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Bearsuit
The Phantom Forest
Fortuna Pop/Cargo Records
Dass Indie-Pop nicht immer gleich Indie-Pop ist und ziemlich verschiedene Züge annehmen kann, beweist mal wieder eindrücklich das ehrenwerte Fortuna Pop Label mit seinen drei aktuellen Releases von den The Pains Of Being Pure At Heart, Crystal Stilts und eben Bearsuit, die unterschiedlicher sind wie es fast nur möglich ist. Bearsuit sind hier die sehr groovende, poppige und diskolastige Indieversion - zu den anderen beiden Bands weiter unten.
Bearsuit kommen aus Norwich und waren kurz vor seinem zu frühen Ableben, so etwas wie die neuen Lieblinge von John Peel. 2007 kam ihr erstes Album heraus und nun vier Jahre später mit "The Phantom Forest" ihr zweites, glaube ich. Und hier geht es ziemlich in Richtung Art-Punk und extrem tanzbaren Disco-Indie-Pop - manchmal etwas hysterisch und nervraubend, aber immer irgendwie groovy. Die Songstrukturen, Backgroundchöre, der wechselnde männlich-weibliche Gesang und die elektronischen Spielereien erinnern dabei sehr an Bands wie The Go! Team, Toenut, Stars, Ikara Colt oder die Chicks On Speed. Das kann was! Anspieltipp: Song Nummer 7 "Cut Loose".
The Boxer Rebellion
The Cold Still
Absentee Recordings/ADA/Warner
Seit zehn Jahren gibt es nun The Boxer Rebellion aus London und man fragt sich schon, weshalb es so oft die langweiligen und nichtssagenden Bands sind, die berühmt werden und nicht diejenigen, die wirklich gute und herzergreifende Musik machen - so wie The Boxer Rebellion halt. Was da in den letzten Jahren in Sachen melancholischem Indie-Pop, düsterem Brit-Pop und modernem New Wave von der Insel kam, war ja manchmal kaum auszuhalten, so belanglos und nichtssagend waren diese Bands oft. Doch The Boxer Rebellion, die mit ihrem letzten Album "Union" eigentlich schon ganz oben hätten mitspielen müssen, haben nun mit "The Cold Still" den eigentlich richtig großen Wurf geschafft, der einerseits an 80er Jahre New Wave- und Gruftie-Größen erinnert, andererseits aber auch äußerst zeitgemäß klingt. Fans von Glass Vegas oder den Editors sollten hier getrost zugreifen.
Boxhamsters
Thesaurus Rex
Majorlabel/Broken Silence
So etwa Mitte der 90er Jahre habe ich die Boxhamsters zum ersten Mal im Aachener AZ live gesehen und war restlos begeistert von dem Sound, den die Band aus Gießen dort zelebrierte. Bis dahin dachte ich, dass alleine EA80 so etwas wie ein Patent auf intelligenten, düsteren deutschen Punk angemeldet hätten. Tja, so schnell konnte man sich damals täuschen, in einer Zeit, als es noch kein Internet gab und man auf Fanzines und Freundesaussagen angewiesen war. Jedenfalls war ich damals restlos begeistert, kaufte mir sofort die "Tötensen"-CD (was für ein geiler Titel übrigens; warum ich mir damals eine CD und keine LP kaufte, kann ich heute nicht mehr genau nachvollziehen), die, nachdem sich nach unzähligen Hören "Es regnet" als Lieblingssong raus kristallisierte, mir aus dem Auto geklaut wurde und ging immer wieder zu deren Shows. Unvergesslich bleibt auch der Boxhamster Auftritt beim Trust-Festival auf der 2000er oder 2001er Popkom zusammen mit den großartigen Snuff und den damals neureformierten Spermbirds. Was für ein Line-Up - da kommt man heute noch ins Schwärmen.
Wie auch immer, das Major Label, seit eh und je ein Garant für sogenannten intelligenten Punk, bringt nun mit "Thesaurus Rex" eine Art Best Off-Zusammenstellung der ersten vier mittlerweile vergriffenen Boxhamsters Alben heraus, die da heißen: "Der göttliche Imperator", "Tötensen", "Prinz Albert" und "Tupperparty" (wie eben schon angedeutet, ein erstklassiges Händchen für Plattentitel haben die Boxhamsters immer schon gehabt). Insgesamt sind es 23 Songs mit einer Spielzeit von etwa 80 Minuten. Es wäre jetzt etwas anmaßend von mir, einige Titel zu benennen, denn eigentlich sind alle irgendwie kleine bis große Hits - jedenfalls ist "Es regnet" vorhanden, was ich anders auch nicht erwartet hätte. Somit stellt "Thesaurus Rex" für Fans, die nicht alle vier alten Alben besitzen, davon gibt es bestimmt einige, so etwas wie ein Muss dar und für Einsteiger wäre dieses Album auch zu empfehlen, waren die letzten Boxhamsters Alben doch teilweise etwas durchwachsen. Mal ehrlich, so gut wie in den 90ern, sind sie doch leider nie mehr gewesen…
Crystal Fighters
Star Of Love
Different/PIAS/Rough Trade
Die Crystal Fighters müssen ja auf ihrer letzten Tournee eine absolute Schau gewesen sein, so viele Leute kenne ich, die mir von denen vorschwärmen. OK, auch wenn ich elektronische Musik normalerweise nur mit viel Alkohol ertragen kann, dachte ich so bei mir, hörst du doch mal rein. Und ja, ich kann mir lebhaft vorstellen, dass die Crystal Fighters aus Spanien live absolut zünden, so mitreißend bauen die einzelnen Songstrukturen aufeinander auf. Ähnlich wie die früheren Múm, kombinieren auch die Crystal Fighters traditionelle Instrumente und Elektronik wie bei "Xtatic Truth", um im nächsten Moment einen absolut Indie-Disco-tauglichen Rave abzufackeln. Das lässt sogar mich alten Rocker mitwippen. Richtig geil! "Star Of Love" fällt dann besonders wegen der dezenten latino und tropical Einflüsse auf, die die Spanier in Songs wie "Champion Sound" oder "Plage" einfügen. Doch, das gibt dem Album eine ganz spezielle Komponente. Fans von Bands, die Folklore mit Elektronik verbinden, also etwas Múm oder Animal Collective oder auch ravende Indiebands wie Soulwax oder Client werden mit den Crystal Fighters ihre helle Freude haben.
Crystal Stilts
In Love With Oblivion
Fortuna Pop/Cargo Records
Den Sound der Crystal Stilts hätte ich jetzt auf dem angesagten Label Fortuna Pop am wenigsten erwartet, zu dunkel, zu unmodern, zu rockig klingt die Band aus New York. Kein Indie-Pop, kein Disco-Punk, kein Shoegazer - die Crystal Stilts klingen auf "In Love With Oblivion" ziemlich nach Garage und Schmutz. Da gibt es Psychedelic-Rock und düsteren Indie-Blues gepaart mit ein wenig Indie-Pop, denn ganz so fuzzy sind sie dann doch nicht. Aber man kann schon heraus hören, dass die Crystal Stilts eine Menge Gun Club, Stooges. Jesus And Mary Chain oder Birthday Party gehört haben. Tolles Album!
The Cute Lepers
Adventure Time
Damaged Goods/Cargo Records
Drei Alben in etwas mehr als drei Jahren, dazu zahlreiche Singles und Touren durch die Staaten und Europa - The Cute Lepers sind ja genauso umtriebig wie ihre sogenannte Vorgängerband The Briefs. Genau, dass Steve E. Nix und Kicks von den Briefs ja seit einigen Jahren die Cute Lepers machen, sollte sich ja rumgesprochen haben. Ebenfalls, dass sie weiterhin dem guten, sonnigen 77er Punk frönen, diesen aber mit noch mehr Power-Pop und Mod kombinieren. War das erste Album "Can't Stand Modern Music" mit seinen Pop-Elementen, den weiblichen Backgroundchören und der Orgel noch so etwas wie ein Aha-Erlebnis, trat bei "Smart Accessories" so etwas wie Ermüdungserscheinungen ein. Zu beliebig und einförmig kam einem der Pop-Punk-Sound der Cute Lepers vor, obwohl ihre Live-Shows absolute Erlebnisse sind.
Mit "Adventure Time" hat man jedoch den Eindruck, dass die Cute Lepers wieder mehr in Richtung 77er Punk tendieren. Natürlich kommt die Orgel vor, die Backgroundgesänge wurden wiederum erstklassig eingesetzt und es gibt sogar Bläsersätze wie bei "Tribute To Charlie" oder "Adventure Time", aber Songs wie "All Of This Attention Is Killing Me" hat wieder dieses wunderbare Briefs und 999 und The Boys Feeling. Apropos The Boys: Duncan Reid von den Boys schrieb für die Cute Lepers den Song "77", der eine absolut fantastische Midtempo-Punkgranate ist. Sehr schön
DxBxSx
Zugriff
Elektrohasch
Dass das feine, kleine Psychedelic-Stonerrock-Label Elektrohasch aus München auch mal eine Punkplatte veröffentlichen würde, hätte ich nie für möglich gehalten. OK, dabei muss man sagen, dass DxBxSx eigentlich so wenig Punk sind wie sie Doom-Rock oder Stoner-Rock sind. Irgendwie sind sie alle drei Sachen auf einmal. Und ja, das geht…
Liest man sich den Pressezettel zu "Zugriff" durch, könnte man fast den Eindruck bekommen, dass es sich hierbei um ein Konzeptalbum handeln würde; um ein Album, dass nur aus dem Thema Gentrifizierung besteht, in dem es nur um coole, yuppiemäßige Zugereiste in Berlin gehen würde. So wie es Angelika Express vor Jahren schon aus anderer Sicht in ihrem Song "Geh doch nach Berlin" thematisiert haben. Und ja, natürlich zieht sich dieses Thema parallel mit Gedanken über die pseudoengagierte Feierprotestkultur der Kastanienallee oder des Boxis durch das Album: Songs wie "Weesst Bescheed", "New Beat", "Liebesgrüße aus Neukölln" oder "Berlin is sooo geil" (ein absoluter Hit) agieren wie ein musikalischer Mittelfinger vorm Gesicht der coolen Studenten Kreuzköllns. Aber ruhig Blut, es gibt auch noch andere Themen, die das Berliner Trio besingt, Themen, die man einfach als Rock'n'Roll Themen bezeichnen kann: Stress mit der Polente, Drogen (hier Alkohol und Nikotin), kein Geld auf Tasche…
Vom musikalischen Aspekt her, habe ich beim ersten Hören kaum mehr den Mund zu bekommen, so viel Kraft, Energie, Wucht und Dynamik haben DxBxSx, die sich früher mal HipHop-mäßig Drive By Shooting nannten. Ein grollender Bass, ein fulminantes und einen auf die 12 gebendes Schlagzeug, ein voluminöser rauer Gesang sowie eine fette Fuzzgitarre lassen an Bands wie Fu Manchu oder Clutch mit Punk-Attitüde denken. Und aufgrund des dreckigen Blues-Rock-Sounds, der extremen Behaarung sowie des Berlinbezuges und des Slangs stehen DxBxSx meiner Meinung nach in der Tradition alter Asirocker mit Lokalkolorit wie den Straßenjungs (zumindest zur "Dauerlutscher"-Phase) oder der Zeltinger Band (die gesamten 32 Jahre). Schön, dass Berlin endlich auch mal eine großartige Asirock-Band besitzt…
Favez
En Garde
Two Gentlemen/Indigo
Favez kann man getrost als so etwas wie die hardest working Band der Schweiz bezeichnen, denn mittlerweile haben sie schon sieben Alben veröffentlicht und über 1000 Konzerte gespielt. Ich verfolge die Band aus Lausanne nun schon seit etwa zehn Jahren, auf einen Tipp des Motorpsycho Schlagzeugers Gebhardt hin, denn wer so geile Musik macht, der wird auch Ahnung von anderen Bands haben. Und ja, das damalige Favez Album "From Lausanne, Switzerland" hat mich dermaßen umgehauen, dass ich mir die Band auf der damaligen tour sogar zweimal angeschaut habe. Es waren großartige Konzerte und die Musik passte damals einfach in den Zeitgeist, denn sie fuhr im Fahrwasser von Bands wie Hot Water Music, Fugazi oder Helmet - also, dass was man heute Emo schimpft, aber auch einfach als fulminanter Postcore mit Indie-Einschüben benannt werden kann. Sänger und Kopf der Band Chris Wicky unterhielt zwischendurch immer wieder sein großartiges Singer/Songwriter Nebenprojekt Sad Riders, dessen Einflüsse auch auf dem neuen Album "En Garde" zu erkennen sind.
Somit ist "En Garde" vielleicht das abwechslungsreichste Favez Album, dass aber dennoch nie den roten Faden verliert. Da gab es schon weniger erfolgreiche Favez Versuche, Abwechslung in ihre Alben reinzubringen; ich erinnere da nur mal an das vorletzte Album. Nein, "En Garde" besitzt wieder diese typischen Favez Kracher wie "Like The Old Days" oder "The Kids", die einen automatisch beim Refrain die Faust in die Höhe recken lassen, andererseits aber auch diese wunderbaren Singer/Songwriter Schmachtfetzen wie "Living In The Past" oder "Under The Sun". Und auch den Groove haben sie bei "Closet Astronaut" mal wieder dabei.
The Fuzztones
Preaching To The Perverted
Stage-O-Lee/Indigo
"Preaching To The Perverted" - der Name ist Programm, denn kaum eine andere Band verbindet Schmutz und Sex so bravourös wie die Fuzztones. Tja, und selbst der großgewachsene Rudi Protrudi, legendärer Frontmann der Fuzztones versprüht mehr Sexappeal und Charisma als die ganzen Posterboys aus Funk und Fernsehen. 30 Jahre nach Gründung der Fuzztones, kommen Rudi Protrudi, Lana Loveland und ihre Mitstreiter mit einem Garage-Punk Album daher, das bei weitem mehr kann als all die Veröffentlichungen der Garage angehauchten Bands, die landauf landab die größtenteils überflüssigen Festivals bespielen. Mit "Preaching To The Perverted" haben die Fuzztones mal wieder einen Meilenstein in Sachen Garage-Punk erschaffen, der auch eine Menge Soul, Beat und Gruselfaktor versprüht. Ohne Bands wie die Fuzztones, wäre die Musiklandschaft ziemlich arm…
The Go! Team
Rolling Blackouts
Memphis Industries/PIAS/Rough Trade
Hach, wie ich diese Band mag. The Go! Team sind wahrlich eine Band, die einem eine gute Zeit bescheren kann, die einem ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert, die einen nicht richtig ruhig lassen kann - man muss einfach mitwippen, mittanzen. Als ich 2004 das Debüt "Thunder, Lightning, Strike" der Band aus Brighton in die Hände bekam, war ich sofort von den Socken. So einen geilen Mix aus Disco, Funk, Trash, Beat, Surf und Dancefloor hat man vorher selten gehört. Das war höchst tanzbare, radiotaugliche Musik, die aber alles andere als massenkompatibel war, da zu sehr Independent. Nun, Jahre später machen The Go! Team auf "Rolling Blackouts" dort weiter, wo sie aufgehört haben. Klingen mal nach 70er Trashdisco à la Tom Tom Club, nach Trashfunk der Marke Beasty Boys oder nach surfigen Trashbeat. Auch in den schillerndsten Discomomenten klingen The Go! Team nach Ghettoblaster oder Garage - und das ist richtig fein. Gespickt mit ein paar Samples und 80er-Aerobic-Chören, lädt die oft instrumentale Musik auf "Rolling Blackouts" zum tanzen und umhercruisen ein. Die richtige Musik im Sommer auf dem Weg zum Badestrand.
Adam Haworth Stephens
We Live In Cliffs
Saddle Creek/Cargo Records
Die Two Gallants mag ich schon irgendwie gerne, zu schön schräg ist ihr Americana-Singer/Songwriter Sound. Sogar live nur mit Gitarre und Schlagzeug weiß das Duo zu überzeugen. Nun bringt das Bright Eyes Label Saddle Creek das Solodebüt des Two Gallants Sängers und Songwriters Adam Haworth Stephens heraus und ich muss leider gestehen, dass "We Live In Cliffs" nicht so zündet wie die Two Gallants Alben. Auch wenn vielversprechende Gastmusiker von My Morning Jacket, Blood Brothers und Jaguar Love dabei sind, sticht dieses Soloprojekt leider nicht aus dem ganzen Wust der Singer/Songwriter Bands und Projekten heraus, so wie es eben die Two Gallants machen.
J. Mascis
Several Shades Of Why
Sub Pop/Cargo Records
Ist "Several Shades Of Why" wirklich J. Mascis' erstes richtiges Soloalbum? Irgendwie schon, denn der alte, weise Meister der Fuzzgitarre und des schrägen Gesangs hat noch nie in den 25 Jahren seiner Musikerkarriere ein Album veröffentlicht, das nur seinen Namen trägt. Selbst sein Projekt J. Mascis And The Fog kann man nicht wirklich als Soloprojekt bezeichnen. Nun also nach 25 Jahren Dinosaur Jr. Gibt es mit "Several Shades Of Why" das erste Soloalbum des Mannes, der den Indierock der 80er und 90er Jahre maßgeblich mit beeinflusst hat. Die Liste der Musiker, die J. Mascis dabei unterstützt haben, ist ebenso so lang wie schön: da tummeln sich Leute von fantastischen Bands wie A Silver Mount Zion, Broken Social Scene, Band Of Horses oder Black Heart Procession. Und trotz der ganzen Mitmusiker ist "Several Shades Of Why" ein reines Akustikalbum geworden, dass irgendwo zwischen Barmusik, Singer/Songwriter, Folk und Americana tingelt. Auch wenn es keine lauten, verzerrten Gitarren gibt, kein grollendes, schepperndes Schlagzeug, erinnert "Several Shades Of Why" aufgrund J. Mascis Stimme mit dem hohen Wiedererkennungswert stark an Dinosaur Jr. - bloß halt ruhige und zurückgenommene Dinosaur Jr. Sehr schön!
Joan As Police Woman
The Deep Field
PIAS/Rough Trade
Ach wie schön, irgendwie sagt mir dieser Indie-Jazz-Pop-Sound von Joan As Police Woman zu. Diese Band und vor allem Sängerin und Kopf Joan Wasser haben das gewisse etwas, dass mir sogar eine Musik schmackhaft macht, die ich sonst eher selten höre. Vielleicht liegt es ja an dem stimmigen Mix aus Pop, Indie, Jazz, Soul, R&B und purer Lebensfreude, das "The Deep Field" zu einem herausragenden Album macht. Doch, mit ihrem dritten Album übertrifft Joan As Police Woman alles, was vorher schon so großartig von ihr produziert wurde.
Mighty Clouds
Mighty Clouds
Polyvinyl Records
Wow, Polyvinyl Records legen sich diesen Monat aber richtig ins Zeug - nachdem ich ja schon die Vivian Girls zu Recht abgefeiert habe (siehe unten), kann ich gar nicht anders, als die Mighty Clouds ebenfalls abzufeiern. Auch wenn dieses Duo bestehend aus dem Multiinstrumentalisten und Songwriter Fred Thomas und der Sängerin Bettie Marie Barnes auch einen dezenten Sixties-Touch aufweisen, sind sie dennoch komplett anders als die eher trashigen und Garage-lastigen Vivian Girls. Nein, die Mighty Clouds klingen auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum eher klebrig süß und zauberhaft liebreizend. Das ist Twee Pop in Reinkultur, der es auch bald mit den grandiosen Belle And Sebastian aufnehmen könnte. Zwar sind die Mighty Clouds nicht ganz so voluminös und theatralisch als ihre schottischen Kollegen, dafür stehen sie ihnen in Sachen Instrumentierung kaum etwas nach, setzen auch mal ein Glockenspiel oder eine Harmonica ein und haben fantastisch mitreißende Gesangslinien in petto. Absolut empfehlenswert…
Mogwai
Hardcore Will Never Die, But You Will
Rock Action/PIAS/Rough Trade
Was soll man zu dieser Band noch großartig sagen, geschweige denn schreiben, wenn selbst der Pressezettel es nicht mehr für nötig hält, mehr als 13 Zeilen Information über Mogwai und das neue Album "Hardcore Will Never Die, But You Will" preiszugeben… Die Band aus Schottland ist ja wirklich mittlerweile Everybodys Darling. Ich kenne nur ganz wenige Leute, die Mogwai nicht mögen, alle anderen finden sie mindestens gut oder sind restlos begeistert von deren Sound und deren zauberhaften Konzerten.
Zu schreiben, dass Mogwai mit "Hardcore Will Never Die, But You Will" wieder ein Monster in Sachen Postrock und epischer Instrumentalrockmusik geschaffen haben, wäre in diesem Falle wahrlich etwas danebengegriffen, denn die Entwicklung hin zu mehr Pop, die es ja auch schon auf dem letzten Album "The Hawk Is Howling" vor allem beim Song "The Sun Smells Too Loud" gegeben hat, wurde konstant weitergeführt und auf "Hardcore Will Never Die, But You Will" in wundersame Sphären gehievt. Ja, Mogwai sind längst nicht mehr so düster, doomig und rockig, dafür gibt es jetzt mehr Groove und Pop. Das steht denen übrigens sehr gut Und somit ist "Hardcore Will Never Die, But You Will" zwar kein Rockmonster geworden, dafür aber ein psychedelisches Popungeheuer. Die Gitarrenwände und Klanglandschaften sind einfach etwas tanzbarer geworden.
Obits
Moody, Standard And Poor
Sub Pop/Cargo
Ich fand ja schon das erste Album "I Blame You" von Obits ziemlich gut und bin vom neuen Album "Moody, Standard And Poor" restlos begeistert. Ja, da kann man Sub Pop nun wahrlich zu der Wahl gratulieren, denn mit Obits wird die Rockfahne in absolut höchste Höhen gehalten. Und zwar ganz genau die Surf- und Garrage-Rockfahne. Gepaart mit leichten Indieeinflüssen, hauen Obits mit "Moody, Standard And Poor" ein ziemlich mächtiges Beatpunk-Album raus. Da würde man sich schon wundern, wenn man es hier mit Jungspunden zu tun hätte… Hat man aber nicht, denn bei Obits werken alte Recken von Bands wie Drive Like Jehu, Pitchfork oder den famosen Hot Snakes herum. Und beim Stichwort Hot Snakes ist man dann auch auf der richtigen Fährte, was den Sound von Obits anbelangt. Denn deren Fans können auch blindlings bei Obits zuschlagen. Auch wenn "Moody, Standard And Poor" vor Garage-Hits nur so strotzt, möchte ich euch den zweiten Song "Results" ans Herz legen, denn der hat absolute Ohrwurmqualitäten und hat es auf Anhieb bei mir auf ein Mixtape fürs Auto geschafft - da kommen eher selten ganz aktuelle Bands drauf - ist also so etwas wie ein hochwertiges Qualitätsurteil.
Rival Schools
Pedals
Warner Music
Walter Schreifels - Hardcore- und Emo-Legende - kehrt wieder mit seinen Rival Schools auf den Plan zurück. Auch wenn Ihr jetzt gähnend abwinkt und behauptet, dass das ja nun wirklich keine Neuigkeit mehr wäre, zähle ich an dieser Stelle mal die Bands auf, für die Walter Schreifels maßgeblich zuständig war: Youth Of Today, Gorilla Biscuits, Quicksand, CIV. Und da der Herr aus New York neben emotionalem Hardcore auch immer ein Faible für melodischen Indierock hatte, gründete er in den 90ern mit einigen Freunden und Kollegen halt die Rival Schools, die ja zusammen mit Bands wie Samiam, Jawbreaker oder Texas Is The Reason mitverantwortlich für eine musikalische Entwicklung sind, die dann irgendwann in das gipfelte, was man heute Emo schimpft.
2011 machen Rival Schools genau dort weiter, wo sie nach ihrer Reunion 2008 angeknüpft hatten: Mit "Pedals" veröffentlichen sie ein Album, welches tief in der Tradition von Bands wie spätere Hüsker Dü, Buffalo Tom oder Sebadoh steht. Sie spielen einen melodisch-emotionalen Rocksound, der gleichfalls Hardcore- und Indie-Fans begeistern kann und stark an späte 90er Jahre und Jade Tree Records erinnert und man wundert sich immer wieder, wie Leute, die bei Burn, Quicksand oder gar Limp Bizkit (der Schlagzeuger) spielten oder spielen, solch einen warmen und gefühlvollen Sound hinbekommen… Ein Muss für alle, die den Begriff Emo noch in einer Zeit schätzen gelernt haben, als man nicht bloß einfach wütend oder traurig gewesen ist.
The Sound Of The Mountain
The Child Of Stereo In Mono
Stressed Sumo Records
Und wieder eine dieser Bands, die sich auf den Spuren Mogwais und Godspeed You! Black Emperor befindet. The Sound Of The Mountain kreieren dabei auf "The Child Of Stereo In Mono" eine ganz spezielle instrumentale Postrock Musik. Mal ziemlich doomig, mal sehr sphärisch und spacerockig, geht es hier auf und ab. Klanglandschaften galore! Da, wo Mogwai mittlerweile etwas stringenter sind und nicht mehr dieses Auf und Ab zelebrieren, verharren The Sound Of The Mountain in teilweise ausgetretenen Dark Side Of The Moon Pfaden, was der Musik der Band aus Arkansas nicht unbedingt schaden muss, im Gegenteil, aber richtig neu ist das hier nicht. Muss es wahrscheinlich auch gar nicht sein.
Vivian Girls
Share The Joy
Polyvinyl Records
Manchmal ist die Überraschung, aber auch die Freude über eine CD, die man zugeschickt bekommt, über eine Band, von der man vorher noch nie etwas gehört hat, so groß, dass man der ganzen Welt da draußen mitteilen möchte, sie solle sich doch mal unbedingt das hier anhören und sich nicht immer mit dem üblichen Schmutz besudeln lassen…
Auf Polyvinyl Records, die ja sonst eher für etwas kranke und schräge Bands bekannt sind, erscheint mit "Share The Joy" ein dermaßen eingängiges, melodisches und hinreißendes Album, dass man dem Aufruf des Albumtitels nur zu gerne befolgt. OK, ganz unschräg sind die Vivian Girls aus New York nicht, sie haben einen Hang zum Düsteren und Psychedelischen, aber im Grunde genommen handelt es sich hier um eine Garageband - eine Band, die richtig schön nach urbanen Sixties klingt, nach Velvet Underground oder auch den Troggs. Dunkler als die Shangri-Las, nicht so hibbelig wie die Micra Girls, extrem cooler als die Strokes, aber dennoch irgendwie fest verwurzelt in dieser Sixties-Beat-Trash-LoFi-Garage-Tradition stehen die drei jungen Damen namens Vivian Girls. Dass sie dabei oft etwas sphärisch, experimentell und psychedelisch klingen, macht dann noch die besondere Schönheit von "Share The Joy" aus. Daumen hoch!!!