A Storm Of Light And We Wept The Black Ocean Within
Neurot/Cargo
Doomrock der ganz besonders schleppenden Art und Weise präsentieren uns hier die Herren von A Storm Of Light. Das Trio spielt so, als ob es in Sachen Langsamkeit einen Preis zu gewinnen gäbe. Und das ist keinesfalls negativ gemeint, denn A Storm Of Light können mit ihrer monolithischen Spielweise voll und ganz überzeugen. Das klingt dann manchmal wie Neurosis oder St Vitus auf Beruhigungsmitteln. Doch ruhig sind die Jungs um Josh Graham, ehemals mit den Doom-Rock-Helden Red Sparowes unterwegs, keinesfalls. Da wird gehörig auf den Putz gehauen - das halt bloß in Zeitlupe.
The Bad Luck Charms The Bad Luck Charms
I Scream/SPV
Die Bad Luck Charms kommen aus New York und sind so etwas wie das Nebenprojekt des US Bomb Gitarristen Kerry Martinez. Da weiß man ja dann auch schon direkt, wohin die Reise auf dem selbstbeitelten Debüt-Album geht: Rotzpunk der Marke Duane Peters sollte man meinen. Aber nein, ganz so leicht macht es uns der Senior Martinez dann nicht. Zwar gibt es eine gehörige Portion Rotz im Punkrocksound der Bad Luck Charms, aber auch der Sleaze-Faktor ist ganz groß. Das klingt dann zuweilen nach den Pagans, Dead Boys oder den Heartbrakers, dessen "One Track Mind" hier auch gecovert wird. Und wenn dann wie bei Song Numero 5 "I Didn't Mean To Kill You" ein kleiner Pop-Punk-Spritzer der Marke Ramones oder Queers dazu kommt, ist ein recht abwechslungsreiches Punkrockalbum perfekt - auch wenn der Rhythmus manchmal leicht durch die Gegend holpert.
Brant Bjork Punk Rock Guilt
Low Desert Punk/Cargo
In schöner Regelmäßigkeit und zudem in recht kurzen Abständen, veröffentlicht der Vorzeige Desert-Rocker Brant Bjork Album für Album und jedes Mal freue ich mich darüber, dass der Mann wohl nichts anderes kann außer Musik und somit wohl viel Zeit für selbige hat. Brant Bjork kennen viele vielleicht noch von seinen glanzvollen Zeiten bei Kyuss, Fu Manchu oder Mondo Generator, doch seit etwa zehn Jahren veröffentlicht diese coole Sau einfach grandiose Solo-Alben. Ich weiß von alten Kyuss-Fans auf dem letzten Brant Bjork Konzert im belgischen Eupen, dass diese etwas enttäuscht von den recht ruhigen und bekifft klingenden Soloalben sind. Tja, den Krach und die Aggressivität hat Brant Bjork halt zusammen mit Kyuss ad acta gelegt und klingt nunmehr sleazy, gelassen, gediegener und tranquillo. So auch auf dem neuen Album "Punk Rock Guilt", wobei der Titel wirklich in die Irre führen kann. Mit Punkrock hat das hier wenig zu tun, eher mit Desert Sessions, Isle Of Man Festival und Bongwasser. Brant Bjork ist 2008 besser denn je.
The Charlatans You Cross My Path
Cooking Vinyl/Indigo
Die Charlatans waren ja Anfang der 90er Jahre eine ganz Große Nummer. Ihr Song "The Only One I Know" war ein Hit der so genannten Manchester Rave Bewegung, die so etwas wie die Blaupause für den Brit Pop gewesen ist und wo es noch zahlreiche illustre Bands wie die Happy Mondays, The Stone Roses, EMF oder New Order gab. Damals konnte ich mit dieser recht poppigen Musik nicht wirklich viel anfangen, doch in den letzten Jahren gefällt mir dieser melodische und groovende Indie-Sound immer besser. Besonders die Solo-Geschichten von Tim Burgess hatten immer wieder eine besondere Marke. Tim Burgess ist nun mit den Charlatans zurück und zusammen veröffentlichen sie auf dem mittlerweile neunten Album eine ganz besonders mitreißende Mischung aus rockendem Britpop und groovendem Power-Pop. So sollte Tanzmusik öfters mal klingen.
Drag The River You Can't Live This Way
Mars Motors/Suburban Home
Drag The River ist die aktuelle Band des ehemaligen ALL-Sängers Chad Price und beim Anblick der Fotos im Booklet der neuen CD "You Can't Live This Way" traf mich fast der Schlag: Dieser bärtige und langhaarige Catweezel soll Chad Price sein, der coole Pop-Punker, der mit ALL so tolle Musik gemacht hatte? Eine kleine Internetrecherche ergab, dass dieser Jesus-auf-Urlaub-Typ tatsächlich Chad Price ist. OK, wenn man es mag. Ich muss aber auch zugeben, dass dieses Hinterwäldler-Outfit gut zur Musik von Drag The River passt, denn es handelt sich hier um Alternative Counrty. Und der hat es wirklich in sich, ist sehr melodisch, mitreißend, teilweise recht rockig und klingt überhaupt nicht altbacken oder verstaubt. Nein, das Ganze geht dann eher in Richtung Weakerthans, Sad Riders oder Chuck Ragan, obwohl Drag The River dann doch sehr eigenständig klingen.
Zum Schluss noch ein paar Personalien zu Drag The River, damit man auch wirklich sicher gehen kann, dass es sich hierbei nicht um grauseligen Redneck-Country handelt, sondern um szenekompatiblen Songwritersound: Ehemaliges Drag The River-Mitglied ist Karl Alvarez von ALL/Descendents und den Bass spielt J.J. Nobody von der grandiosen Spaß-Punk-Kapelle The Nobodys. Tolle Platte!
Enemy Rose Promises We'll Never Keep
I Scream/SPV
Auf das neue Enemy Rose Album war ich sehr gespannt, gibt es doch zahlreiche Leute, die diese Band für grandios halten, ich bis dato davon aber nicht so überzeugt gewesen bin. Die letzte Veröffentlichung von Enemy Rose, die Split-CD "And To Become One" mit den sehr guten Mercy Killers, war eher durchwachsen bis richtig langweilig. Und zu allem Überfluss habe ich Enemy Rose dann als Vorband der Hanoi Rocks verpasst, sodass man mich noch nicht einmal mit den Livequalitäten dieser Band versöhnlich stimmen konnte.
Nun läuft "Promises We'll Never Keep", das neue Album der Belgier, schon zum mindestens 25. Mal in meinem Player und ich kann immer noch nicht genug davon bekommen. Ist es vermessen zu behaupten, das Enemy Rose hier eines der Punkrock-Alben des Jahres raus gebracht haben? Aufgrund dieser genialen Mischung aus Sleazerock und Protopunk kann man das guten Gewissens behaupten. Denn im Gegensatz zu den meisten jungen halstätowierten Punkbands, sind Enemy Rose beileibe nicht die 183. US Bombs Kopie. Nein, deren Vorbilder liegen eher bei den (Proto)punk-Helden wie die New York Dolls, die Heartbreakers, Pagans, Dead Boys oder sogar die Lords Of The New Church.
Enemy Rose beweisen auf "Promises We'll Never Keep" ein stilsicheres Händchen für eingängige Melodien, hängen bleibende Refrains und dynamisches Songwriting. Da kann sogar eine Ballade wie "Tainted (With Regret)" keinen schmerzhaften Eindruck hinterlassen - generell wurde das Album eher im Midtempo-Bereich gehalten. Besonders die rotzige Asi-Stimme von Tommy X, die vor allem bei Songs wie "Trigger" oder "Bleed" stark zum Einsatz kommt, kann auf ganzer Linie überzeugen. Letztgenannter Song wird gar von einem fetten Bombastrock-Intro eingeleitet. Aber am meisten gefällt mir der pointierte Einsatz dreckigen Sprechgesangs. Das gibt zahlreichen Liedern wie "Coming Down" (der absolute Hit), "Buried Alive", "All Because Of You" oder "Love & Hate" eine ganz spezielle Note. Hammer-Album!
The Freeks The Freeks
Cargo Records
Da pfeffert einem der Briefträger so ein orangefarbenes Kärtchen in den Postkasten, worauf steht, dass man in Aachens Hauptpost einen Maxibrief abholen darf, "jedoch heute nicht mehr vor 18 Uhr". Na ja, so bin ich am nächsten Tag zur Post gelatscht, habe den Brief abgeholt und natürlich sofort geöffnet. Darin befanden sich diese CD von The Freeks und der dazugehörige Pressetext. Oh Mann, oh Mann, dachte ich bei mir, als ich dieses merkwürdige Cover sah und den etwas stumpfen Bandnamen las. Für so einen Schrott bin ich nun den ganzen Weg in die Stadt und dann zurück gegangen? Als ich die CD dann zuhause in den Player einlegte, war ich aber so was von positiv überrascht, dass ich schnell mal einen Blick auf den Pressetext warf. Ich traute meinen Augen kaum, standen da wirklich die Namen Ruben Romano (Nebula/Fu Manchu), John Mcbain (Monster Magnet), Scott Reeder (Kyuss), Lorenzo Woodrose (Baby Woodrose) und Jack Endino in Reih und Glied? Machen diese und noch ein paar weitere Psychedelic- und Stonerrock-Helden wirklich alle bei The Freeks mit?
Man muss nur die ersten Töne des Albums hören und man könnte diese Frage blind mit "Ja klar" beantworten. Die Musik der Freeks klingt aber auch dermaßen nach bekifften Spacerock, dass man fast denken könnte, es hier mit einer verschollenen und nun aufgetauchten Monster Magnet Aufnahme der "Tab 25" und "Spine Of God" Ära zu tun zu haben. Da machen ja auch der Bandname und das etwas surrealistisch anmutende Cover wieder Sinn. Selten hat sich der Gang zur Post so sehr gelohnt wie beim letzten Mal.
Joan As Police Woman To Survive
PIAS Recordings/Rough Trade
Schon auf ihrem ersten Album "Real Life" wusste Joan Wasser, aka Joan As Police Woman, zu überzeugen. OK, das Album mit seinem jazzigen Trio-Sound war für konventionelle Rockmusik-Hörer recht gewöhnungsbedürftig und sperrig, doch erkannte man schnell an der kreativen Herangehensweise, dass Joan Wasser ursprünglich nicht aus dem Jazz kommt, sondern mit Indie und Punk aufgewachsen war. Auch auf ihrem neuen Album "To Survive" hält die Multinstrumentalistin zusammen mit ihren beiden Mitmusikern eine ausgewogene Balance zwischen Piano-Jazz und Indie-Avantgarde. Dieses Mal halt ein bisschen spröder und nicht so soulig und gospelig, dafür mehr Singer/Songwriter-Sound. Fans von PJ Harvey, Stina Nordenstam oder Feist könnten mit Joan As Police Woman eine Menge Spaß haben.
Scott Kelly The Wake
Neurot/Cargo
Zeitgleich zum Soloalbum von Steve Von Till (Review siehe unten), bringt auch der zweite Neurosis-Sänger und Gitarrist Scott Kelly ein Soloalbum heraus. Und auch "The Wake" ist wie "A Grave Is A Grim Horse" ein sehr ruhiges aber auch düsteres und morbides Album. Lässt man jetzt die letzten Neurosis Alben Revue passieren, fällt einem auf, dass es diese dunklen Momente auch dort des Öfteren gegeben hat.
Im Gegensatz zur teilweise dramatischen Instrumentierung von Steve Von Tills Album mit Cello, Klavier und Vibraphon, beschränkt sich Scott Kelly auf das Nötigste und lässt fast ausschließlich die Gitarre und seine raue, dunkle Stimme ertönen. Ab und an gesellt sich dann noch der sägende Klang einer Steel-Guitar hinzu. "The Wake" klingt nicht nur aufgrund der grollenden Stimme Scott Kellys besonders stark nach Tom Waits oder Mark Lanegan, nein Scott Kelly schafft es mit dem recht spartanischen Gitarrensound an Neil Young im "Dead Man"-Soundtrack zu erinnern. Ganz großes Kino!
Madrugada Madrugada
Malabar/Rough Trade
Seit knapp zehn Jahren gehört die norwegische Band Madrugada zur absoluten Sperrspitze des Düster-Rocks - sagt man das so: "Düster-Rock"? Wie auch immer, vor einigen Jahren habe ich die Band mal live auf dem Rheinkultur-Festival gesehen und war irgendwie begeistert, ob der Mischung aus lässigem Dandytum und melancholischer Stimmung. Selbst ein Nick Cave kann so etwas nicht wirklich besser initiieren. Und dann erst die Madrugada-Alben! Der perfekte Soundtrack, um nachts über verregnete Autobahnen zu düsen. Auch mit ihrem neuen selbstbetitelten Album können die Herren Madrugada auf ganzer Linie überzeugen und sind sicher was für Fans von Nick Cave, Tom Waits oder Joy Division. Schaurig schönes Album.
Monochrome Caché
Stickman Records/Indgo
Ich mochte schon das letzte Monochrome Album "Éclat" sehr gerne, verstand die süddeutsche Band es doch gekonnt Post-Core und Indie-Rock zu kombinieren und dabei einen eingängigen Pop-Appeal mitschwingen zu lassen. Mit "Caché" können die Damen und Herren Monochrome noch einen oben drauf setzen, denn dieses Album versprüht eine gewisse Leichtigkeit wie sie Post-Core Bands nur selten hinkriegen. Da wo andere Bands dieses Genres, wenn sie nicht mehr weiter wissen, die Regler aufdrehen und um die Wette brüllen, glänzen Monochrome mit wunderschönen Melodien und mitreißendem Songwriting.
Dieses kommt besonders gut durch den sich abwechselnden weiblichen und männlichen Gesang zur Geltung. Das Ganze klingt dann zum Beispiel beim Song "Parallax" stark nach Pretty Girls Make Graves oder auch Robocop Kraus. Dass die Band mit der Vorliebe für das Accent Degue aber auch sehr eigenständig klingen kann, beweist unter anderem der Song "Les Pantalons Heavy Metal", der vor allem durch den Einsatz einer Klarinette heraus sticht. Aber wie man es auch dreht und wendet, die beiden absoluten Hits auf "Caché" sind "Times New Romance" und "High Five", das mich stark an die selige Band Toenut erinnert. Großartige Platte!
The Night Marchers See You In Magic
Vagrant/PIAS/Rough Trade
Holla, genau so muss Garage-Punk klingen: dreckig, wild, laut, aber immer melodisch und groovy. The Night Marchers liefern da mit "See You In Magic" ein hervorragendes Debüt-Album ab. Aber aufgepasst, denn hierbei handelt es sich nämlich nicht um richtige Newcomer, sondern um graue Eminenzen der alternativen Musikszene. Kopf der Night Marchers ist kein Geringerer als Speedo von Rocket From The Crypt, Hot Snakes und Drive Like Jehu. Von den Hot Snakes gibt es dann noch den Gitarristen und den Drummer bei den Night Marchers. Nur der Bassist ist angeblich bisher ein unbeschriebenes Blatt. >br>
"See You In Magic" ist proppenvoll mit kleinen Garage-Punk-Hits, die immer mal wieder eine dezente Psychobilly- oder Surf-Note verpasst kriegen. Das Ganze erinnert natürlich auch aufgrund der markanten Stimme Speedos stark an Rocket From The Crypt - halt nur ohne Bläser, oder auch ohne Gebläse, wie die coolen Mucker immer so sagen. Es geht also nicht so sehr in die Richtung 60er-Fuzz-Rock mit rudimentärem Songwriting, sondern schon in Richtung dicke Hose mit ausgefeilten Songstrukturen, die eben immer wieder an Rocket From The Crypt oder aber auch an die Hot Snakes angelehnt sind. Als Beispiel sei hier das fulminante und dramatische Ende von "In Dead Sleep (I Snore ZZZZ)" genannt - ein großartiger Song auf einer einfach großartigen Platte.
No Age Nouns
Sub Pop/Cargo
Seit den Thermals sind No Age wohl wieder einer der Sub Pop-Neuzugänge, der perfekt zum Label passt. Und das obwohl die Band aus Los Angeles kommt und nicht aus Seattle. Nein, No Age fabrizieren auf ihrem neuen Album "Nouns", die alten Veröffentlichungen erschienen auf dem noisigen Label Fat Cat, einen Sound, der dermaßen nach alternativer Gitarrenmusik der 90er klingt, als ob es in den letzten Jahren keine andere Musik gegeben hätte. Das ist alles sehr schräg, krachend und experimentell. Manchmal hört man wie beim Song "Eraser" Yo La Tengo oder Built To Spill heraus, dann mal Sonic Youth wie bei "Keechie" oder Pavement wie bei "Sleeper Hold" oder auch mal Superchunk wie bei "Here Should Be My Home" oder "Ripped Knees". Was auch immer, es sind immer fantastische Songs, die irgendwie schrammelig und lo-fi-mäßig rüber kommen. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei No Age bloß um ein Duo handelt, dass zwar auch mit Samples arbeitet, die aber als solche nicht wirklich wahrzunehmen sind. Und da die CD als Digipak mit einem kunstvoll gestalteten, über 60 Seiten dicken Booklet daher kommt, gilt an dieser Stelle eine absolute Kaufempfehlung.
Donita Sparks & The Stellar Moments Transmiticate
It's Alive! Media/Redeye
Nachdem Jennifer Finch vor einiger Zeit mit ihrer neuen Band The Shocker ein ziemlich gutes Schweinerock Album veröffentlichte, legt mit Donita Sparks nun die nächste ehemalige L7 Musikern nach und bringt ihrerseits mit neuer Band das Album "Transmiticate" raus. Für all diejenigen, die es nicht mehr wissen: L7 waren Anfang der 90er die Ikonen der so genannten Riot Grrrls Szene, deren Musik ein mir damals flüchtig Bekannter Hardcore-Fan als "Fotzen-Rock" bezeichnete. Ja, so war das damals mit den harten Hardcore-Burschen und Frauen, die Rockmusik machten.
Meines Wissens ist Donita Sparks seit dem L7-Split irgendwann um das Jahr 2000 in Sachen Musik nicht mehr groß in Erscheinung getreten. Umso überraschter war ich, als ich las, dass die Sparks zusammen mit der alten L7 Schlagzeugerin Dee Plakas die Stellar Moments gründet hatte und ein neues Album veröffentlicht. Und ja, "Transmiticate" ist eine sehr schöne Platte geworden, irgendwie mit einer gehörigen Portion Pop-Appeal und weniger Rock als bei The Shocker. Das Label beschreibt die Musik von Donita Sparks als ein Gemisch aus Dance Rock und Dark Pop. Und irgendwie trifft das den Nagel auf den Kopf, klingt "Transmiticate" doch mehr nach Garbage als nach L7. Da sind selbst die Donnas ganz große Fans von und nahmen die Stellar Moments letztes Jahr mit auf Tour.
TV Smith In The Arms Of My Enemy
Drumming Monkey Records/Rough Trade
Als Sänger der legendären The Adverts schrieb TV Smith Ende der 70er Jahre Punkrock-Geschichte. Nun 30 Jahre später ist der Mann zwar etwas ruhiger geworden, hat aber nichts an Bissigkeit eingebüßt. Zusammen mit Schlagzeuger Vom Ritchie von den Toten Hosen und The Spittin' Vicars sowie dem Gitarristen Tim Renwick präsentiert uns TV Smith auf "In The Arms Of My Enemy" eine rockige und mitreißende Singer/Songwriter-Version mit dezenten Folk-Anleihen. Der Sound wird zwar an einigen Stellen durchaus WDR2 tauglich, aber TV Smith bekommt doch meistens noch die Kurve und eine leichte Punk-Kompatibilität ist dann immer noch gegeben.
Steve Von Till In A Grave Is A Grim Horse
Neurot/Cargo
Wenn hauptberufliche Punk- und Hardcore-Musiker im Nebenjob einen auf Singer/Songwriter machen, fällt das Ergebnis in den seltensten Fällen so düster aus wie beim mittlerweile dritten Soloalbum von Steve Von Till. Na ja, bedenkt man die Tatsache, dass der Her Von Till normalerweise Gitarrist und Sänger der Doomcore-Legende Neurosis ist, überrascht es weniger, dass es hier keinen 0815-Gute-Laune-Sound gibt, wie ihn die meisten seiner Kollegen fabrizieren.
Nein, "A Grave Is A Grim Horse" ist ein verdammt verschrobenes, dunkles und morbides Album, dass an Größen wie Mark Lanegan oder Tom Waits heran reichen kann. Auch die "American Recordings" sind hier nicht weit entfernt. Komplett ohne Schlagzeug und fast nur mit Gitarre eingespielt, ab und an kommen noch ein Cello, ein Klavier und ein Vibraphon zum Einsatz, versprüht das Album eine ganz besondere Melancholie und Dramatik. Wenn Steve Von Till zusammen mit Neurosis laute und krachende Meisterwerke erschaffen hat, gelingen ihm auf "A Grave Is A Grim Horse" die ruhigen und beschaulichen Gegenstücke dazu. Wahnsinn!
Witch Paralyzed
Teepee Records/Cargo
Dass J Mascis nicht nur sehr gute Songs schreiben und richtig gut Gitarre spielen kann, sollte man als eingefleischter Dinosaur Jr Fan wissen, denn hier oder auch bei seinen Solo-Projekten hat der mittlerweile ergraute Mascis des Öfteren auch mal das Schlagzeug eingespielt. So kann es auch nicht verwundern, dass bei der Noise-Rock Band Witch der feine Herr Mascis an den Trommeln sitzt.
"Paralyzed" ist das mittlerweile zweite Album der Band um den berühmten Drummer und weiß auf ganzer Linie zu überzeugen. Da gibt es eine krachende Noise-Attacke nach der anderen. Das ganze klingt mal sehr fuzzy und psychedelic wie bei "Spacegod" oder auch mal scheppernd und punkig wie bei "1000 MPH". Selten konnten Songs ihren Titel so authentisch rüber bringen wie hier. Wäre "Paralyzed" vor etwa 20 Jahren entstanden, hätte das was ganz Großes werden können. Diese Musik atmet die Luft Seattles der späten 80er Jahre. Das klingt dann nach Green River, Mudhoney oder den Melvins. Einfach fantastisch.
The Zen Circus & Brian Ritchie Villa Inferno
Unhip Records/Indigo
Die Jungs von The Zen Circus kommen aus Italien und werben bei ihrem ersten richtigen Album namens "Villa Inferno" damit, dass Brian Ritchie von den Violent Femmes als Produzent und Musiker mit von der Partie ist. Und tatsächlich haben The Zen Circus & Brian Ritchie teilweise eine gravierende Ähnlichkeit mit dem folkigen Indie-Punk der Violent Femmes. Das wird direkt und unmissverständlich mit dem tollen Opener "Dead Penfriend" klar gestellt. Aber auch Freunde von Mano Negra, The Clash oder Against Me! könnten mit der "Villa Inferno" ihre helle Freude haben. Der Gesang wechselt immer wieder zwischen Englisch und Italienisch und beim Song "Punk Lullaby" singen gar die Deal-Schwestern von den Breeders/Pixies mit. Und wenn wir schon bei den Gastmusikern sind, dann sollte man auch noch Jerry Harrison von den Talking Heads erwähnen, der zur Coverversion des alten Talking Heads Klassikers "Wild Wild Life" das Keyboard bedient. Am Ende wird dann bei "Les Tantes De La Dimanche" mit Französisch noch die dritte Sprache ausgepackt und man fühlt sich an die alten französischen Folkpunker von Les Negresses Vertes erinnert.