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Aavikko
Novo Atlantis
9:PM Records/Broken Silence
Erinnert ihr euch noch an den Timm Thaler Soundtrack oder an den von Captain Future? Das waren noch Melodien für die Ewigkeit, und alles schön instrumental mit dem Synthie und so aufgenommen. Aavikkos neues Album "Novo Atlantis" macht genau dort weiter, wo Christian Bruhn einst aufgehört hatte: Große, futuristische und verspielte Songs mit Harmonien und Melodien, die im Kopf hängen bleiben. Da wo The Art Of Noise, Kraftwerk oder Cabaret Voltaire den Nährboden gelegt haben, grasen die drei Finnen weiter und überzeugen mich noch stärker, als ihre isländischen Kollegen vom Apparat Organ Quartet.
Zwei Synthesizer-Spieler und ein Schlagzeuger - ja, die Drums kommen nicht vom Computer - produzieren einerseits einen total schrägen Sound, andererseits aber auch eine total groovende und tanzbare Musik. So ungefähr klingt es auch in alten 70er Jahre Filmen, wenn in einer schmuddeligen Disco, dem jungen Teenagermädchen irgendwelche Substanzen in den Drink gemixt wurden und diese kurz vorm Umfallen noch geistesabwesend mit den Armen wedelt. Ganz, ganz großes Kino. Habe aus erster Hand erfahren, dass Aavikko eine fantastische Liveband sein soll und würde mich gerne selbst davon überzeugen. Bitte auf Tournee gehen!


Abstürzende Brieftauben
25 Jahre sind genug DVD
Tank Records/Independent Entertainment/Rough Trade
OK, ich oute mich hiermit: Ich war Ende der 80er als junger Teenager ein ganz großer Abstürzende Brieftauben-Fan, habe ihre Platten geliebt und die Band auch live gesehen. Die Brieftauben gehörten zu jeder Klassenparty dazu wie die Hosen, Ärzte, Maiden oder AC/DC. Nun habe ich mir die DVD "25 Jahre sind genug" natürlich aus nostalgischen Gründen angeschaut und nicht unbedingt als großer aktueller Fan und ich muss gestehen, dass mich die Tauben nach etwa 15 bis 20 Jahren Abstand nochmals positiv überraschen konnten. Lange vor den White Stripes und Konsorten hatten schon die Abstürzende Brieftauben als Duo gespielt und dieses auch noch perfektioniert. So konnten Mikro und Konrad sowohl Schlagzeug als auch Gitarre spielen oder auch nicht spielen und wechselten immer wieder die Plätze. Mit ihrem Funpunk trafen sie damals den Zahn der Zeit und spielten sich stetig hoch bis hin zur Vorband von legendären Bands wie den Toy Dolls, Ramones, New Model Army und den Godfathers.
All das gibt es jetzt auf der Doppel-DVD "25 Jahre sind genug" zu bestaunen. Teil eins ist so etwas wie eine Doku über den Werdegang der Tauben mit altem Filmmaterial und O-Tönen illustrer Zeitzeugen wie Schließmuskel, Fabsi von den Mimmis, Hosenroadie Faust, Olga von den Toy Dolls und den unsäglichen Fury In The Slaughterhouse. Natürlich geben auch Mikro und Konrad ausführlich ihren Senf zum Besten. Auf der zweiten DVD befinden sich mehrere Konzertmitschnitte, die nochmals die Einmaligkeit der Tauben dokumentieren und einige alte Musikvideos. Alles in allem eine sehr gelungene Sache. Konrad verstarb leider im Mai 2006!


Against Me!
The Original Cowboy
Fat Wreck/SPV
So richtig erschließt sich mir der Sinn dieser Veröffentlichung nicht, handelt es sich doch bei den Songs von "The Original Cowboy" um Demoversionen der Lieder auf "As The Eternal Cowboy", dem 2003er Album auf Fat Wreck, welches Against Me! zum Durchbruch verhalf. Irgendwie fanden es die Jungs aus Florida schade, dass diese rauen und ursprünglichen Aufnahmen großartiger Songs wie "Slurring The Rhythms" in der Schublade verstauben und bringen diese nun prompt wieder bei Fat Wreck heraus. Man bräuchte jetzt etwas mehr Zeit, um die Unterschiede der beiden Alben herauszuhören, die ich leider im Moment nicht habe, deshalb kann ich dieses Album einerseits empfehlen, da es hier zahlreiche tolle Songs gibt, andererseits muss man auch sagen, dass man nicht zu viel erwarten sollte, da es sich definitiv um ältere und nicht aktuelle Songs handelt. Ich freue mich jedenfalls auf ein nächstes, neues Album von Against Me!


All Time High
Friends In High Places
Nicotine Records/New Music Distribution
Auch wenn All Time High leider 15 Jahre zu spät kommen, gefällt mir der Sound der Band ausgesprochen gut. Ich gebe es ja zu: Ich hatte früher auch lange Haare und war ein großer Fan von Seattle- und Sub Pop-Bands. Und genau da gehören All Time High auch hin, also zwischen Bands wie TAD, Melvins, Love Battery oder Screaming Trees. Und so hat sich auch kein Geringerer als Produzentenlegende Jack Endino bereit erklärt, "Friends In High Places" zu produzieren. All Time High präsentieren uns da, der Bandname und auch der Albumtitel lassen es schon vermuten, eine ziemlich drogengeschwängerten Psychedelic-Rock Sound, der hin und wieder auch an alte Monster Magnet erinnert, aber immer auch in Sachen Grunge und Punk nach vorne los geht. Mit "Friends In High Places" nehmen uns All Time High mit auf eine Zeitreise, als lange, ungewaschene Haare, Holzfällerhemden und zerrissene Jeans up to date waren. Auch wenn ich so nicht mehr aussehen möchte, der Sound dieser Tage gefällt mir auf jeden Fall immer noch.


American Steel
Dear Friends And Gentle Hearts
Fat Wreck/SPV
Man könnte es sich einfach machen und behaupten, dass die Musik von American Steel irgendwo an der Schnittstelle zwischen diesen Crossover-Punkbands wie Against Me!, Gaslight Anthem oder World Friendship Inferno liegt. Hört man sich aber deren neues Album "Dear Friends And Gentle Hearts" genauer an, merkt man schnell, dass da noch mehr dahinter steckt als ein schnöder Abklatsch der eben genannten Bands. Ein Blick auf die Herkunft der Band spricht da schon eine etwas klarere Sprache. American Steel kommen aus Oakland und vereinen in ihrem Sound die Einflüsse verschiedener East Bay Punk Bands wie Fang, Social Unrest oder Avengers und East Bay Poppunk Bands wie AFI, Jawbreaker oder Tilt. Da gibt es neben den typischen Clash/Springsteen-Punksongs der Marke Gaslight Anthem auch eine Menge Lieder, die mit Bands wie Samiam, Alkaline Trio oder Hot Water Music mithalten können. Und am Ende gibt es gar eine Ballade. Chapeau!


A Modest Proposal
Songs On 33
Lolila Records/Broken Silence
Als ich diese 7" in der Hand hielt, dachte ich so bei mir: Wow, die gibt's noch? Von A Modest Proposal habe ich ja schon seit Jahren nichts gehört, nachdem die Band 2001 ihrem Debütalbum "…Of Memories And Dreams" beim legendären Strange Fruit Label und zahlreichen Konzerten auf sich aufmerksam machten. Damals habe ich die Band zusammen mit den unsäglichen Jupiter Jones im Aachener Musikbunker gesehen und fand A Modest Proposal um Längen besser, als die schnarchigen Jupiter Johannesse. Tja, und wo sind A Modest Proposal heute? Und wo Jupiter Jones? Die Welt ist manchmal doch ungerecht.
Wie auch immer, in Anlehnung an den Namen ihrer Vorgängerband Stars On 45, bringen die Jungs von A Modest Proposal nun diese Single namens "Songs On 33" raus und irgendwie scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Die Rheinländer spielen immer noch diesen rauen Postcore und Emopunk wie vor knapp zehn Jahren - und das ist auch gut so, denn die vier Lieder sind einfach großartig, melodisch und leidenschaftlich gespielt. Besonders die raue Stimme und die ausgefeilte Gitarrenarbeit hat es mir wieder angetan. Und diese rumpeligen Beats von früher wurden glücklicherweise ausgebügelt. Bitte mehr davon und vermehrtes Konzerte spielen auch.


Billy The Kill
Joy Sex & War
Kicking Records/Anticraft Music
Das Phänomen ist ja nicht neu und langsam erreicht es gerade noch ein müdes Lächeln bei mir: altgediente Punkrockstars, die dann solo einen auf Singer/Songwriter machen. Die wenigsten davon können das auch wirklich gut. Der Singer/Sonwriter Billy The Kill scheint hingegen noch blutjung zu sein und noch lange keine bekannte Größe im Punkbusiness zu sein. Als Sänger und Gitarrist der französischen Band Billy Gaz Station wird er wohl nur den wenigsten Leuten bekannt sein. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen, klingt sein Singer/Songwriter frischer und frecher als die Musik der meisten alten Punkrock-Schnarchnasen. Auch wenn ich kein großer Fan dieser Musik werde, gibt es doch einige kleine positive Überraschungen in Sachen Singer/Songwriter und Americana auf "Joy Sex & War". Da gibt es dann auch mal Ausflüge in Richtung Poppunk der Marke Doughboys wie bei "Wondering Out". Und besonders "I've Lost My Sunshine" hätte das Zeug zu einem kleinen Hit.


Division Of Laura Lee
Violence Is Timeless
Unter Schafen Records/Alive
Hatte ich Division Of Laura Lee nicht etwas grooviger, souliger und tanzbarer in Erinnerung, so in Richtung Disco-Punk? Das letzte Album der Schweden "Das Not Compute" war es auf jeden Fall. Nichts desto trotz handelt es sich bei "Violence Is Timeless" um ein sehr tolles Album, welches die Balance zwischen Schrägheit und Eingängigkeit fantastisch halten kann. Der Disco-Punk alter Tage hat mehr oder weniger ausgedient und an dessen Stelle ist nun ein sehr cooler Art-Punk der Marke alte Sonic Youth Sachen oder Ikara Colt getreten. Das klingt sehr nach 80er Jahre, nach Postpunk, nach DC-Postcore und nach Avantgarde, aber auch die 70er in Sachen Psychedelic oder No Wave lassen Grüßen. Die Schweden haben in ihrer mittlerweile zwölf Jahre andauernden Laufbahn so einiges gehört und gesehen, um so ein recht differenziertes, aber an jeder Stelle kohärentes Album abzuliefern. Und unterhaltsam ist "Violence Is Timeless" auch noch. Supi!


False Alarm
Fuck'Em All We've All Ready (Now) Won
Nicotine Records/New Music Distribution
Das ist Punk in Reinkultur. Keine Fassade, keine Schnörkel, kein Hardcore- oder gar Metal-Gewichse, kein Crossover, kein aufgesetztes Gepose - einfach bloß authentische Fuck You Attitüde. So etwas machen aktuelle "Punk"-Bands mittlerweile ja eher selten, deshalb müssen da wieder alte Säcke ran. False Alarm haben sich 1983 in Los Angeles gegründet und anfänglich spielte dort Fat Mike mit, der ja später… - das ist aber eine ganz andere Geschichte. Die Platte "Fuck'Em All We've All Ready (Now) Won" wurde zwar bereits 2002 veröffentlicht, so weit ich weiß, aber nur in den USA, und so kann man Nicotine Records einfach nur dankbar sein, dass sie dieses großartige Album nun auch in der alten Welt zugänglich machen. Leider ist Sänger Dylan Maunder 2005 verstorben, so dass es mit einem Live-Gastspiel wohl nichts werden wird.
Die Musik auf "Fuck'Em All We've All Ready (Now) Won" kann man einfach puren Punk nennen, der irgendwo zwischen Proto-Punk der Marke New York Dolls oder Pagans und 80er Orange County Punk à la The Crowd oder Adolescents liegt. Quietschende Gitarren dürfen da ebenso wenig fehlen, wie Midtempo Nummern der Marke Social D oder US Bombs. Und schaut man sich die Liste illustrer Mitstreiter von False Alarm an, dann kann man schon erkennen, dass man es hier mit einer leider kaum beachteten Punk-Legende zu tun hat: Gastmusiker auf "Fuck'Em All We've All Ready (Now) Won" sind Cheetah Chrome von den Dead Boys, Rick Wilder von den Berlin Brats und De De Troit von UXA. Und das Coverartwork wurde von keinem geringeren Künstler als Dee Dee Ramone gestaltet. Großes Tennis!


Flipper
Love
MVD Audio/Cargo
Flipper habe ich erst 1993 mit ihrem brachialen Spätwerk "American Grafishy" kennen gelernt und war begeistert vom doomigen und krachenden Sound der Band. Flipper waren damals mit zahlreichen Noise Bands wie Shellac, Tad, Melvins oder Coffin Break ein leider nicht so beachtete Gegenpol zum weichgespülten Grungerock. Gegründet 1978 in der Hardcorepunk-Szene San Franciscos, entwickelten Flipper schnell ihren eigenen Sound, den heutige Hardcore Kids wahrscheinlich nicht verstehen würden, damals aber als solcher locker durchging. Der Sound wurde alles andere als schnell, sondern eher schleppend, krachend, brachial, monoton und doomig.
Mit "Love" bringen Flipper nach 16 Jahren nun wieder ein neues Studioalbum raus, dass Erinnerungen an alte Zeiten wach werden lässt. Es scheint fast so, als ob die Zeit stehen geblieben wäre. In alter Flipper-Manier wird hier noisegerockt, was das Zeug hält. Dabei wird das ¾ Original Line-Up mit Bruce Loose, Steve DePace und Ted Falconi durch den alten Nirvana Bassisten Krist Novoselic komplettiert. Produziert wurden Flipper hier vom alten Seattle-Produzenten Jack Endino - also alles große Namen, die "Love" zu einem großen Album werden ließen. Ich bin begeistert!


The Long Blondes
Singles
Angular/Alive
Die Long Blondes aus Sheffield sollten mit ihrem Debütalbum "Someone To Drive Home" 2006 das nächste große Ding werden, was anfänglich gut aussah für die Band, aber schnell wieder abebbte - sage ich jetzt mal so. Mit ihrer Mischung aus Artpunk, New Wave und Sixties passte die Band um Sängerin Kate Jackson ja gut in eine Zeit, da Bands wie die Yeah, Yeah, Yeahs oder Zutons gut abräumten. Mittlerweile gibt es die Long Blondes leider nicht mehr, umso schöner, dass ihr altes Label Angular Records die alten und raren 7" der prä-"Someone To Drive You Home"-Ära auf dem Album "Singles" wieder veröffentlicht, denn damals zeichnete sich schon das schräge musikalische Gespür der Long Blondes ab. Fans der Shangri-Las, Blondie, Yeah, Yeah, Yeahs oder Zutons können hier getrost zugreifen.


The Mochines
The Eagle Has Landed
Nicotine Records/New Music Distribution
Ziemlich unspektakulären High Energy Punk'n'Roll spielen die drei Herren Greaser von The Mochines. Und spektakulär muss das Ganze ja gar nicht sein, denn hauptsache et grooved, sprich: es knallt, kracht und rockt. Und da stehen die Süd Afrikaner ihren skandinavischen und US-amerikanischen Kollegen in Nichts nach. Einziges Manko: an der einen oder anderen Stelle bricht dann mal der Schweinerockhund durch und der Sound auf "The Eagle Has Landed" klingt dann etwas Hardrock-lastig. Und in Sachen Cover-Versionen haben die Mochines auch noch nicht den rechten Weg gefunden: Beweisen sie auf der einen Seite mit "The One That Got Away" von den Devil Dogs einen ausgesprochen guten Geschmack, treten sie mit "Nice Boys" von Rose Tattoo ganz feste ins Fettnäpchen. Nicht, dass das ein schlechter Song wäre, im Gegenteil, aber muss man den zum dreihundertachtundsiebzigsten Mal covern? Alles in allem ist "The Eagle Has Landed" aber ein mehr als gelungenes Punkrock-Album.


Navvy
Idyll Intangible
Angular/Alive
Disco-Punk der allerfeinsten Sorte spielen Navvy aus Sheffield. Artpunk oder hektischer New Wave könnte man auch dazu sagen. Wie auch immer, der Sound auf "Idyll Intangible" tangiert dann doch des Öfteren Bands wie Devo, Gang Of Four oder Pere Ubu. Aber besonders der wechselnde Frau/Mann Gesang macht Navvy besonders cool und lässt mich Navvy als legitime Ikara Colt Nachfolger über den grünen Klee loben.


The Rippers
Why Should I Care About You?
Slovenly Records
Sardinien hat mit dem einwöchigen Duna Jam Beach-Festival den wahrscheinlich geilsten Event in Sachen Garage-Rock, Psychedelic und Sixties-Punk. Da kann es kaum verwundern, dass von dieser Insel, auf der Jahr für Jahr die coolsten Garage-Bands spielen, mit den Rippers ebenfalls eine verschärft coole Garage-Punk Band kommt. Die vier Ripper, namentlich Ripper 1, Ripper 2, Ripper 3 und Ripper4, musizieren seit 2002 zusammen und bringen mit "Why Should I Care About You?" ein fantastisches Rock Album raus, mit dem sie sich nicht hinter den Großen des Genres verstecken müssen. Im Gegenteil, die Rippers sind noch unverbraucht und rotzen einem zwölf knackige Garage-Punk Kracher um die Ohren. Da wird im Sinne der Stones und der Pagans gerockt, was das Zeug hält und immer wieder die Mundharmonika zur Hilfe genommen. Mit "Why Should I Care About You?" hätten es The Rippers allemal verdient, in die erste Liga der Garage-Punk Bands aufgenommen zu werden. Nur zu blöd, dass Sardinien nicht in Schweden liegt, sonst wären die vier Italiener schon eine ganz große Nummer.


Scanners
Violence Is Golden
Unter Schafen Records/Alive
Bei Unter Schafen Records ist wohl gerade die "Violence"-Manie ausgebrochen, denn nach "Violence Is Timeless" von Division Of Laura Lee kommt die nächste Platte mit "Violence" im Titel. Obwohl, die Scanners hatten diese Idee anscheinend schon länger, denn "Violence Is Golden" erschien schon 2006 in den USA. Nun endlich auch hier, denn das gemischte Quartett aus London hat mit "Violence Is Golden" ein richtig tolles Retro-Album produziert, dass in den besten Momenten an New Wave der Marke The Organ, Artrock im Sinne der Yeah, Yeah, Yeahs, Indierock à la Garbage und Pop der Marke Cardigans erinnert. Und manchmal fühlt man sich beim Gesang an Patricia Morrison von den Sisters Of Mercy erinnert.


The Shitty Limits
Beware The Limits
Boss Tuneage/Flight 13
Es gibt sie dann doch immer wieder: junge Bands, die einerseits so richtig schön Oldschool klingen und das Herz am rechten Fleck haben, sich andererseits aber jung, frisch, frech und modern anhören. The Shitty Limits aus England sind auch wieder so ein Fall. Sie klingen irgendwie nach guten, alten Crypt Records Punk'n'Roll der Marke New Bomb Turks, Devil Dogs oder Gaunt, aber auch nach ebenfalls guten, alten 80er Ami-Punk wie ihn die Angry Samoans oder Black Flag gespielt haben. Das klingt irgendwie vertraut, aber passt irgendwie auch in die Zeit. Bands wie C.Aarmé aus Schweden oder Cloak/Dagger und This Moment In Black History aus den USA machen ja schon seit ein paar Jahren vor, dass sich Garage-Punk und Hardcore gut vertragen können. Und wer für die großartigen Fucked Up den Live-Support spielen durfte, kann eigentlich nur richtig toll sein. Mir gefällt's verdammt gut.


Small Jackets
Cheap Tequila
Go Down Records/New Music Distribution
Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich an dieser Stelle schon das letzte Small Jackets Album "Walking The Boogie" rezensiert und es für ziemlich gut befunden. Auf "Cheap Tequila" erfinden sich die Small Jackets nicht neu und spielen immer noch diesen gediegenen und überaus coolen Seventies Rock mit modernem Charme, wie ihn sonst fast nur Schweden wie The Nomads, Union Carbide Productions, Sator oder die Diamond Dogs hinbekommen (haben). Dass die Small Jackets aber aus Italien kommen, spielt dabei kaum eine Rolle, im Gegenteil, es verwundert eher, dass Italiener so fantastisch rocken können. Und ich glaube, dass das noch nicht mal an der schwedisch-italienischen Freundschaft liegt, die die Small Jackets pflegen, hatten doch auf dem letzten Album zwei Hellacopters Mitglieder Gastauftritte und "Cheap Tequila" wurde von Sators Chips K produziert, nein, die Small Jackets haben es in Sachen Rock einfach drauf - und dazu auch noch die richtigen Frisuren.


The Stupids
The Kids Don't Like It
Boss Tuneage/Cargo
Yes! Nachdem Boss Tuneage Records letztes Jahr schon die alten Stupids Alben aus den 80ern mit massenweise Bonusmaterial wieder veröffentlichte, legen die Stupids nun höchstpersönlich nach. Mit "The Kids Don't Like It" kommt nun nach 20 Jahren endlich wieder ein neues Studioalbum der Band aus Ipswich raus. Und dieses Album ist ein wahres Fest und der Titel wohl Programm, denn für die meisten aktuellen Hardcore-Kids wird der Sound der Stupids wohl zu punkig und zu wenig metallisch sein.
Auf "The Kids Don't Like It" zelebrieren die Stupids einen Skate-Punk und Hardcore Sound, wie ihn heute kaum noch jemand spielen kann. Mir fallen da vielleicht Dean Dirg, Scheisse Minelli oder Gewapend Beton ein, danach wird es dann aber sehr dünn. So etwas können meistens nur die Originale, seien sie mittlerweile noch so alt. Erinnerungen an die frühen Suicidal Tendencies Sachen, die Zero Boys, The Freeze, die Hard-Ons oder die Spermbirds werden hier wach. Das hat nichts mit weichgespültem Kinder-Skatecore zu tun, nein, der Sound der Stupids hat richtig Mumm in den Knochen, da gibt es Kraft, Energie, Wut und Aggression. Und dazu beweisen die Stupids wie eh und je Witz und Humor. Für PC-Fundamentalisten könnte das vielleicht ein wenig zu hart sein, dennoch sind die Stupids in keinster Weise Asozial. Das ist halt der typisch zynische englische Humor. Songs wie "Beach Dick", "I Was Sexually Harassed" oder "Charlton Heston" sind einfach nur zu köstlich.


Sonny Vincent
with members from Rocket From The Crypt
We Deliver The Guts/Cargo
Fans gediegener Punkmusik müsste man einen altehrwürdigen Herrn wie Sonny Vincent eigentlich nicht mehr vorstellen, ihnen müsste der Name eigentlich auf der Zunge zergehen, denn Sonny Vincent gehört seit 1976 zum Punkrockzirkus dazu und ist kaum klein zu kriegen. Die Liste seiner Veröffentlichungen ist ellenlang und letztens war der 55 Jahre alte Herr Vincent noch auf Tour und begeisterte zahlreiche Freunde von mir; ich hatte ihn leider verpasst. Ruby Mars, ND und Speedo sollten Fans gepflegter Rockmusik auch nicht unbekannt sein, denn die drei waren das Rückgrat der legendären Rocket From The Crypt. Und ohne den Mund zu voll zu nehmen, irgendwie scheint es so, als ob alles, was der Herr Speedo anpackt, zu Gold wird. Auch wenn Sonny Vincent Alben eh schon immer ganz weit vorne sind, zusammen mit diesem Rocket From The Crypt und Night Marchers Garage Punk-Touch werden seine Songs überaus fantastisch. Das Ganze hat Herz, Leidenschaft, Melodie, Wut, Aggression und Größe. Man merkt an jedem Akkord, an jeder Silbe, das hier ganz Große ihres Faches am Werke sind. Überaus empfehlenswert.