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A Camp
Colonia
Reveal Records/PIAS/Rough Trade
Nina Persson, diese Frau wird der ein oder andere Indie-Fan noch als Sängerin der schwedischen Band The Cardigans kennen und genau diese Nina Perrson hat mit A Camp eine neue Band am Start. Zusammen mit namhaften Gastmusikern wie James Iha von den Smashing Pumpkins oder Joan Wasser von Joan As Policewoman haben A Camp mit "Colonia" ein träumerisch verspieltes Album kreiert, das zwischen Indierock und Abba-Pop changiert. Dabei bestechen vor allem die orchestralen Songarrangements, die mal pathetisch und theatralisch wirken, dann aber auch filigran und spartanisch sind.


Blondivision
Menschen
No Solution Records/Cargo
Einen recht unspektakulären Sound spielen Blondivision aus dem Großraum Köln. Auf ihrem neuen Album "Menschen" präsentiert uns die Band einen Punkrock, der Live wohl um einiges besser sein muss, als er auf Platte rüberkommt. Dabei befinden sich Blondivision mit dem weiblichen Gesang und den deutschen Texten irgendwo zwischen den Avengers, Vice Squad, Nichts oder Östro 430. Nur von Blondie ist hier weit und breit keine Spur…


Celan
Halo
Exile On Mainstream Records
Fetten und schleppenden Doom-Rock mit kleinen Grunge-Anleihen spielen Celan aus Berlin. Dabei erinnert der Sound auf "Halo" irgendwie an Bands wie Neurosis, Unsane oder Tool. An der einen oder anderen Stelle kann es aufgrund der Aggro-Stimme auch mal in Richtung Screamo gehen. Man hat manchmal fast das Gefühl, dass der Sänger im nächsten Moment platzen müsste. Wie auch immer, Celan ist mit "Halo" ein solides und brachiales Werk gelungen, das mit einem instrumentalen Postrock-Stück einen würdigen Abgang findet.


400Colpi
Homo homini lupus
Chorus Of One Records
Italo-Hardcore in der Tradition alter italienischer Bands wie Negazione, Raw Power oder Miskatonic University spielen 400Colpi. Das Ganze kommt recht hart, anstrengend und aggressiv rüber, kann leider nur an wenigen Stellen richtig überzeugen. Der Gesang klingt dafür einfach zu Aggro. Irgendwie könnte man den Sound auf "Homo homini lupus" auch als New York Hardcore mit italienischen Texten bezeichnen. Klingt fett, aber nicht besonders dick…


Gonzales
Check Mate
Chorus Of One Records
Und da kommt schon die nächste Schweinerockband aus Italien. Was da in letzter Zeit über den Brenner zu uns an Rockmusik schwappt, kann sich schon sehen lassen. Italien macht sich wohl langsam daran, den Skandinaviern den Rockolymp streitig zu machen. Und genau im Sinne skandinavischer Schweine-Punkrockbands wie The Bones, Peepshows oder Turbonegro rocken sich Gonzales aus Triest durch die zehn Songs ihres neuen Albums "Check Mate". Und das machen die vier Jungs richtig gut, haben Power und Energie, gute Songs und einen voluminösen Gesang. Nur dieses unsägliche "Ring Of Fire" Cover stellt den einzigen Negativpunkt auf dieser überzeugenden CD dar.


Mattias Hellberg & The White Moose
Out Of The Frying Pan, Into The Woods
Stickman Records/Indigo
In Schweden ist Mattias Hellberg so bekannt wie ein bunter Hund, hat der Mann doch schon in zahlreichen, glorreichen Bands wie The Hellacopters, The Solution oder The Soundtrack Of Our Lives gespielt. Und nun hat Mattias Hellberg mit The White Moose endlich seine eigene, kleine Band am Start, in der sich auch Mitglieder von The (International) Noise Conspiracy und The Whyte Seeds befinden. Und nimmt man all die eben genannten Bands zusammen, kommt man der Musik auf "Out Of The Frying Pan, Into The Woods" relativ nahe, denn die 70er und vor allem die 60er Jahre werden hier in absolut fantastischer Weise abgefeiert.
Die Musik geht von Garage-Rock über Psychedelic-Rock, von Bluegrass über Surfmusik, von Sixtiesbeat bis hin zu Rock'n'Roll - und immer hört sich der Sound sehr bekifft an. Erinnerungen an die alten Monster Magnet Sachen oder The Bevis Frond werden wach, aber auch die Kinks oder Captain Beefheart kommen einem in den Sinn. Da wird mal gerockt und auch mal minutenlang rumimprovisiert, die Songlängenbandbreite geht von 1:41 bis hin zu 7:35 Minuten. Dabei wird es auch bei den sieben Minuten Stücken nie langweilig oder nervig, im Gegenteil, vielleicht sind ja gerade die langen Lieder die schönsten. Wie auch immer, Mattias Hellberg und seinem weißen Elch ist ein fantastisches Psychedelic-Rock Album gelungen, das super auf Bad Afro Records gepasst hätte, aber auf Motorpsychos Stickman Records mindestens genau so gut aufgehoben ist. Genial!


High Five Drive
Full Blast
Fond Of Life Records
High Five Drive kommen aus Kanada und spielen ganz okayen Melodic-Core, der an der einen oder anderen Stelle auch mal etwas metallisch und pathetisch wird und somit stark an Strung Out erinnert. Aber auch ein wenig Emo und Screamo darf auf dem neuen Album "Full Blast" nicht fehlen. Mir entlockt das höchstens ein müdes Lächeln, Fans dieser Musik könnten hier aber mal reinhören, denn hinter den Großen des Genres verstecken, brauchen sich die vier Jungs nun wirklich nicht.


Isis
Wavering Radiant
Conspiracy Records/Cargo
Irgendwie hatte ich Isis aber anders in Erinnerung, als auf ihrem neuen Album "Wavering Radiant" - Isis haben doch sonst immer einen, zwar sehr harten, aber instrumentalen Post-Rock gespielt. Auf "Wavering Radiant" wird nun aber mehr gesungen - also mehr Gesang, weniger Instrumental. Im Grunde genommen habe ich ja nichts gegen Weiterentwicklungen bei einer Band, im Gegenteil, eigentlich sollte man das ja anerkennen, was ich hiermit auch tue: ich erkenne die Weiter- oder auch Neu- oder was auch immer für eine Entwicklung bei Isis an. Und eigentlich handelt es sich bei "Wavering Radiant" auch um ein richtig gutes Album, das einzige Manko, das es gibt, ist dieses permanente Gebrüll! OK, es gibt hier zwei Gesangsvarianten: eine melodische, die auch wirklich gut ist und leider andauernd dieses Gegröle, was sehr stark an Metalcore erinnert und mir dieses Album blöderweise etwas vermiest. Die Hard Isis Fans werden es wohl lieben.


Karoshi Lovers
The Revolution Is Over
Riemu/Wantokmusic/Broken Silence
Die Karoshi Lovers kommen zwar aus Finnland, klingen aber dennoch nicht so abgefahren oder verrückt wie viele ihrer landsmännischen Bandkollegen. Nein, die Musik auf "The Revolution Is Over" klingt sehr straight und kohärent, wohl passend zum Albumtitel, denn bei den Karoshi Lovers scheint die finnische, musikalische Revolution wirklich an ihrem Ende angekommen zu sein. Was nicht bedeutet, dass die Musik der Karoshi Lovers schlecht wäre, im Gegenteil, ihr Mix aus 80er Synthie-Pop, Indierock, New Wave und Discopunk klingt richtig gut. Man fühlt sich dann manchmal sehr an 80er Jahre Bands und Künstler wie Hazel O'Connor, Siouxsie And The Banshees oder an Blondie erinnert. Und wer den Godfathers Überhit "Birth, School, Work, Death" so überzeugend covern kann, hat bei mir schon gewonnen. Cool!


Kevin K
Deutschland
Kicking Records/New Music Distribution
Kevin K ist ein alter New York City Punkrock Haudegen der ersten bis zweiten Stunde. Auch wenn er mit seinen Bands The Road Vultures oder The New Toys nie den großen Erfolg feiern konnte wie seine Kollegen von den Heartbreakers oder gar die Ramones, gehört er doch zu den ganz großen und einflussreichen Musikern der alten New Yorker Punkszene. "Deutschland" ist Kevins mittlerweile 18. Solo-Studioalbum und es wird einem ganz bestimmten Land gewidmet, welches Kevin zu schätzen gelernt hat. Dreimal dürft ihr raten, von welchem Land hier die Rede ist…
Achtung, Überraschung! "Deutschland" klingt überhaupt nicht so, wie man es sich vorher denken könnte: also kaum nach dem alten Asi-Sound der Marke Dead Boys oder Heartbreakers. Nein, "Deutschland" klingt wie eine Mischung aus Pop-Punk und 80er Jahre Synthie-Pop. Das liest sich jetzt ziemlich schräg, klingt aber sehr gut. Es wird viel mit Elektronik und Effekten rumgespielt, dennoch klingen die Songs nie zu krank. Im Gegenteil, jeder Song ist ein kleiner Ohrwurm und hätte in den 80ern locker ein Hit werden können. Songs wie "Intrusive", "How Many Times" oder "Kim" lassen einen so schnell nicht mehr los. Natürlich kann diese etwas naive Deutschtümelei leicht auf die Nerven gehen und auch das Artwork sieht recht merkwürdig aus, dennoch kann sich das, was Kevin K und seine drei Mitmusiker hier produziert haben, absolut hören lassen. Große Klasse!


The Lords Of Altamont
The Altamont Sin
Gearhead Records
Yes, was für ein großartiges Album. Die Lords Of Altamont haben das Zeug, der legitime Nachfolger von Rocket From The Crypt zu werden, denn die Band aus Los Angeles zelebriert auf ihrem neuen Album "The Altamont Sin" einen derart coolen und abwechslungsreichen Punk'n'Roll der absoluten Oberklasse. Und dann noch dieses verdammt gute Songwriting - da können die meisten rumpelnden Garage-Punk-Bands aber einpacken. Also, dort wo Rocket From The Crypt aufgehört haben, nämlich eine recht konservative und festgefahrene Musik mit innovativen und unkonventionellen Ideen anzureichern, machen die Lords aber so was von gekonnt weiter. Da wird auch nicht davor zurückgeschreckt beim Song "Livin Hell" dermaßen offensichtlich bei Iggys "1969" zu klauen.
Besonders cool bei den Lords Of Altamont ist deren Gesamtkonzept: es wird nicht nur coole Rockmusik zelebriert, sondern auch der obligatorische Style und das passende Coverartwork dazu gereicht. Tätowierungen, Denim und Leder sind ebenso stimmig wie die Motorradrocker-Ästhetik des Artworks. Doch vor allem der mitreißende Mix aus Sixties-Rock, Garage, Fuzzrock, Punk, Schweinerock, Surf, Psychedelic und sogar Twee-Pop machen die Lords Of Altamont zu eine der besten Underground-Rockbands dieser Tage. Absolut fantastisch.


Marching Band
Spark Large
Haldern Pop Recordings/Cargo
Richtig schön verspielten Indie-Pop präsentiert uns die Marching Band aus Schweden, was keinesfalls verwundert, da so eine Musik, wie sie die Marching Band spielt, nur aus dem hohen Norden kommen kann. Bei den etwas rockigeren, wenn man das so sagen kann, Stücken wie "For Your Love" oder "Make No Plans" werden Erinnerungen an schwedische Indie-Rock Kollegen wie KVLR oder Starmarket wach, bei den ruhigeren, folkigen Songs fühlt man sich dann an Isolation Years oder Soundtracks Of Our Lives erinnert. Nett!


Mono
Hymn To The Immortal Wind
Conspiracy Records/Southern
Sieben Lieder in einer Stunde und sieben Minuten - wo man normalerweise abwinken müsste, weil man meint, dass das kaum auszuhalten ist, kommen Mono an und belehren uns eines besseren. Denn was die Japaner mit einer Reihe Gastmusikern und unter den Produzenten-Fittichen eines Steve Albinis auf "Hymn To The Immortal Wind" zelebrieren, ist mehr als gewaltig. Man könnte Mono jetzt mit anderen epischen Post-Rock Bands wie Mogwai oder Tortoise vergleichen, dann könnte man aber auch die Bildzeitung mit der FAZ vergleichen, denn beide werden ja auf Papier gedruckt und haben Buchstaben. Nein, die Musik von Mono erinnert viel mehr an ein großes Orchester, an klassische Musik, an große Filmmusik, an den Soundtrack eines noch nicht gedrehten Monumental-Filmes. Maurice Jarre oder Ennio Morricone hätten wohl ihre helle Freude an Mono oder hätten sie, im Falle von Maurice Jarre, gehabt.
Mono produzieren Klanglandschaften, wie sie sonst vielleicht nur noch in der Klassik erzeugt werden. Man sieht förmlich die ewigen Weiten einer epochalen Landschaft vor sich, wenn man den dramatischen, dynamischen und epischen Klangwerken auf "Hymn To The Immortal Wind" lauscht. Das geht von ruhigen Piano-Stücken, hin zu bombastischen, orchestralen Vollbeschallung. Dabei ist zu beachten, dass Mono auf ihrem neuen Album noch klassischer klingen, als auf ihren früheren Werken, wo man sie dann doch guten Gewissens mit Mogwai oder Tortoise vergleichen konnte. Und als Gesamtkunstwerk kann man Mono auch noch sehen, lassen sie sich Artwork-technisch auch immer ein außergewöhnliches Konzept einfallen. Gab es zu ihrem Album "Walking Cloud And Deep Red Sky, Flag Fluttered And The Sun Shined" passend zur verwendeten Origami-Ästhetik einen roten Papierbogen, um einen Papierkranich zu falten, arbeiten sie dieses Mal mit einer Art Manga-Comic Ästhetik mit den dazugehörigen Kurzgeschichten. Durch und durch einfach ein grandioses Album.


NOFX
Backstage Passport DVD
Fat Wreck/SPV
Ha, eine Band, die sich sonst privat immer sehr zurückgezogen hat und selten Interviews gibt, bringt nun einen Tournee-Film im Stile einer Dokusoap heraus und gibt so einige private Einblicke preis. Doch, man muss Fat Mike und den anderen Herren von NOFX zu dieser Doppel-DVD gratulieren, denn selten hat man ein so fantastisches, amüsantes und kurzweiliges Tourtagebuch gesehen. Einerseits sorgen schon die exotischen Länder, in denen die Konzerte 2006 stattfanden und die jeweiligen, lokalen Umstände für einiges Kopfschütteln - dabei waren so Länder wie Peru, Chile, Indonesien, Malaysia oder Südafrika - andererseits sorgt die Präsentation des Tourberichts in Form einer miesen Dokusoap, wie sie penetrant in diesem unsäglichen Musikfernsehen rumflimmern, für einige Lacher. Da gibt es "Coming Up" Einspieler, wie vor den Werbepausen, mit einem Piepen unterdrückte Kraftausdrücke und Interviews mit Bandmitgliedern und Anhang, die wie Zeitzeugen einer Guido Knop Sendung wirken.
Natürlich läuft auch so fast alles schief: Konzerte werden kurzfristig abgesagt, in Kolumbien wird kurz vorher der örtliche Tourbooker in Medelin umgebracht, es gibt wenig bis gar kein Geld für die Auftritte, die dann doch mal stattfinden und irgendwie ist einfach alles völlig chaotisch geplant. Nur die Kids in diesen Ländern rasten total aus, wenn NOFX spielen. Die scheinen regelrecht nach richtig gutem Punkrock ausgehungert zu sein. Wie schon erwähnt, "Backstage Passport" ist eine grandioser Tourfilm, der für mich in die Top Ten aller Tournee-Filme gehört. Erste Sahne!


Obits
I Blame You
Sub Pop/Cargo
Nachdem letztes Jahr Speedo, der ja neben Rocket From The Crypt bei Drive Like Jehu und Hot Snakes tätig war, mit den Night Marchers ein großartiges neues Album veröffentlicht hatte, legt nun Rick Froberg, Speedos alter Kollege bei Drive Like Jehu und den Hot Snakes, mit seiner neuen Band Obits ebenso großartig nach. Und genau wie Speedo bei den Night Marchers hegt Rick Froberg bei den Obits sein Faible für konventionellen Garage-Rock. Doch im Gegensatz zu den Night Marchers, die ja ihr gesamtes Album in einem recht punkigen Stil durchrocken, versuchen die Obits auf "I Blame You" ein wenig mehr Abwechslung walten zu lassen. Da gibt es beim Song "Run" melancholische Töne der Marke Wipers, bei "I Blame You" einen groovigen Surf-Einfluss oder bei "Talking To The Dog" einen ziemlich coolen Sixties-Touch. Wie auch immer, die Obits haben mich mit ihrer Mischung aus Garage, Psychedelic, Punk, Wave und Sixties vollkommen überzeugt.


The Pains Of Being Pure At Heart
The Pains Of Being Pure At Heart
Fortuna Pop
Warum werden immer die anderen Bands die nächsten großen Dinger? Da gibt es so viele Indie-Bands, die belanglose und gelangweilt klingende Sachen spielen und alle Welt feiert sie ab. Und dann gibt es immer wieder diese Bands, die großartige Songs schreiben und vom Sound her auch prima in die Zeit passen, aber kaum einer kriegt es mit. Und warum, weil da kein fettes Label mit einer dicken PR-Maschinerie dahinter steckt. So leider auch bei The Pains Of Being Pure At Heart, die auf dem kleinen Indie-Label Fortuna Pop ihr erste Langspielplatte, nach zahlreichen Singles, veröffentlicht haben. Und man kann Fortuna Pop zu dieser Entdeckung nur gratulieren, denn The Pains Of Being Pure At Heart sind eine wirklich großartige Band mit einem sehr eigenwilligen, melancholischen, aber sehr eingängigen Sound.
Auch wenn die Pains Of Being Pure At Heart aus New York kommen, klingen sie britischer, als so manche Band von der Insel. Das muss man auch mal schaffen. Hätte ich nicht nachgelesen, wo die Band beheimatet ist, hätte ich hier felsenfest behauptet, dass die Pains aus Großbritannien kommen - Manchester oder Glasgow oder so… Die Musik der Pains Of Being Pure At Heart befindet sich irgendwo an der Schnittstelle zwischen der Smiths, Jesus And Mary Chain, Mega City Four, The Boxer Rebellion und Belle And Sebastian. Mal geht es sehr düster und lethargisch zu mit mächtigen Gitarrenwänden und Klangteppichen wie bei den Songs "Contender" oder "Hey Paul", ein anderes mal machen sie dann einen auf verspielten Indie-Pop wie bei "Come Saturday" oder "This Love Is Fucking Right". Bleibt nur zu hoffen, dass auf der kommenden Tour im Juni ein paar Leute hingehen werden, denn Pains Of Being Pure At Heart Konzerte müssen einfach gut sein.


Red Red Meat
Bunny Get's Paid
Sub Pop/Cargo
Manchmal hört man einen Song und man wird das Gefühl nicht los, dass man diesen irgendwo schon einmal gehört hat. Der Sound, die Stimmung, die Melodie und vor allem die Stimme kommen einem so was von bekannt vor. Tja, dieses Gefühl habe ich beim neuen Doppelalbum "Bunny Get's Paid" von Red Red Meat. Alles klingt so vertraut, wie aus einer anderen Zeit. Und siehe da, "Bunny Get's Pais" wurde tatsächlich 1995 schon einmal raus gebracht und nun von Sub Pop wieder veröffentlicht. Und wer nun eins und eins zusammenzählen kann, das heißt im Klaren, wer "1995" und "Sub Pop" zusammenzählen kann, weiß, welcher Sound einem hier geboten wird: Grunge, Alternative- und Indie-Rock werden einem hier geboten. Teilweise etwas schräg und psychedelisch, aber immer auch rockig und eingängig. Und das auch noch verdammt gut. Hätte mich auch gewundert, wenn das ein komplett neues Album einer jungen, neuen Band gewesen wäre. Merkwürdig, dass mir Red Red Meat damals nicht untergekommen ist, wo das zu der Zeit doch genau mein Sound gewesen ist, der aber heute immer noch überzeugen kann. "Bunny Get's Paid" kommt übrigens in einer toll gestalteten Deluxe Edition mit zahlreichen Linernotes diverser Musiker und Produzenten sowie einer Bonus-CD mit alternativen Versionen, Mixversionen und Demoversionen diverser Songs.


Rooster Burns & The Stetson Revolting
Rooster Burns & The Stetson Revolting
Crazy Love/Cargo
Warum es neben dem fantastischen Handsome Hank und seinen Lonesome Boys sowie der auch recht guten Band Hayseed Dixie immer noch weitere Bands geben muss, die alte Punk- und Rock-Klassiker auf Country und Bluegrass covern müssen, entzieht sich meiner Logik. Das ist doch mittlerweile ein alter Hut und spätestens seit den unsäglichen Boss Hoss (Gähn!!!), wird mir der Spaß, den mir eine solche Musik anfänglich bereitete auch noch vermiest…
Mit Rooster Burns & The Stetson Revolting gibt es nun die nächste Band, die (Punk-) Rock-Songs auf Banjo und Steelguitar covert. Das machen die Greenhorns zwar recht gut, aber wer will denn schon die X-te Cowboy-Version von "Ace Of Spades" oder "Highway To Hell" hören? Rooster Burns & The Stetson Revolting sind live bestimmt ganz amüsant, aber auf CD wirken sie dann doch wie die dreiundachtzigste Wiederholung von "Fluss ohne Wiederkehr".


Roxy Epoxy
Band-Aids On Bullet Holes
Damaged Goods/Cargo
Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass die amerikanische New Wave-Punkband The Epoxies mich nie so richtig überzeugen konnten. Die Band klang mir immer zu uninspiriert, belanglos und abgeschmackt. Zudem fand ich auch den Gesang der Sängerin Roxy Epoxy nicht so prickelnd. An diesem Eindruck kann auch das erste Soloalbum von Roxy Epoxy nicht viel ändern. Die Frau macht mit neuer Band genau dort weiter, wo sie mit den Epoxies aufgehört hatte. Auf "Band-Aids On Bullet Holes" klingt Roxy Epoxy zwar noch stärker nach New Wave und weniger nach Punk als bei den Epoxies, dennoch plätschert das Album irgendwie dahin und es gibt leider zu wenig Highlights. Von denen ist der coolste jedoch das sehr dominante sowie ständig wabernde und pluckernde Synthie-Grollen. Da die Epoxies ja eine Menge Fans hatten, wird wohl auch das Roxy Epoxy Album an richtigen der Adresse zu überzeugen wissen.


The Setting Son
Spring Of Hate
Bad Afro Records
Die skandinavische Band The Setting Son spielt glasklaren 60's-Psychedelic-Rock und passt wie die Faust aufs Auge zu Bad Afro Records, das Label, dass in den letzten Jahren sein Programm weg vom Schweinerock hin in Richtung Psychedelic führte. Labelbands wie On Trial, Dragontears oder die wunderbaren Baby Woodrose sprechen in dieser Hinsicht eine ganz deutliche (Formen-)Sprache. Baby Woodrose-Leader Lorenzo Woodrose hatte übrigens bei der Aufnahme von The Setting Sons Debüt-Album seine Finger an den Reglern. "Spring Of Hate", was für ein grandioser (Hippie-)Albumtitel, ist somit nicht ganz so experimentell wie die Dragontears geworden, es gibt keine ausufernden Stücke, dennoch klingt das alles sehr Hasch geschwängert. Die alte Canterbury-Szene oder die legendären Bevis Frond lassen grüßen. Doch, doch, mit "Spring Of Hate" ist endlich das passende Album zum Windows Medai Player erschienen. Kaum eine Musik passt besser zu den bunten und psychedelischen Visualisierungen des Players wie die der Setting Sons. Am besten kommen dabei übrigens die Visualisierungen "Verrückte Kreise" oder "Sternregen".


Sonic Beat Explosion
Sonic Beat Explosion
No Solution Records/Cargo
Mit der John Spencers Blues Explosion oder gar mit Sonic Youth haben Sonic Beat Explosion wirklich nichts zu tun, da schon eher mit den Sonics oder der Royal Beat Conspiracy. Bevor hier jetzt noch weitere Verwirrung gestiftet wird, lässt sich einfach sagen, dass die Sonic Beat Explosion einen astreinen 70's Rock mit viel Punk und Garage spielen. Das ganze erinnert dann an die Hellacopters oder die Cellophane Suckers. Doch, doch, die Beat Explosion aus Thüringen hat mit dem selbstbetitelten Album ein astreines Debüt abgelegt.


Strung Out
Prototypes And Painkillers
Fat Wreck/SPV
Strung Out, eine der dienstältesten Fat Wreck Bands, feiern dieses Jahr ihr 17jähriges Bestehen. Da man in dieser Zeit natürlich eine Menge Songs schreiben kann, die nur in geringer Stückzahl veröffentlicht wurden oder auch gar nicht oder vielleicht nur auf Samplern, kommt nun mit "Prototypes And Painkillers" eine Zusammenstellung rarer und bisher unveröffentlichter Stücke auf den Markt. Und man muss schon sagen, wow, im Großen und Ganzen spiegeln die 25 Songs genau den Strung Out Sound wider, so wie ich ihn gerne mag. Zu einer Zeit, als Strung Out noch mehr Hardcore und Punk waren und noch nicht dem Metal verfallen waren wie auf ihrem letzten Album "Blackhawks Over Los Angeles". Nein, Amicore, Skatecore und Melodic-Core geben sich hier die Klinke in die Hand. Melodien und Harmonien dominieren hier noch das Bild, nicht so sehr das Geknüppel und Geballer, was nicht heißt, dass die 25 Songs auf "Prototypes And Painkillers" nicht knallen würden. Im Gegenteil, das Album geht verdammt nach vorne los und auch wenn es hier Songs aus insgesamt 17 Jahren Bandgeschichte gibt, klingt "Prototypes And Painkillers" wie aus einem Guss.


The Thermals
Now We Can See
Killrockstars/Cargo
Endlich wieder ein neues Album der famosen Thermals aus Portland/Oregon, liegt doch die Veröffentlichung des letzten Albums "The Body, The Blood, The Machine" ganze drei Jahre zurück. Und die grandiose "Fucking A" Platte ist auch schon satte fünf Jahre alt - wie die Zeit vergeht.
Als erstes fällt natürlich auf, dass die Band ihre neues Album nicht wie gewohnt beim legendären Label Sub Pop veröffentlichen, sondern beim ebenso coolen Label Killrockstars. Auch wenn sich auf "Now We Can See" der typisch schrammelige und scheppernde Thermals-Sound befindet, scheint es doch kleine - in Nuancen - Veränderungen zu geben. Es fällt auf, dass es mehr Midtempo-Nummern gibt und weniger flotte Punkrock-Kracher. Also mehr Indie und College-Rock, was der Band aber ganz gut steht. Das erinnert dann teilweise an die guten, alten Breeders. Und selbst vor Balladen wird kein Halt gemacht. Inhaltlich scheint die Band aber angepisster denn je zu sein; Songs wie "When I Died" oder "We Were Sick" spielen da in einer recht wütenden Liga der Marke alte Seattle Bands wie Greenriver oder Mudhoney. Auf jeden Fall haben die Thermals auf "Now We Can See" wieder eine Menge krachende Ohrwürmer am Start. Starke Platte!


The Von Bondies
Love, Hate And Then There's You
Fierce Panda/Cargo
Die Von Bondies kamen, wenn ich mich nicht irre, vor etwa fünf Jahren oder so raus, zusammen mit Bands wie Bloc Party, Maximo Park oder Mando Diao und hätten eigentlich auch das Zeug gehabt, ebenso bekannt wie ihre Kollegen zu werden. Leider hat man, besser gesagt: habe ich von den Von Bondies in den letzten Jahren nichts mehr gehört, umso überraschter war ich, als mir ihre neue Platte "Love, Hate And Then There's You" untergejubelt wurde. Und was muss man dazu noch sagen? Mich wundert es total, dass die Von Bondies nicht ebenfalls in den Indie-Clubs dieser Republik rauf und runter gedudelt werden, hat die Band doch schon wieder eine Hand voll Indie-Hits produziert, die irgendwo in der zur Zeit angesagten Schnittmenge aus New Wave, Disco-Punk und Garagerock liegen. Besonders der weiblich/männliche Doppelgesang macht die besondere Note auf "Love, Hate And Then There's You" aus und lässt die Von Bondies ein wenig wie B-52's oder The Zutons klingen. Astrein!


ZU
Carboniferous
Ipecac/Soulfood
ZU kommen aus Italien und spielen Progrock - da könnte man meinen, dass die Band in der Tradition alter 70er Jahre Italo-Prog-Bands steht, aber dem ist nicht so. ZU spielen eine ganz frische und moderne Progrock Version, mixen da auch mal Industrialsounds mit rein, machen auch vor Metal oder Free Jazz keinen Halt und präsentieren in ihrem ersten Song "Ostia" einen selbstgespielten Techno, der so was von grandios ist, dass alle DJ's dieser Welt einpacken sollten. Kein Wunder, dass Mike Patton auf diese Band aufmerksam geworden ist, sie mittlerweile auf sein Ipecac Label geholt hat und bei einigen Songs auch mitsingt und mitspielt. Und auch King Buzzo von den Melvins