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Bad Boy Boogiez
Bad Boy Boogiez
Monkey Art/Alive
"Bad Boy Boogiez" ist ein Album, welches als Soundtrack für den neuen Fatih Akin Film aufgenommen wurde, dann auch noch von Guido Lucas produziert wurde und von einer gewissen Ruhrpott-Szene Prominenz eingespielt wurde. Klingt ganz gut, haut mich aber nicht vom Hocker.


Black Magic Six
Evil Acupunction
Tug Rec/Broken Silence
Dafür, dass Black Magic Six aus Finnland kommen und ich hier etwas mehr Kreativität, Witz, Frische und Durchgeknalltheit erwartet hätte, ist ihr Debütalbum "Evil Acupunction" doch etwas enttäuschend. Hier gibt es eine zwar etwas verschmitzte, aber dennoch zu gewöhnliche Mischung aus Rock'n'Roll und Punkrock. Ist nicht schlecht gemacht, hat auch den einen oder anderen potentiellen Ohrwurm am Start, klingt dann aber, untypisch finnisch, zu normal.


Kevin Devine
Brother's Blood
Arctic Rodeo Records/Alive
Kevin Devine war mir bisher nur als Kopf der grandiosen Post-Core Band Miracle Of 86 bekannt, die mit "Every Famoius Last Word" vor einigen Jahren ein famoses Album veröffentlichten. Leider ist die Band ja nie so richtig groß geworden, wie sie es eigentlich verdient gehabt hätte. Kevin Devine hat aber anscheinend auch eine Menge Solosachen rausgebracht und scheint ein gefragter Tourmusiker zu sein, hat er doch schon Bands wie die All-American Rejects, The Offspring oder Clap Your Hands And Say Yeah zusammen gespielt. Umso glücklicher bin ich jetzt, dass ich Kevin Devines neues Album "Brother's Blood" in meinem Player rauf und runter spielen lassen darf.
Kevin Devine ist einfach ein begnadeter Songwriter, wie man es ja auch schon bei Miracle Of 86 Liedern wie das großartige "Southern State" feststellen durfte. Zusammen mit seiner Goddamn Band feiert Kevin Devine mit "Brother's Blood" ein fantastisches Singer/Songwriter Album ab, welches auch dezente Indie-, Postrock und Folkanleihen besitzt. Dabei erinnert das Ganze an die ruhigen Sachen von Broken Social Scene, Stars oder Arcade Fire. Auch die Solosachen von Favez-Sänger Chris Wicky wie die Sad Riders kommen einem in den Sinn. Hört euch nur mal den herausragenden Song "Brother's Blood" mit seiner ergreifenden Melancholie oder das dramatische "Carnival" an und Kevin Devine lässt euch nicht mehr los. Ab und an kommt dann auch wie bei "I Could Be With Everyone" wieder der alte Miracle-Rocker durch. Tja, und wer traut sich heutzutage auf seinem Album noch zu pfeifen? Kevin Devine macht es bei "Murphy's Song". "Brother's Blood" ist eine ganz, ganz große Musik-Kunst. Übrigens beweist Kevin Devine auch ein hervorragendes Händchen für ein höchst ansehnliches Coverartwork.


Expatriate
In The Midst Of This
PIAS/Rough Trade
Letztens konnte man Expatriate noch als Support auf der Placebo-Tournee bestaunen und schon kommt deren erstes Album "In The Midst Of This" auf den Markt. In ihrer Heimat Australien ist das Quartett schon eine richtige Szenegröße, was auch hier in Europa passieren könnte, denn Expatriate spielen einen richtig schmissigen Indie-Sound mit New Wave Einschlag, wie er ja gerade sehr angesagt ist. Fans von Placebo, den Editors, Glas Vegas, den Kaiser Chiefs oder gar The Cure würden auch mit Expatriate ihre helle Freude haben. Ab und an hat der Gesang so einen leicht nöligen Unterton à la Mark E. Smith wie bei "Get Out, Give In". Mich hauen die Australier zwar nicht so direkt vom Hocker wie ihre Szene-Kollegen von The Boxer Rebellion oder The Pains Of Being Pure At Heart, aber "In The Midst Of This" hat auf jeden Fall Potential. Das scheint eine Platte zu sein, die mehrere Hördurchgänge braucht, um ihre Schönheit zu entdecken. Ich bin jedenfalls immer noch auf Entdeckungstour. Spannend!


Elena Farr
Voices In My Head
lolila/ Broken Silence
Die drei Jungs von Elena Farr sind laut Pressetext auch schon ein paar Jahre in der Düsseldorfer Musikszene aktiv und das ist ihrem Debütalbum "Voices In My Head" in jeder Sekunde anzuhören. Da, wo junge New Wave Bands es schaffen den Sound der 80er höchstens zu kopieren, scheinen Elena Farr wie aus einer Zeitschleife direkt aus den 80ern zu kommen. Melancholisch, etwas düster, aber auch rockig und immer schön schrammelig klingt hier die Musik. Da, wo Nachwuchsbands oft versuchen wie Joy Division oder Gang Of Four zu klingen, scheinen die Vorbilder von Elena Farr eher aus dem Hause Big Store Records zu kommen. Erinnerungen an Bands wie Ferryboat Bill oder Well! Well! Well! werden da wach. Schöne Platte, die nicht immer die selben Idole aus den 80ern abfeiert.


Friska Viljor
For New Beginnings
Haldern Pop Recordings
Vor einiger Zeit haben die Schweden von Friska Viljor noch die unselige Jägermeister Rockliga aufgemischt und beim Vorausscheid in München den Saal gerockt sowie verdientermaßen den ersten Platz belegt. Soviel zum Hitpotential der Hippies aus Stockholm, welches sie auch auf ihrem neuen Album "For New Beginnings" erstklassig unter Beweis stellen.
Soundmäßig hat sich zu den Vorgängeralben zwar nicht viel verändert, aber das Songwriting scheint noch ausgefeilter und eingängiger zu sein. Friska Viljor erinnern mich dabei immer stark an ihre Landsleute von Isolation Years, da beide ja so etwas wie Indie-Folk mit Pathos und Glamour spielen. Tja, so sind sie halt die Schweden; die dürfen das und die trauen sich das auch. Aber auch ein gewisser Abba-Touch kommt auf "For New Beginnings" durch. Da gibt es einerseits zwar uselige Instrumente wie Mandoline, andererseits aber auch ganz große Gesten, die eigentlich in eine Samstagabend-Show gehören. Große Unterhaltung.


Girls
Album
PIAS/Rough Trade
Das Klischee ist etwas überholt, aber angesichts der neuen Girls Platte kann man San Francisco getrost wieder mit Flower Power und Hippie-Musik in Verbindung bringen. So spielt das Musikerkollektiv um Kopf Christopher Owens eine recht psychedelische Mischung aus Lo-Fi-Pop, Sixties-Sound, Artrock und 80er Shoegazing. Immer schön mit viel Hall und Analog-Ästhetik. Ähnlichkeiten zu Yo La Tengo, Sonic Youth oder den frühen Jesus And Mary Chain Sachen sind hier nicht von der Hand zu weisen. Es wabert hier an allen Ecken und Kanten und eine gewisse melancholische Grundstimmung zieht sich durch das gesamte "Album". Sehr, sehr coole Platte.


Gluecifer
B-Sides & Rarities
People Like You/EMI
Es ist schon eine Schande, dass mit den Hellacopters und Gluecifer zwei der großartigsten Rockbands aller Zeiten in den letzten Jahren von uns gegangen sind. Auch wenn ich nicht immer alle Entwicklungen der beiden Bands gut fand, gehören sie für mich doch ganz weit nach vorne. Ich habe die beiden ungefähr 1998 auf der "Respect The Rock" Tournee in Doornrosje in Nijmegen vor einer Handvoll Leuten gesehen und seitdem war es in Sachen Scandinavien Rock um mich geschehen. Aber schwelgen wir nicht in glorreichen Erinnerungen, sondern schauen wir getrost nach vorn, denn da gibt es nun mit "B-Sides & Rarities" ein fantastisches Album von Gluecifer, dass, wie der Name schon sagt, B-Seiten und Raritäten enthält. Und wer die Singles und EP von Gluecifer kennt, weiß, dass sich hierbei nicht um Ausschuss handelt. Im Gegenteil, man hatte bei Gluecifer und auch den Hellacopters immer den Eindruck, dass sie ihre besten Songs selten auf ihre Alben packten - halt ganz dem "Save The Vinyl" Gedanken verschrieben.
Auf "B-Sides & Rarities" befinden sich dann auch so zeitlose Klassiker wie "Gary O'Kane", "God's Chosen Dealer", "1994", "Shitty City" und der Überhit schlechthin "Suck City". Mit dabei sind dann auch hervorragende Cover von Thin Lizzy ("Thunder And Lightning") oder Cheap Trick ("Surrender"). Im Großen und Ganzen erinnert das Album aufgrund der überwiegend flotten und punkigen Stücke an die Frühphase der Norweger um Biff Malibu und Cpt. Poon. Und da viele Lieder eher rar zu erwerben waren, stellt sich auch schnell der Eindruck ein, dass es sich bei "B-Sides & Rarities" um ein neues Album handel könnte. Dieser Eindruck wird auch noch dadurch verstärkt, dass es mit "Desolate City" als Opener, den letzten jemals aufgenommenen Gluecifer Song gibt. Hey, und dieses Lied ist einfach grandios. Wie kann sich eine Band auflösen, die am Ende ihrer Karriere nochmal so einen Welthit raus donnert? Wahnsinn!


Jello Biafra And The Guantanamo School Of Medicine
The Audacity Of Hype
Alternative Tentacles/Cargo
Wow, das neue Jello Biafra Album ist, wie eigentlich zu erwarten war, verdammt gut geworden. Großen Anteil daran haben auch die namhaften Mitstreiter der Guantanamo School Of Medicine Band wie Faith No More Bassist Billy Gould, der eine fantastische Bassarbeit abliefert und dem Album so eine hervorragende Basis verleiht, auf welche die anderen Recken ihren bissigen Sound aufbauen können. So ist "The Audacity Of Hype" aber auch zugleich das Jello Biafra Album, das seit etwa 20 Jahren am nächsten an den guten, alten Dead Kennedys Sound heranreicht. Seine ganzen anderen Projekte mit No Means No, den Melvins, DOA, Mojo Nixon und auch Lard waren dann doch zu sehr vom Musikverständnis der beteiligten Musiker geprägt, sodass oft nur Jello Biafras unvergleichliche Stimme an DK erinnerte.
Auf "The Audacity Of Hype" erinnert aber so gut wie alles an DK, sei es die aggressive Stimmung, die bissigen und zynischen Texte, natürlich der Gesang, der Groove und nicht zuletzt die Gitarren, die wie die Dead Kennedys Gitarren diesen melodischen Surf- und orientalischen Touch haben. Da hat Ralph Spight von der grandiosen Victims Family hervorragende Arbeit geleistet, obwohl er hin und wieder auch den Victims Family Einfluss nicht verhehlen kann, wie bei den Songs "Pets Eat Their Master" oder "Clean As A Thistle", der mit einem für Ralph Spight typischen chaotischen Gitarrengegniedel beginnt. Doch Songs wie "The Terror Of Tiny Town", "Strength Thru Shopping" und das herausragende "Electronic Plantation" könnten auch locker großartige Dead Kennedys Klassiker sein. Wer Jello Biafra And The Guantanamo School Of Medicine schon auf der kürzlich erfolgten Tournee sehen konnte, hatte schon eine Ahnung, in welche Richtung dieses Album gehen würde. Dass es dann wirklich so genial wurde, konnte man nur hoffen und hat man einer Garde der besten und authentischsten Musiker zu verdanken. Ich lehne mich jetzt wirklich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass "The Audacity Of Hype" jetzt schon ein Klassiker ist und Kultstatus genießt…


No Age
Loosing Feeling EP
Sub Pop/Cargo
Oh, ich mag das Debüt-Album "Nouns" von No Age aus dem letzten Jahr sehr, sehr gerne, enthält es doch eine ziemlich eigenständige Art von Noiserock mit herbem Indierock-Einschlag. Schön scheppernd, verzerrt, krachig und verspielt klingt das Ganze. Da bin ich ja heilfroh, dass das Duo aus Kalifornien mit der "Loosing Feeling EP" nun vier neue Lieder hinterher legen. Und diese Songs können sich hören lassen, auch wenn man hie und da das Gaspedal zurücknimmt und in Richtung Anti-Folk sowie schrägem Singer/Songwriter-Sound tendiert wie bei den Songs "Genie" und "Aim At The Airport". Dafür scheppert und kracht es wieder ganz gehörig bei den Songs "Loosing Feeling" und "You're A Target". Alles in allem also eine recht feine und runde Sache mit der nötigen Abwechslung zwischen ruhigem Songwriter-Material und polternden Indiepunk-Songs.


NOFX
Cokie The Clown
Fat Wreck Chords
Fans von NOFX können Wetten darauf abschließen, dass sich beim neuen Outtake von Fat Mike und Konsorten, einer fünf Song EP, nicht viel verändert hat. Es gibt hier die typische Breitseite Skate-Punk und Melodic-Core, wie man es nicht anders kennt. Dabei ist das Hitpotential wieder richtig groß. Die Songs "Cokie The Clown" oder "Fermented And Flailing" sind schon ganz großes Punkrock-Kino.
Aber, was ist das? Sieht der Clown auf dem Cover nicht traurig aus? Vielleicht sollte man nochmals rein hören und siehe da, NOFX haben einen kleinen tragischen und melancholischen Unterton in ihre Musik eingebaut. "Cokie The Clown" oder die Akustikversion von "My Orphan Year" haben so gar nichts vom typisch beschwingten und aggressiven Sound früherer Releases. Das scheint wohl den persönlichen, tragischen Erfahrungen in letzter Zeit von Fat Mike geschuldet, die er ja auch bei "My Orphan Year" besingt. Hut ab! Nur schade, dass nach zehn Minuten wieder alles vorbei ist.


Person L
The Positives
Arctic Rodeo Records/Alive
Beim Hören von "The Positives" könnte man fast meinen, dass man es hier mit zwei Bands zu tun hat, so unterschiedlich sind gewisse Teile dieses Albums. Aber Obacht, es handelt sich bei Person L tatsächlich nur um eine einzige Band, die wohl schizophrene Auswüchse nicht verbergen kann. So gibt es auf der einen Seite einen grandiosen Indie-Post-Rock, wie man ihn nur selten hört, auf der anderen Seite ziemlich belanglosen New Wave-Garage-Sound. Die ersten drei Songs und die letzten beiden bilden somit den wunderschönen Rahmen für eine 0815-Mitte. Schade eigentlich, obwohl sich die erst genannten fünf Songs wirklich lohnen. Da gibt es ein grandioses Songwriting, ausgefeilte Arrangements, außergewöhnliche Rhythmen, wohlige Stimmungen und schräg-eingängige Melodien, irgendwo in der Schnittmenge von North Of America und den Stars. Vielleicht hätten Person L sich auf ihr Kerngeschäft verlassen sollen und nicht alles reinpacken, was geht. Dennoch sehr empfehlenswert.


The Shaky Hands
Let It Die
Cargo Records
The Shaky Hands kommen aus Portland, Oregon und haben mit "Let It Die" ihr mittlerweile viertes Album veröffentlicht. Und recherchiert man im Internet, wird einem immer wieder gesagt, dass die Musik der Shaky Hands einen großen Folkanteil haben soll. OK, dezente Country Einflüsse sind nicht von der Hand zu weisen, aber der Hauptbestandteil der Musik der Shaky Hands besteht aus Garage-, Sixties- und Blues-Rock. Die Kinks kommen da einem in den Sinn, aber auch die Stones der 70er Jahre. Wie auch immer, gut ist der Sound der Shaky Hands allemal.