Able Baker Fox Voices
Arctic Rodeo Recordings
Anders als ihre Labelkollegen von Solea (siehe weiter unten), spielen Able Baker Fox aus den USA eine ziemlich doomige und schleppende Emo-Variante. Das Ganze erinnert sehr an Unseen, ältere Favez Sachen oder gar an Helmet. Einen direkten Vergleich mit Hot Water Music würde ich jetzt nicht unbedingt ziehen, da diese doch normalerweise mehr Gas geben. Aber dieses etwas träge Moment von Able Baker Fox weiß zu gefallen. Denn ein Gespür für Melodie und Arrangement beweist das Quartett auf "Voices" sehr eindrucksvoll. Ein gewisser Pop-Appeal überwiegt dann doch, vor allem wenn die pointiert eingesetzten Background-Chöre dem Sound von Able Baker Fox eine besondere Note verleiht. Doch, doch, die Musik der Band um diverse, ehemalige Small Brown Bike Mitglieder kann auf ganzer Linie überzeugen.
Akimbo Jersey Shores
Neurot/Cargo
Fuck, was für eine mächtige Platte. Akimbo aus den USA, die auch schon mal den Bunker des Aachener AZ's fast zum Wackeln gebracht hätten, bringen mit "Jersey Shores" ein 45 minütiges Album heraus, das aus gerade mal sechs Songs besteht. Wenn man dann noch bedenkt, dass Akimbo ihr Album auf dem Neurosis Label Neurot Recordings veröffentlichen, liegt der Verdacht nahe, dass es sich hierbei um Doom-Core der allerfeinsten Sorte à la Melvins, Isis oder eben Neurosis handeln würde. Ja Ok, das ist aber nur die halbe Miete. Denn Akimbo haben ihre letzten zwei Platten nicht umsonst bei Alternative Tentacles herausgebracht. Wuchtiger und fieser Hardcore der Marke Poison Idea oder Fucked Up ist hier ebenso vertreten. Akimbo sollten in Sachen Doom-Core langsam mal das nächste große Ding werden.
Cruiserweight Big Bold Letters
Siren Recordings/Cargo
Cruiserweight kommen aus Los Angeles und spielen recht deftigen Power-Rock; und das ziemlich gut. "Big Bold Letters" ist mittlerweile das zweite Album des Quartetts um Sängerin Stella Maxwell. Laut Pressetext soll die erste Platte "Sweet Weaponry" zwar etwas mehr nach Punk klingen, dennoch konnten Cruiserweight auf "Big Bold Letters" genügend Power und Energie aufbringen, um ein krachendes Rock-Album zu produzieren. Dabei klingen Cruiserweight besonders aufgrund des weiblichen Gesangs nach Bands wie Dover, Juliette Lewis And The Licks oder Veruca Salt. Apropos Veruca Salt: von denen hat übrigens Sängerin Nina Gordon unter anderem die Background Vocals übernommen.
Dancing, Food & Entertainment The German NeoPsych Classics
Sireena Records
Ja, ja, die wilden 80er Jahre - es scheint so, als ob in den 80ern dieses Szene-Schubladendenken noch nicht ganz so ausgeprägt gewesen ist wie heute. Und wenn ich mich an die letzten zwei, drei Jahre 80er erinnere, die ich dann auch als Jugendlicher in Indie-Punk-Kreisen miterleben durfte, war es auch so, glaube ich, oder? Auf jeden Fall gibt der Sampler "Dancing, Food & Entertainment - The German NeoPsych Classics" dieses offene, unkonventionelle und kreative Feeling dieser Dekade wider. Denn Garage-Rock war nicht immer gleich Garage-Rock; nein, nein.
Das kleine, aber sehr feine Label Sireena Records macht es sich wohl zur Aufgabe, alte deutsche 80er Jahre Indie-Bands dem geneigten Zuhörer wieder zugänglich zu machen. Insofern handelt es sich hierbei um ein ganz wichtiges Label, dass mit dem "The German NeoPsych Classics"-Sampler eine ganz wichtige und feine Zusammenstellung deutscher Psychedelic- und Garage-Bands herausgebracht hat.
Irgendwo an der Schnittstelle zwischen Hippie und Punk, zelebrierten meistens langhaarige Bands ziemlich abgefahrene Musik, die neben Sixties, Garage und Psychedelic auch einen - wohl für die 80er obsoleten - New Wave Touch hatte. Mit dabei waren und sind jetzt auf dem Sampler: Pseiko Lüde & die Astros (mit dem jungen Tex Morton), The Beatitudes (mit Tommy Lamour von den Subtones), Les Black Carnations (mit Katharina Franck von den Rainbirds), die Shiny Gnomes oder The Multicoloured Shades. Besonders schön ist auch das sehr informative und chillig gestaltete Booklet. Bitte mehr davon!
Graham Day & The Gaolers Triple Distilled
Damaged Good Records/Cargo
Graham Day ist wohl einer der umtriebigsten subkulturellen Musiker Englands, neben Billy Childish natürlich. Anfang der 80er begann seine Laufbahn bei der Mod-Punk-Band The Prisoners, später spielte er dann mit eben jenem Billy Childish zusammen bei den Mighty Caesars und den Buff Medways sowie bei den Prime Movers und den Solarflares. Auch mit seiner mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Band The Gaolers, denn "Triple Distilled" ist nach "Soundtrack To The Daily Grind" das zweite Album dieser Band, bleibt Graham Day sich und seinem Sound treu. Garage-Rock, Sixties-Feeling, Beat, Mod und ein bisschen Punk sind auch bei den Gaolers die Komponenten für eine sehr mitreißende und tanztaugliche Musik. Denn die Melodie- und Pop-Anteile kommen auf "Triple Distilled" nicht zu kurz. Hört euch nur mal den Hit "Begging You" an und ihr wisst, was ich meine.
Dragontears Tambourine Freak Machine
Bad Afro Records
Im Gegensatz zum recht gediegenen Tempo der Musik, verging die Zeit vom letzten Album der Dragontears (2000 Micrograms From Home" vom März 2007) relativ flott. Denn auf "Tambourine Freak Machine" (die Band hat wohl ein Händchen für erstklassige Albumtitel) präsentiert uns das Baby Woodrose-Nebenprojekt wieder eine sehr berauschte und bekiffte Mischung aus Space-, Psychedelic- und Hippie-Rock. Das Ganze klingt für mich wieder sehr stark nach der guten alten Canterbury-Schule sowie Bands wie Bevis Frond oder Ozric Tentacles. Da wird in ellenlangen Songs herumexperimentiert und improvisiert, was das Zeug hält, ohne auch nur annähernd langweilig oder nervig zu klingen. Selten hat Hippiemusik so gut geklungen. Neben den drei Baby Woodrose Mitgliedern, haben auch Musiker von den Raveonettes oder On Trial an "Tambourine Freak Machine" mitgewirkt.
Fuzztones Horny As Hell
Electrique Mud/Alive
Letztens habe ich die Fuzztones nach etwa 17 Jahren endlich mal wieder Live gesehen und muss einfach sagen, dass die Fuzztones für mich zu den besten Live-Bands ever gehören. Nicht das die Band sich in Sachen Entertainment was Besonderes einfallen lassen oder in den Songpausen tolle Witze erzählen oder so, nein die Band um den Garage-Rock-König Rudi Protrudi, die bezaubernde Lana Loveland oder die Garage-Rock-Legende Graig Moore ist in Sachen Live-Energie kaum zu toppen. Da ist einfach Seele und Herzblut drin, das ist irgendwie Echt.
Etwa zeitgleich zur Tour im Oktober kam auch das von mir lang ersehnte, neue Fuzztones Album mit dem etwas merkwürdigen Namen "Horny As Hell" heraus. Wenn man dieses "Horny As Hell" auf die geile Live-Show bezieht, macht die Sache ja doch irgendwie Sinn. Aber in erster Linie geht es ja um die Musik auf "Horny As Hell", auch wenn das Booklet recht cool gestaltet wurde. Der Sound der von "Horny As Hell" klingt anfänglich etwas überraschend, da der Schmutz und der Dreck aus der Garage gefegt wurde. Es klingt alles ein wenig mächtiger produziert mit Background-Chören und fetten Bläsersätzen. Die Platte klingt ein bisschen souliger und funkiger. Der Punk und krachende Fuzzrock treten ein etwas in den Hintergrund, was besonders beim neu aufgenommenen Klassiker "Bad News Travels Fast" auffällt. Wie gesagt, das klingt beim ersten Hören etwas überraschend, weiß aber aufgrund der nun ausgefeilteren Melodien und Harmonien durchaus zu gefallen. Doch, für mich sind die Fuzztones live und auf Platte absolut überzeugend.
Gemma Ray The Leader
Bronzerat/Soulfood
OK, dieses Album zündet erst nach mehrmaligem Hören so richtig. Beim ersten Mal denkt man schon, dass "The Leader" von Gemma Ray ja ein ganz okayes Album ist und das vielleicht doch noch mehr dahinter steckt - dieses Mehr erschließt sich dann aber erst bei den nächsten Hördurchgängen. Tja, und wenn die englische Sängerin Gemma Ray dich dann erwischt hat, wirst du sie so schnell nicht mehr los. Man versucht es auch gar nicht erst, so schön ist die Musik auf "The Leader".
Gemma Rays Musik steht in der Tradition, düsterer und etwas verruchter 60er Jahre Musik im Sinne einer Nancy Sinatra oder Jane Birkin. Etwas Chanson, etwas Melancholie, etwas Soul und Blues, große Gesten und stimmungsvolle Arrangements, und fertig ist eine ganz spezielle und grandiose Popmusik, die von der englischen Presse mit Amy Winehouse oder Duffy verglichen wird. Also, solch einen Quatsch habe ich ja selten gehört. Da gefällt mir doch der Vergleich mit Isobel Campbell um einiges besser. Ganz großes, schwarzes Kino!
Holly Golightly & The Brokeoffs Dirt Don't Hurt
Damaged Goods Records/Cargo
Die Slide-Gitarre sägt, die Mundharmonika krächzt und die Stimme von Holly Golightly nölt und haucht - doch was macht das Schlagzeug? In Anbetracht der Töpfe, Dosen und Blecheimer, die auf Holly Golightlys neuem Album "Dirt Don't Hurt" den Rhythmus erzeugen, stellt sich die Frage nach dem Schlagzeug gar nicht. Das ist Soul, Gospel, Country und Bluegrass in Reinkultur. Holly Golightly & The Brokeoffs machen Musik, so wie früher die altehrwürdigen Baumwollpflücker in den Südstaaten: mit den Sachen, die halt gerade so in der Gegend sind und wenn es halt nur ein Waschbrett ist. Das ganze erinnert mich dann an Motorpsycho-Gebhardts HGH- oder "Gebhardt Plays With Himself"-Projekten, wo ja auch mit allen möglichen Dingen bis hin zu selbstgebauten Instrumenten schräger Bluegrass gespielt wird.
Bei "Dirt Don't Hurt" ist zu beachten, dass Holly Golightlys Begleitband The Brokeoffs lediglich aus einem Mann namens Lawyer Dave. Und der Albumtitel ist natürlich auch irgendwie Programm, so viel Garagen-Schmutz steckt in dieser Musik. Hört euch nur mal Song Nummer 12 "For All This" an und ihr werdet dieses Album genau so lieben wie ich.
Guns On The Roof New Frustration
Glory Glory Records/Radar Music
Guns On The Roof kommen aus Leeds in Mittelengland und spielen ganz soliden UK-Punk ohne große Schnörkel, der ganz OK ist, aber auch keinem so richtig weh tut. Die Stiff Little Fingers, die Neurotics oder auch die Anti Nowhere League werden für den Sound auf "New Frustration" als Vorbilder fungiert haben. Und auch nach Rancid klingen die Guns On The Roof ein wenig. Nicht schlecht das Ganze, müsst man sich aber mal Live ansehen; könnte ganz gut knallen.
Hollywood, Mon Amour Hollywood, Mon Amour
PIAS/Rough Trade
Irgendwann ist auch das beste Konzept ausgereizt, wird sich wohl Marc Collin, seines Zeichens Mitglied der französischen Cover-Band Nouvelle Vague, gedacht haben und sich flugs eine neue Masche ausgedacht haben. Und so wie Nouvelle Vague alte 80er Jahre New Wave-Klassiker in eine loungeige Jazz- und Bossa Nova-Version umgewandelt haben, geht nun Hollywood, Mon Amour hin und spielt alte 80er Jahre Spielfilm-Soundtracks in einer loungeigen Jazz- und Bossa Nova-Version. Was bei eh schon von vornherein guten Originalsongs wie Blondies "Call Me", Duran Durans "A View To A Kill" oder Bowies "This Is Not America" sehr, sehr brauchbar klingt, kann bei überflüssigen Songs wie "Eye Of The Tiger", "Footlose" oder "Flashdance (What A Feeling)" nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hierbei um einfach nervige Lieder handelt, die man einfach nicht covert. Egal in welcher Version; so etwas gehört verboten. Da lobe ich mir dann noch den peinlichen "La Boum - Die Fete"-Hit "Reality", der ja, da es sich hierbei neben "Der große Blonde mit den schwarzen Schuhen", um den französischen Filmklassiker handelt, irgendwie eine Berechtigung hat. Und solch einen Soundtrack darf dann auch eine französische Band covern. Aber wirklich auch nur eine französische… Als Gastsängerinnen konnte Marc Collin diese Mal unter anderem Cibelle oder die fantastische Juliette Lewis für dieses Projekt gewinnen.
Jolly Jumpers Fantom Zone
Tug Rec/Indigo
Schon das letzte Album "Mobile Babylon" der Jolly Jumpers aus Finnland konnte mich voll und ganz überzeugen. Gab es hier doch einen richtig toll gediegenen Schwedenrock-Sound, der bei weitem nichts mit dem obligatorischen Schweinerock, den man beim Begriff "Schwedenrock" vermuten würde, zu tun hatte. Auch das neue Album der Jolly Jumpers steht wieder in der Tradition der älteren Generation von Schwedenrock-Bands wie The Nomads, Sator oder Union Carbide Productions. Es wird hier einfach mehr Wert auf Harmonien und Melodie gelegt, als Krach und Energie.
Auf "Fantom Zone" werden Stile wie Americana, Blues Psychedelic und Gospel gekonnt mit einer fetten Ecke Rock zu einem großen Ganzen verwoben. Dass das so gut geklappt hat, liegt wohl auch daran, dass mit dem Flaming Sideburns Gitarristen Arimatti Jutila und der angeblichen "finnischen Indie-Rock Ikone" Petri Hannus zwei Musiker bei den Jolly Jumpers ans Werk gehen, die auch wirklich Ahnung von so etwas haben. Wenn dann auch noch Produzent Jürgen Hendlmeier (Sweatmaster, Flaming Sideburns) seine Finger im Spiel hat, kann man bei "Fantom Zone" getrost von einem tollen Album ausgehen.
Knucklebone Oscar Back From The Jungle
Rookie Records/Cargo
Ein Gospel-Chor eröffnet dese Platte und es schießt einem sofort folgende Phrase in den Kopf: Die spinnen, die Finnen! So eine kranke Scheiße, natürlich im positiven Sinne gemeint, kann mal wieder nur aus Finnland kommen. Man denke da nur an so schräge und trashige Garage-Punk-Bands wie Boomhauer oder Sweatmaster. Und in diese Riege kann man die fulminante sowie Energie geladene Musik von Knucklebone Oscar ohne Skrupel einreihen. Rock'n'Roll trifft Punk, Garage-Rock trifft Soul; und das alles mit der wohl den Finnen angeborenen nötigen Portion Verrücktheit.
Songtitel wie "Rockabilly Messiah", "Bantam Fight", "Chicken Lover" oder "Boogie Bedouin" lassen wohl keine Fragen mehr offen. Hier wird gerockt, was das Zeug hält - und das auch noch verdammt abwechslungsreich und kreativ. Nein, Knucklebone Oscar sind keine der zahlreichen Skandinavischen 0815-Schweinerock-Bands. Und wer als Bonustrack für die Vinyl-Version von "Back From The Jungle" den Song "Strychnine" von den altehrwürdigen Sonics covert, kann kein schlechter Mensch sein.
Miss Li Miss Li
Devil Duck Records
In ihrer Heimat Schweden soll Miss Li ja schon recht bekannt sein; und das glaube ich auch sofort, so toll ist Miss Lis Musik. Dabei hat sie nicht im Entferntesten etwas mit den gängigen Skandinavischen "Musikhochburgen" wie Schwedenrock oder Gothic-Zeugs zu tun. Im Gegenteil, Miss Lis Musik ist recht freundlich und klingt sehr gut gelaunt. Und "freundlich" ist jetzt nicht im Sinne von "ganz nett" gemeint, nein, die Musik auf Miss Lis neuem selbstbetitelten Album macht verdammt viel Spaß. Da gibt es eine sehr verspielte und kreative Mischung aus Pop, Jazz, Chanson, Balkan-Folk, Zirkusmusik, Kabarett und eine singende Säge darf natürlich auch nicht fehlen. Und das klingt bei Weitem besser als die ganzen Bands und Musiker, die sich auf diese ewige Weill/Brecht-Sache berufen. Eigentlich müsste Miss Li nicht nur in Schweden bekannt sein und für den schwedischen Grammy nominiert sein, aber um ein deutsches Massenpublikum zu erreichen, ist der Sound der Miss Li dann wohl doch etwas zu schräg und anspruchsvoll. Was vielleicht auch ganz gut ist, denn so hat man beim Hören von "Miss Li" immer das Gefühl, einen eigenen, kleinen Indie-Schatz zu besitzen.
Oxford Collapse Bits
Sub Pop/Cargo
Das legendäre Sub Pop-Label scheint sich ja seit einiger Zeit einerseits auf Indie-Folk-Bands eingeschossen zu haben, auf der anderen Seite glücklicherweise aber auch auf schräge Indie-Punk-Bands wie die Thermals oder No Age. Und genau in diese letztgenannte Sparte lassen sich Oxford Collapse aus New York eingruppieren. Auf ihrem mittlerweile vierten Album "Bits" wird hochgradig gerumpelt, geschrammelt, gequietscht und genölt vom allerfeinsten. Das erinnert dann teilweise an alte Indie-Helden wie Yo La Tengo, Superchunk, Treepeople oder Pavement, klingt dann aber wiederum völlig frisch und unverbraucht, als ob es eine 25 jährige Indie-Geschichte nie gegeben hätte. Großartiges Album!
The Pleasure Travel Inside
Rookie Records/Cargo
In Freiburg scheinen die Bands ja besonders viel Wert auf Stil und Geschmack zu legen, man erinnere sich da bloß an die tolle Leopold Kraus Wellenkapelle. Auch The Pleasure kommen aus Freiburg und legen viel Wert auf Perfektion. Auf ihrem mittlerweile viertem Album "Travel Inside" gibt es ausgefeilten Sixties-Britpop, der glasklar in der Tradition der Beatles steht. Und wenn dann auch noch das Coverartwork vom langjährigen Beatles-Grafiker Klaus Voormann entworfen wurde und man als Highlight auch noch in Liverpool im Cavern Club spielen durfte, wurde doch stilsicheres Konzept erreicht.
Solea Finally We Are Nowhere
Arctic Rodeo Recordings
Mit "Finally We Are Nowhere" haben Solea wohl ein kleines Meisterwerk geschaffen. Ein Album für die Ewigkeit, welches sich zurzeit tagtäglich in meinem Player dreht. Ein Post-Core, Emo und Indie-Rock Monster der absoluten Sonderklasse. Melancholie, viel Gefühl, warme Harmonien, eingängige Melodien und ausgefeiltes Songwriting zeichnen "Finally We Are Nowhere" aus. Spätestens beim vierten Song "Far And Wide" hat einen das Album gepackt und lässt einen nicht mehr los - vor allem dann nicht mehr, wenn dieses grandiose, bombastische Finale bei Song Numero 8 "Miles And Miles" ertönt. Solea erinnern hier an poppige Samiam oder Texas Is The Reason, was ja auch nicht von ungefähr kommt, da mit Sergie Loobkoff der Samiam-Gitarrist und mit Sänger Garrett Klahn ein ehemaliges Texas Is The Reason Mitglied die Zügel bei Solea in der Hand haben. Dass Solea aber sehr eigenständig und nicht nach einer Kopie klingen, sorgen die auch die beiden weiteren Musiker, Schlagzeuger Scott McPherson (Sense Field, Elliot Smith, Beck), Bassist Joe Orlando und Rusty von den Eels. Für mich das Album des Monats!
Starvin Hungry Cold Burns
Signed By Force/Cargo Records
Oh ja, das rockt. Das hat Seele und Herzblut. Das geht ab. Ja, Starvin Hungry aus Kanada schaffen es tatsächlich, dass man bei ihrer Musik nicht ruhig sitzen bleiben kann. Ihr Garage-, Blues-, Soul-Punk ist so verdammt gut, dass man es kaum für möglich hält, dass diese Band hierzulande noch völlig unbekannt ist. Das sollte sich schleunigst ändern, denn spätestens beim grandiosen dritten Song ihres zweiten Albums "Cold Burns" sollte einem bewusst werden, dass man es hier mit etwas ganz Besonderem zu tun hat.
Der Pressetext spricht hier von einer Mischung aus frühen Punkrock-Bands wie den Voidoids, Wipers oder Wire und schräger Garage-Rock Gruppen wie den Stooges oder Pussy Galore. Und irgendwie trifft das auch den Nagel auf dem Kopf, irgendwie aber auch wieder nicht, da Starvin Hungry doch zu eigenständig klingen, um in gängige Schubladen zu passen. Auf jeden Fall geht man hier höchst dynamisch, energetisch und krachend zu Werke, ohne dabei das Gefühl für tolle Melodien zu vernachlässigen. Und erst mal diese voluminöse und fulminante Stimme - wow, da kommt ja sogar Danko Jones kaum ran. Dem Pressetext kann man übrigens auch entnehmen, dass es sich bei Starvin Hungry um einen der heißesten Live-Acts Kanadas handeln würde und beim Hören von "Cold Burns" kann man sich das lebhaft vorstellen. Wird langsam Zeit, dass die Band mal nach Europa kommt.
White Flag Wild Kingdom/Zero Hour/Sgt. Pepper
Empty Records/Indigo
Endlich mal wieder ein Re-Release einer Band, die es mit Recht verdient hat, wieder veröffentlicht zu werden. Dabei handelt es sich beim Album "Wild Kingdom/Zero Hour/Sgt. Pepper" der LA Punkrock-Legende White Flag um die Wiederveröffentlichung zweier Alben von Mitte der 80er Jahre, "Wild Kingdom" und "Zero Hour" sowie weiteres Material angefangen bei raren 7" B-Seiten bis hin zu unveröffentlichtem Studiozeugs. Alles in allem eine sehr kurzweilige und abendfüllende Angelegenheit.
White Flag zeichneten sich von je her für ihren speziellen Humor und zynischer Szenesatire aus. Angefangen beim Bandnamen als Gegenpol zu den eher ernsteren Black Flag, über Künstlernamen der Bandmitglieder wie Jello B Afro oder Mike Mess, bis hin zu teilweise missverstandenen Polizeiparodien, sind die passionierten Schnauzbartträger immer für einen schrägen Gag gut gewesen. Auch die Coverversion von Cheap Tricks "He's A Whore" zeugt von einem ganz speziellen Geschmack. Dabei sollte einem nicht der Fehler unterlaufen, die Musik von White Flag als platten Funpunk abzustempeln. Nein, ihr Sound ist tief verwurzelt im Westcoast-Punk der frühen 80er Jahre. Parallelen zu den Dickies, DI, Adolescents, Germs oder The Freeze sind nicht von der Hand zu weisen. Dabei gibt es dann noch einige kleine Rock'n'Roll- sowie Glamrock-Einflüsse. Wie auch immer, White Flag gehören für mich zu den besseren Ami-Punk-Bands der 80er Jahre und werden, glaube ich, zu Unrecht unterschätzt. Die "Wild Kingdom/Zero Hour/Sgt. Pepper" CD könnte dabei endlich Abhilfe verschaffen. Be