Astrosoniq Quadrant
Exile On Mainstream Records/Soulfood
Spacerock vom aller feinsten liefern hier Astrosoniq ab. Die Band aus den Niederlanden klingt dabei gleichermaßen mächtig rockend, als auch schön tanzbar. "Quadrant" bietet Riffrock der Extraklasse mit einer Menge Psychedelic dabei. Das klingt dann mal nach Hawkwind, Black Sabbath, nach On Trial, Warrior Soul, Kyuss oder auch mal nach The Dark Side Of The Moon. Denn neben den mächtigen Gitarren- und Bass-Wänden, experimentieren Astrosoniq zudem mit psychedelischen und kosmischen Soundeffekten rum. Brachial und sphärisch zugleich.
A Wilhelm Scream A Wilhelm Scream EP
Ass Card Records/Cargo
Vom großen Nitro Label zu den coolen Ass Card Records - gute Wahl von der Hardcore Band A Wilhelm Scream. Und der Labelwechsel macht sich meines Erachtens auch musikalisch Bemerkbar, denn A Wilhelm Scream klingen mittlerweile weniger nach Melodic-Core der Marke Nitro, sondern mehr nach Emo-Core, wie er gerne bei Ass Card gespielt wird. Diese selbstbetitelte CD-EP klingt teilweise ganz schön nach Hot Water Music oder Avail, um dann wieder Hardcore-lastig vorzupreschen. Gefällt mir um Längen besser, als alles, was ich vorher von der Band gehört habe.
The Bomb Speed Is Everything
No Idea Records
Eigentlich sollte es sich ja schon rumgesprochen haben, dass es sich bei The Bomb um die Nachfolgeband der legendären Postcore und Punkband Naked Raygun aus Chicago handelt. Diese haben in den 80ern ja eine Menge grandioser Platten veröffentlicht und werden oft zusammen mit Bands wie Fugazi, Hüsker Dü oder Leatherface genannt, wenn es darum geht, die Wegbereiter für Postcore und Emo zu nennen. Bands wie Alkaline Trio oder Hot Water Music werden sicher Naked Raygun gehört haben.
Mit The Bomb unterhält Jeff Pezzati, der ehemalige Naked Raygun Sänger, seit nunmehr über zehn Jahren eine Band, die sich ganz dem alten Postcore der 80er und frühen 90er verschrieben hat, ohne dabei altmodisch oder verstaubt zu klingen. Dass man diesen Sound auch heute noch mitreißend spielen kann, haben ja auch Big Drill Car vor gar nicht allzu langer Zeit bewiesen. Und auch The Bomb knüpfen mit "Speed Is Everything" nahtlos an ihr gefeiertes 2007er Comeback-Album "Indecision" an. Seitdem hat sich am Sound zwar kaum etwas verändert, aber das ist ja auch ganz gut so. Never change a winning team! Wenn jetzt noch ein paar Leutchen mehr von diesem winning Team erfahren würden, wäre das Glück perfekt, denn eine Europatour wird für dieses Jahr geplant. Übrigens, die aktuellen und ehemaligen Bands der Bomb-Mitglieder und Gastmusiker liest sich wie das Who is Who des amerikanischen Postcore und Poppunk: Naked Raygun (hatten wir ja schon), The Methadones, Four Star Alarm, Paint It Black, Jawbox, Channels, Braid, Lifetime und Kid Dynamite. Namedropping at its best!
December Peals People Have Demons
Chorus Of One Records/Cargo
Lässt man sich all die Bands auf der Zunge zergehen, die im Zusammenhang mit den December Peals auf deren Waschzettel genannt werden, könnte man auf die Idee kommen, die CD ungehört in die Tonne zu kloppen: In Extremo, Toten Hosen, Söhne Mannheims, Beatsteaks usw. Mensch, haben die so etwas nötig? Hätte ich die Band aus Ibbenbüren nicht vor ein paar Jahren als überzeugende Vorband der Vandals gesehen, würde die CD wahrscheinlich heute noch ungehört im Giftschrank liegen.
Leider kann mich "People Have Demons" angehört auch nicht so richtig überzeugen, zu abgeschmackt klingt ihr Kick-Ass-Hardrock, dass er dann doch an einigen Stellen den Arsch um Haaresbreite verfehlt. Die Jungs werden wohl eine Menge Gluecifer oder Hives gehört haben, konnten es aber leider nicht ganz verinnerlichen. Somit sind die December Peals live und in Farbe um Längen besser, als auf Platte.
Failures' Union In What Way
No Idea Records
No Idea bringt ja nicht nur Post-Core oder Hardcore-Punk raus, sondern manchmal auch guten, alternativen Indie-Rock. Mit Failures' Union haben wir da so einen Fall, der sich gediegen nach 80er Collegerock und East Coast Alternative anhört. "In What Way" kann mich da auf voller Linie überzeugen, denn wer nach den alten Helden von Pavement, Lemonheads, Sugar oder Guided By Voices klingt, hat bei mir eh schon gewonnen. Und besonders der voluminöse Gesang kann Erinnerungen an die alten Soul Asylum Sachen oder Counting Crows wecken. Melodisch, aber rockig ist er, der Sound von Failures' Union. Sehr gute Band, die man unbedingt mal anhören sollte…
Fat Wrecktrospective Sampler
Fat Wreck
Das nenn ich aber mal fett! Das ist ein richtig dickes Ding. Nimmt direkt drei Plätze im CD-Regal ein. OK, da sind ja auch drei CD's drin. Nun gut, Fat Wreck ist ja auch ein fettes Punklabel und hat in 20 Jahren eine Menge fette Bands rausgebracht. Da sollten als Retrospektive so einige Stunden mit fetter Punk, Hardcore, Skatecore, Melodic-Core, Ska usw. Musik gefüllt werden. Und da hier Bands aus 20 Jahren vertreten sind, gibt es ein freudiges Wiederhören mit fast vergessenen Gruppen wie die Japaner von Hi-Standard, die Engländer von Goober Patrol, die ollen Bracket und, und, und. Klar, NOFX, Lagwagon, Strung Out, Snuff, Mad Caddies, Propagandhi oder No Use For A Name dürfen da auch nicht fehlen. Es wäre mühselig alle Bands aufzuzählen. Schaut euch nur den Fat Wreck Katalog an und ihr wisst, wer noch alles dabei ist. Es sind auf jeden Fall drei kurzweilige CD's mit zahlreichen Hits. Dazu zahlreiche unveröffentlichte Demo-Tracks und der Fat Wreck 7" Club. Und ein tolles Artwork mit zahlreichen Konzertplakaten, allen Plattencovern und Statements einiger Bands, wie sie von Fat Mike gezwungen wurden, auf seinem Label zu veröffentlichen.
Genepool Lauf! Lauf!
Rookie Records/Cargo
Alles neu bei Genepool - sollte man fast meinen: neues Line-Up und neuer Sound(?). Das neue Genepool Album klingt jedenfalls nicht so düster nach Joy Division oder Sisters Of Mercy, wie noch der Vorgänger "Sendung/Signale". Es wird mehr Punk-gerockt und so klingen Genepool heute dezent mehr nach Smoke Blow, als zu Zeiten, da Letten, eben der Sänger jener gerade genannten Band, noch bei Genepool sang. Genau, jetzt hat nämlich Ian Spehr von Mink Stole den Gesangsposten übernommen. Guido Lucas ist aber immer noch dabei.
"Lauf! Lauf!" klingt jedenfalls abwechslungsreicher und kreativer. Da kommen auch mal Bläser zum Einsatz wie bei "She-Bot" oder "Kerosene" oder es gibt dann sogar dezente Ska-Rhythmen wie beim Hit "Maggots". Mit Skaeinflüssen haben in den 80ern ja auch einige New Wave Bands rumexperimentier, man denke da nur an die Fehlfarben oder Bérurier Noir. Man muss sich jedenfalls erst an den Sound gewöhnen, - vielleicht nach dem ersten Hören die Platte ein paar Tage zur Seite legen - jedoch dann entwickeln sich langsam aber sicher die Ohrwürmer und man hat einen Haufen Melodien, die man immer wieder mal vor sich her summen kann. Tolles Album!
Kazimir Brokenlande
www.kazimir-band.de
Da flattert mir diese CD ins Haus und ich Bekloppter denke, dass es sich hierbei wieder um eine belanglose Deutschrock-Band der Marke Jupiter Jones oder Kleze oder so handelt. Erst einmal die CD eine Woche oder so auf Seite gelegt und dann etwas widerwillig doch mal in den Player reingestopft, weil mich der Songtitel "Junge verliebt sich in Mädchen (Mädchen sagt nein)" interessiert hat. Und was mussten meine - von Bands mit ähnlich beknackt klingenden Namen wie Kazimir - geschundenen Ohren da für wohltuende Klänge vernehmen? Fuck, ich war vom ersten Ton an gefesselt und mittlerweile ist "Brokenlande" zur CD des Monats mutiert. Also, solch eine stimmige Symbiose zwischen Text und Musik habe ich ja schon lang nicht mehr gehört, vor allem von deutschen Bands nicht. Wenn es nach mir ginge, könnten Bands wie Muff Potter oder Turbostaat einpacken.
Kazimir spielen schön harten, aber groovenden Postcore-Emopunk, wie ihn die oben genannten Bands auch ungefähr spielen, aber mit einem kleinen Touch Hamburger Schule; und die Smiths will ich da auch so ein wenig raus hören. Glücklicherweise wird so gut wie kaum gegrölt. Das Zusammenspiel der Instrumente und das Songwriting sind eins A. Das Ganze reißt einen vom Anfang an mit. Doch vor allem die Texte geben der Sache noch den Kick. Kein Kitsch der Marke Jupiter Jones, kein Schmalz der Marke Tomte, kein kryptisches Zeug der Marke Turbostaat - nein, Kazimir bringen die Ungereimtheiten des Lebens genau auf den Punkt. Zukunftsangst, Kommunikationsprobleme, Liebeskummer usw. Die ganz großen Themen werden hier richtig gut angepackt. Kostprobe: "Am selben Bahnsteig gegenüber fährt ein anderer Zug zurück. Es wär das Leichteste dort einfach einzusteigen. Doch fährst du jetzt hinterher oder von hier weg. Du tust alles um dich bloß nicht zu entscheiden." Monumentalkino! Wo ist eigentlich das Label, dass so eine tolle Band rausbringen möchte?
Kismet Hiatus
Midsummer Records/Cargo
Die Niederlande sind ja eigentlich bekannt für ihre unpeinlichen Indiebands. Da könnten sich so einige deutsche Indierocker mal was abschauen. Mit Kismet kommt die nächste tolle holländische Entdeckung um die Ecke. Post Rock, Indie und New Wave werden auf "Hiatus" richtig gekonnt verwurstet. Die Band aus Utrecht klingt dann so wie eine Mischung aus Cursive, Maximo Park und den Get Up Kids. Gut gemacht!
No Shame Ironing Day
Rookie Records/Cargo
Gut rocken können sie ja, die Finnen von No Shame. Da fehlt mir aber das gewisse Extra. Rotzigen, jedoch melodischen Streetpunk hört man ja immer öfters, vor allem von skandinavischen Bands. Ist halt nicht so richtig mein Ding, obwohl die Musik live auf der Bühne bestimmt ganz gut knallen könnte. Eine Quotenballade gibt es dann auch noch und eine recht belanglose Social D Kopie. Für die dreckige, alte Punkerseele bestimmt nicht zu verachten.
Todd Big Ripper
Riot Season Records/Cargo
Yes, Todd sind wieder da und das fetter denn je. Die Band aus London haut uns auf "Big Ripper" wieder ihren mächtigen Doom-Core und Noise-Rock um die Ohren, dass diese nur noch schlackern können. Dabei scheint es so, als ob Todd es auf dem neuen Album noch heftiger krachen lassen, als auf ihren schon lauten Vorgängern "Purity Pledge" und "Comes To Your House". Das Ganze erinnert dann an die Melvins, Tad, Butthole Surfers oder Killdozer, nur halt mit mehr Punk, Crust und Geschwindigkeit. Yes, Todd sind wieder da und das besser denn ja…
Tubers Anachronous
No Idea Records
Wenn mir der Promozettel nicht unter die Nase reiben würde, dass es sich bei den Tubers um eine aktuelle Band handelt und dass hier das ehrenwerte No Idea Label am Werke wäre, ich würde schwören, dass es sich hierbei um eine alte Dischord Band aus den 80ern handeln würde. Nun ist No Idea auch kein unbeschriebenes Blatt in Sachen Oldschool-Postcore, die Nähe zu den alten Helden ist schon frappierend. Natürlich will ich die alten Bands jetzt nicht in Misskredit bringen, aber die Tubers kann man ja schon fast auf eine Stufe mit den Rites Of Spring, Gray Matter oder Minor Threat stellen. Dreckig, rotzig, rau, flott ist der Postcore Sound auf "Anachronous", aber immer auch mit einer Prise scheppernden Rock'n'Roll gewürzt. Auch Midtempo ist der Band aus Florida nicht unbekannt. Und das eine oder andere Krachinferno der Marke Rites Of Spring gibt es noch dazu. Dann noch dieses geniale 80er-Schnibbel-Coverartwork und fertig ist ein fantastischen Hardcorepunk-Album. Klingt eigentlich ganz einfach, machen leider viel zu wenig Bands. Da kann man nur heilfroh sein, dass es Gruppen wie dir Tubers gibt.
Wive Pvll
Exile On Mainstream Records/Soulfood
Gott, was für ein wunderschönes Album. Diese Melancholie, diese Atmosphäre, diese Düsterness - Weltschmerz lässt grüßen! Wive präsentieren uns mit "Pvll" eine, für den doomigen Exile On Mainstream Sound, recht ungewöhnliche Platte. Ganz dunkler Postrock wird hier einem geboten. Hin und wieder klickert's und pluckert's, werden Streicher-Sequenzen eingebaut und mit quietschenden Gitarren gearbeitet. Das Ganze klingt dann ein bisschen wie eine Mischung aus Tortoise, Tindersticks, Nick Cave, Sophia und Notwist. Wer mal wieder so tieftraurige Musik hören möchte, sollte unbedingt mal Wive ausprobieren. Einfach zu schön! Anspieltipp: "Lazarvs And Dives"!
Worn In Red In The Offing
No Idea Records
"In The Offing" von Worn In Red ist hundertpro das schwächste Album des aktuellen No Idea Records Paket (die anderen Bands siehe oben). Mit Screamo konnte ich noch nie so richtig etwas anfangen. OK, man muss zugeben, dass die schleppenden und doomigen Stellen ganz gut sind und stark an Neurosis oder Saint Vitus erinnern, dennoch grölt mir der Sänger zu stark und lässt zu viel Melodie in seiner Stimme vermissen. Dafür machen die abgehackten Gitarrenriffs und das breitgefächerte Schlagzeugspiel einiges wieder gut. Fans von Drive Like Jehu oder Fucked Up sollten hier auf jeden Fall mal rein hören.