gepiepe oder Sirenengeheul eingebaut und Lacher wie bei Sitcoms eingespielt. Dazu gibt es dann noch mitreißenden Avantgarde-Indierock, der hin und wieder auch an Industrial erinnert. Cop Shoot Cop kommen da einem in den Sinn, aber eigentlich sind The Paperchase auf "Someday This Could All Be Yours (Part 1)" dann doch zu eigen und einzigartig, als das man sie guten Gewissens mit einer anderen Band vergleichen könnte. Und sogar das "He's got the whole world in his hands"-Zitat passt richtig gut rein. Mit "Someday This Could All Be Yours (Part 1)" ist The Paperchase ein fantastisches und überaus einmaliges Album gelungen. Da kann man ja nur noch auf den angekündigten zweiten Teil gespannt sein.
The Picturebooks List Of People To Kill
Noisolution/Indigo
Wie oft habe ich an dieser Stelle schon geschrieben, dass irgendein alter Rock'n'Roll Heini es immer noch besser drauf hat, als die meisten Jungspunde heutzutage. Na ja, mit The Picturebooks hat die Jugend dann wohl zurückgeschlagen, denn die drei Bandmitglieder sollen im Schnitt gerade mal 20 Jahre alt sein. Gib der Jugend eine Chance oder wie Social Unrest (mittlerweile ja auch alte Rock'n'Roll Heinis) schon so treffend gesungen haben: "Making Room For Youth"!
20 Jahre - das kann man doch nicht glauben. Kennen die drei denn wirklich schon all Bands wie Cop Shoot Cop, Cramps, Foetus, Ministry, Adam And The Ants, Suicide, Joy Division oder die Stooges, denn all das atmet der Sound der drei Jungs aus Gütersloh ein und vehementer auch wieder aus. 30 Jahre Indiegeschichte wird hier auf ein Album gepresst und Gütersloh ist plötzlich der Nabel der Welt. Dann verpasst man dem Album mit "List Of People To Kill" noch einen coolen Titel und fertig ist so etwas wie das Album des Jahres. Würden The Picturebooks aus England kommen, wären sie mit Sicherheit das nächste große Ding.
Pink Mountaintops Outside Love
Jag Jaguwar/Cargo
Man bräuchte nur die Bands aufzählen, aus deren Reihen sich die Musiker der Pink Mountaintops rekrutieren, um eine absolute Kaufempfehlung für "Outside Love" auszusprechen: A Silver Mt. Zion, The Organ, Godspeed You! Black Emperor, Jackie O Motherfucker oder Sunno)))). Und Kenner dieser Bands wissen direkt, wenn sie eins und eins zusammenzählen, dass die Pink Mountaintops wohl aus Kanada kommen. Kopf dieses Konglomerats ist ein gewisser Stephen McBean, der für sein drittes Album all diese illustren Gäste um sich scharte.
Die Musik auf "Outside Love" bewegt sich irgendwo zwischen 60er Jahre Psychedelic-Sound der Marke Velvet Underground und psychedelischen 80er Jahre Indie-Sound der Marke Jesus And Mary Chain oder Echo And The Bunnymen - immer schön düster, morbide und getragen, aber auch verspielt und sehr eingängig. Nach mehrmaligem Hören von "Outside Love" kann ich die eben ausgerufene Kaufempfehlung noch weiter untermauern.
Pistol Mob Close Enough
Alleycat Records/Soulfood
Ebenfalls wie Industri Royal (siehe oben) aus Schweden und auf Alleycat Records, können mich Pistol Mob nicht ganz so überzeugen. Die vier Jungs aus Göteborg wissen anscheinend nicht so genau, was sie machen wollen: ob Garage-Rock, Power-Pop, Schweine-Rock, Punk oder Alternative. Irgendwie fehlt dem Ganzen der rote Faden und somit eine einfache Zugänglichkeit. Was nicht bedeutet, dass sich auf "Close Enough" keine guten Songs befinden, hört euch nur den Punkrock-Smasher "Wasted Weekend" an. Die Jungs haben eine Menge Power unterm Hintern. Auch wenn mir das Industri Royal Album besser gefällt, Pistol Mob sind bestimmt die bessere Live-Band.
Sophia There Are No Goodbyes
Cityslang/Universal
Lange musste man auf ein neues Lebenszeichen von Sophia warten, fast zu lange, denn das letzte, großartige Album dieser Indie-Rock-Götter "Technology Won't Save Us" ist mittlerweile auch schon über drei Jahre alt. Und nun "They Are No Goodbyes" und direkt mit dem Titelsong weist uns Sophia-Mastermind Robin Proper-Sheppard den Weg: Es geht in Richtung Melancholie, Tragödie, Dunkelheit, Herzschmerz, Weltschmerz. Und was könnte das besser ausdrücken, als Sheppards traurig klingende Stimme. Die gediegene Gitarre, die Streicher, das Klavier und vor allem diese tollen Arrangements tun noch ihr Übriges dazu, dass wir mit "There Are No Goodbyes" eine Ausgeburt an Tragik und Melancholie vor uns haben. Und wenn dann bei "Something" im Duett dahin geschmolzen wird, dann gibt es kein Halten mehr. Robin Proper-Sheppard und Sophia ist wieder einmal ein fantastisches Indie-Album gelungen. Der Mann kann einfach keine schlechten Alben veröffentlichen. Klasse!
Tartufi Nests Of Waves And Wire
Southern Records/Soulfood
Ha, San Francisco könnte man jetzt denken, klar Hauptstadt der Hippies, ist doch logisch, dass Tartufi aus San Francisco kommen, bei dem Sound. Und irgendwie stimmt das ja auch. Dennoch sind Tartufi mit ihrem hypnotischen Psychedelic-Sound mehr als eine billige Hippie-Band. Das Trio ist dafür auf "Nests Of Waves And Wire" einfach zu schräg, zu sehr Avantgarde und zu sehr Noise-Rock, auch wenn es zahlreiche bunte Soundlandschaften gibt, die noch von einer hohen, etwas nasalen Stimme untermalt werden. Das Ganze erinnert dann stark an alte Shimmy Disc Bands wie Jellyfish Kiss oder aber auch an Porno For Pyros, Built To Spill oder gar an Animal Collective. Schön schräg, aber immer auch schön eingängig mit einem tollen Songwriting.
Telemark Informat
Salon Alter Hammer
Benannt nach einer Landungsgrätsche beim Schifliegen, kommen vier junge Leute aus Duisburg und spielen Deutschpunk in Reinkultur. Was mir ja schon bei den alten Muff Potter Sachen aufgefallen ist, war deren musikalische Nähe zu alten 80er Jahre Punkern wie Razzia, EA80 oder auch Slime. Habe mich dann auf deren Konzerten immer gefragt, ob das hippe, studentische Publikum auch nur ansatzweise eine Ahnung von Bands wie Razzia hat. Werde es wohl nie erfahren. Telemark machen da weiter, wo Muff Potter aufgehört haben, also Musik im Sinne von Turbostaat, Jens Rachut Bands wie zum Beispiel Oma Hans, EA80 oder Razzia. Und Telemark verbinden diesen düsteren und verschrobenen Deutschpunk auf ihrem wirklich tollen Album "Informat" nicht nur zusätzlich mit einem dezenten Wipers-Sound, sondern haben mit "Schöne Grüße", "Hitmaschine" oder "Löten" zahlreiche Ohrwürmer am Start. Sehr empfehlenswert. Die Vinylausgabe kommt übrigens mit Downloadcode, das schont die Rillen.
Variety Lab Team Up!
Pschent Records
Eine sehr groovige Mischung aus Funk, Soul, Disco-Punk und Eurodance präsentieren uns Variety Lab aus London. Auf "Team Up!" befinden sich eine Reihe cooler Songs mit für Dancemusik außergewöhnlicher Instrumentierung, da hat selbst ein Banjo was zu suchen, dennoch klingen die Songs recht uninspiriert und belanglos. Da kann auch der Gastauftritt von der Bellrays Sängerin Lisa Kekaula nicht mehr allzu viel retten. Für Leute, die auf The Go! Team oder so stehe, wäre wohl auch Variety Lab etwas.