Bambix Bleeding In A Box
Go Kart Records/PIAS
Ich bin ja nie ein großer Bambix-Fan gewesen und werde es auch nach dem Erscheinen von "Bleeding In A Box" nicht werden. Natürlich weiß ich um die Reputation der niederländischen Band in der so genannten Szene und um deren Live-Energie, die ich ja auch das ein oder andere Mal im Aachener AZ erleben durfte. Bambix live und in Farbe ist immer wieder ein Erlebnis, aber auf Platte kann das Trio bei mir nicht richtig punkten.
Das liegt sicherlich zum einen an der für Punkrock-Verhältnisse zu glatten Produktion und zum anderen auch am recht uninspirierten Songwriting. Weiterhin kann auch die knödelige Stimme von Sängerin Wick schnell nerven. Ja, ja, ich weiß, andere finden diese Stimme grandios - da kann man wohl nichts machen. Wie auch immer, "Bleeding In A Box" wird sicherlich mit seinem knallenden Melodic-Core wieder einige Fans finden. Ist ja auch gut so - nur mit mir muss man hier nicht rechnen.
The Black Halos We Are Not Alone
People Like You Records
Schon seit einigen Jahren gehören die Black Halos in die Spitzengruppe der 77er- und Glampunk-Bands. Die Gruppe aus Vancouver haut auf ihrem neuen von Jack Endino produzierten Album "We Are Not Alone" einen hymnischen und dreckigen Punksound raus, der an Größen wie die US Bombs, Social Distortion, Turbonegro oder gar die New York Dolls erinnert. Dabei ist das Gros der Songs im Midtempo-Bereich angesiedelt. Rotziger Gesang, Mitgröhl-Refrains und ausschweifende Gitarrensoli erledigen den Rest, um aus "We Are Not Alone" ein mehr als solides Album zu machen.
Brian Jonestown Massacre My Bloody Underground
'a'Records/Cargo
Was für Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band gilt (siehe weiter unten), würde auch sicherlich auf The Brian Jonestown Massacre zutreffen: Diese amerikanisch/isländische Band wäre auch auf dem legendären Indie-Noise-Label Shimmy Disc wunderbar aufgehoben, vielleicht noch etwas schräger und hippiesker, als die Tra-La-La Band. Da wird auch gerne mal auf Bongos rum gehauen.
Dennoch handelt es sich bei "My Bloody Underground" um ein astreines Stück Psychedelic Rock, dass mal experimentell, mal melodisch klingt und gerade eben aus der Garage geschoben wurde. Und dass hier Mark Gardener von Ride mitspielt, passt auch wie angegossen. Dazu noch solch sagenhafte Songtitel wie "Bring Me The Head Of Paul McCartney On Heather Mill's Wooden Peg", "Who Fucking Pissed In My Well" oder "Just Like Kicking Jesus" und fertig ist ein völlig durchgedrehtes Album.
Bush Tetras Very Very Happy
Roir Records
Die Bush Tetras kommen aus New York, haben Ende der 70er sowie Anfang der 80er ihren musikalischen Höhepunkt gehabt und Hugo Burnham von Gang Of Four schwärmt von ihnen in den Liner Notes zum Album "Very Very Happy". Bei diesen Eckdaten sollte einem schnell klar werden, was es mit der Musik der Bush Tetras auf sich hat. Da gibt es No Wave, Post-Punk und schrägen Funk, wie es ihn seinerzeit zigfach in New York gab und wie er heute viele zeitgenössische Bands wie die Yeah Yeah Yeahs oder The Kills inspiriert. Auf "Very Very Happy" befinden sich zahlreiche alte Songs, sechs Neueinspielungen und drei PC-Videos, die sich lohnen, mal angetestet zu werden.
Deadline We're Taking Over!
People Like You Records
Ich tue mich ja immer schwer mit Punk-Bands, deren Sängerinnen singen können oder wenigstens so tun, als ob. Das passt in den seltensten Fällen zusammen. Vor allem, wenn man dann solch einen harten und aggressiven Street-Punk spielt, wie es Deadline machen. Da braucht die dazugehörige Stimme mehr Rotz und Dreck, doch Liz Roses Stimme klingt irgendwie zu sauber, ja schon fast lieblich und zart.
Auf "We're Taking Over!" gibt es neben einem ganzen Haufen Live-Songs vier neue Studiosongs, die Deadline-untypisch nach New Wave, Reggae und sogar Pop klingen. Das hat mich positiv überrascht, denn ich dachte, dass die Band aus England nur knüppeln könne. Klingt gut nach einer Promenadenmischung aus Blondie, Dover und Vice Squad. Und so passt ja auch die Stimme wieder besser zur Musik.
Good Riddance Remain In Memory - The Final Show
Fat Wreck Chords/SPV
Good Riddance war eine der wenigen Bands, die immer sehr stark nach altem American Hardcore klang. Schon lange bevor dieser Sound, wie in den letzten paar Jahren, gehypet wurde. Der aufmerksame Leser wird sich jetzt vielleicht fragen, weshalb Good Riddance eine dieser Bands gewesen ist und nicht mehr ist. Tja, das liegt daran, dass sich die kalifornische Band aufgelöst hat und vor fast genau einem Jahr ihre letzte Live-Show spielte. Diese fand in Santa Cruz statt und wurde nebenbei per Record-Taste für die Ewigkeit festgehalten. Und genau jener Livemitschnitt befindet sich auf dem Album " Remain In Memory - The Final Show". Insgesamt 31 Lieder, darunter so Hits wie "Pisces/Almost Home" oder "Mother Superior", in sehr guter Soundqualität dokumentieren eindrucksvoll, dass der Punkrockszene mit dem Verlust von Good Riddance eine kleine, aber umso tiefere Wunde zugefügt wird.
Keegan Looking Out For No. 1
Rookie Records/Cargo
Auch auf die Gefahr hin, dass zahlreiche Rezensenten auf den Namensvetter der Band Keegan, also dem Kevin, hinweisen, habe ich das hiermit ebenfalls getan. Eigentlich kommt man ja auch kaum drumherum, denn Keegan klingen nämlich so was von britisch, dass man ihnen ihre Herkunft - Köln - kaum abnehmen möchte. Und das, obwohl man Kevin Keegans trickreichen und eleganten Fußballstil nicht gerade als urbritisch bezeichnen könnte. Egal.
Auf "Looking Out For No. 1", Keegans Debüt-Album, präsentiert uns das Quartett eine mitreißende und schön melodische Mischung aus Powerpop und britischer Indie-Musik, die auch gerne mal als Britpop bezeichnet wird. Auch wenn es zahllose schreckliche Britpop-Bands gibt, die Jungs von Keegan gehören zu den guten. Das erinnert dann eher an Bands wie The Robocop Kraus, wegen des Sängers und des Grooves, sowie an Pale, aufgrund der poppigen Melodien und des erstklassigen Songwritings. Very good!
Joe Lally Nothing Is Underrated
Dischord Records
Da bringt der gute Joe Lally, seines Zeichens Bassist der legendären Postcore-Institution Fugazi, mit "Nothing Is Underrated" ein beachtliches Soloalbum heraus und wenn man ganz genau hinhört, fällt einem auch die musikalische Verbindung zu eben jener Band auf. Schließlich spielen neben Herrn Lally auch noch Guy Picciotto und Ian MacKaye bei dem einen oder anderen Song mit. Außerdem ist Joe Lallys grollendes und akzentuiertes Bassspiel zu markant, dass man hier nicht den Fugazi-Bass erkennen könnte.
Tja, sicherlich sind die Songs im Großen und Ganzen viel ruhiger, gediegener und getragener, das Schlagzeug klingt scheppernd und insgesamt bekommen die einzelnen Instrumente mehr Spielraum zur Entfaltung, doch weht hier dennoch ein Hauch von Dischord. Das klingt dann teilweise nach The Evens, Ian MacKayes Nebenprojekt, nur das die Instrumentierung hier nicht so spartanisch klingt. Und würde man die Regler und Verzerrer bei Songs wie "Day Is Born" oder "Tonight At Ten" hochfahren, dazu noch ein paar Powerchords auspacken, könnte es sich hierbei auch um erstklassige Fugazi-Hits handeln. Schöne Platte.
Less Than Jake Losers, Kings And Things We Don't Understand Pezcore Goodbye Blue And White The People's History Of Less Than Jake
Cooking Vinyl/Indigo
Less Than Jake gehören zusammen mit den Mighty Mighty Bosstones, Voodoo Glow Skulls, Mad Caddies und Out Of Order zur amerikanischen Dreifaltigkeit des Skapunks. Oh je, bei solch komplizierten Namen kann man ja auch mal den Überblick verlieren.
Nun, Less Than Jake gibt es mittlerweile auch schon seit 16 Jahren und da hat sich Cooking Vinyl bereit erklärt, deren alte Alben nochmals zu veröffentlichen. Da gibt es die erste Platte "Losers, Kings And Things We Don't Understand" sowie die beiden frühen Alben "Pezcore" und "Goodbye Blue And White". Und auf allen drei Alben gibt es einen Mix aus Amipunk und Ska - so mit Trompeten, Offbeat und diesem ganzen Schnickschnack. Dazu enthalten die Alben noch jeweils eine Bonus-DVD. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt es mit "The People's History Of Less Than Jake" eine reguläre DVD. Wer soll denn das alles gucken?
Mintzkov 360°
Haldern Pop Recordings/Cargo
Das Haldern Pop Label ist ja immer wieder für eine Indie-Rock Überraschung gut. Ob es nun Under Byen aus Dänemark waren, oder Das Pop aus Belgien. Nun ist es die Band Mintzkov, die ebenfalls aus Belgien kommt und ebenfalls richtig guten Indie-Rock spielt. Die Musik auf "360°" erinnert einen öfters an Bands wie die Pixies oder Pavement, obwohl die Mintzkovs nicht ganz so schräg sind. Da gibt es dann zwar recht monotone Rhythmen - die werden aber vom Songwriting und dem Gitarrenspiel sehr gut genutzt. Weniger ist dann manchmal auch einfach mehr.
Bob Mould District Line
Beggars Banquet/Indigo
Der große und mittlerweile etwas schüttere Bob Mould, der mit seinen früheren Bands Hüsker Dü und Sugar zahlreiche Independent-Hits schrieb, ist endlich wieder mit einem grandiosen Solo-Album zurück. "District Line" knüpft nahtlos an Moulds erfolgreiche Vergangenheit an - da vor allem an die eher seichten Warehouse-Zeiten von Hüsker Dü und natürlich an die fantastischen Melodien Sugars. Schon der Opener "Stupid One" hat die Klasse eines Sugar-Hits wie "If I Can't Change Your Mind". Und in diesem Stile geht es dann weiter. Mit von der Partie ist wiederum Fugazi-Schlagzeuger Brendan Canty, der ja auch schon auf der letzten Bob Mould Tour dabei war. Auch wenn "District Line" ein hervorragendes Alternativerock-Album ist, kann Bob Mould dieses Mal seine elektronischen Spielereien ebenfalls nicht so ganz lassen. Bei "Old Highs New Lows" gibt es noch ganz dezente Elektro-Klänge, um dann bei "Shelter Me" in eine wahre Vocoder-Orgie umzuschlagen. Aber ein hervorragender Indie-Song wie "The Silence Between Us" entschädigt dann wieder für derartige Ausfälle.
No Use For A Name The Feel Good Record Of The Year
Fat Wreck Chords/ SPV
Auch wenn sich die Jungs von No Use For Name sich immer eher für eine poppige Variante des Ami-Punks verantwortlich zeichneten, konnte man ihnen dennoch nie böse sein. Zu gut war ihr Gespür für astreines Songwriting und eingängige Hits. Auch dieser Hauch Melancholie, der ja für kalifornische Melodic-Core Bands eher untypisch ist, verlieh dem Sound der Band eine ganz besondere und persönliche Note. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Band seit knapp 15 Jahren zu den Sperrspitzen des Ami-Punks gehört, erinnert euch nur an dieses grandiose Album namens "Leche Con Carne". Auch 2008 machen No Use For A Name und veröffentlichen mit "The Feel Good Record Of The Year" ein weiteres fantastisches Album, dass irgendwo zwischen Pop und Punk, Melancholie und Wut, Melodie und Krach eingeordnet werden darf. Sehr schön!
Operator Please Yes Yes Vindictive
Brille Records/PIAS
Drei kleine dicke Mädchen und zwei Lausbuben machen zusammen Musik und dabei kommt dann so ein Lied wie "Just A Song About Ping Pong" heraus, welcher in England und Australien ein kleiner Indie-Hit gewesen sein soll. Und ja, der Song hat was, so wie das ganze Album "Yes Yes Vindictive". Indie-Pop, Post-Punk, Disco-Punk und New Wave werden hier von jungen und unverbrauchten Australiern gekonnt durchgerüttelt.
The Presidents Of The United States Of America These Are Good Times People
Cooking Vinyl/Indigo
Erinnert ihr euch noch an die Presidents Of The United States Of America, die Mitte der 90er mit "Lump", "Peaches" und "Dune Buggy" ziemlich coole Indiedisco-Hits aufweisen konnten? Auch wenn die Presidents heute immer noch verdammt nach 90er Jahre klingen, so wie eine schräge Version von Weezer oder eine etwas harmlosere Ausgabe von Jane's Addiction, hat der Sound auf ihrem neuen Album "These Are Good Times People" eine absolute Daseinsberechtigung - denn nicht alles in den 90ern war auch immer schlecht. Der Mix aus Power-Pop, College-Rock und Crossover sowie der recht subtile Humor der Band funktioniert auch heute noch hervorragend.
Die Radierer Der Andalusische Bär
ZickZack/Indigo
Post-Punk, No Wave, Electronic, Neue Welle oder Art-Punk - das alles sind Die Radierer und lassen sich dann doch in keine dieser Schubladen einzeln reinstecken. Und vergleichen lässt sich der Sound dieser Band auch kaum, obwohl einem dann schon mal DAF, F.S.K., Devo, B-52's, Abwärts oder Östro 430 beim Hören der Radierer einfallen. Wen wundert's, hat die Band aus Limburg doch schon 1980 ihr erstes Album veröffentlicht. 1984 war dann erstmal Schluss mit dem Quatsch, sodass "Der Andalusische Bär" so etwas wie Comeback-Album wäre - und zwar ein richtig Gutes. Songtitel wie "Sterben wie Donald Duck", "Pommesbudenmädchen" oder "Der schnellste Leichenwagen" zeugen vom subtilen Humor der Band. Und musikalisch sind die Radierer auch ganz weit vorn.
Scott Reynolds & The Steaming Beast Adventure Boy
Boss Tuneage/Cargo
Nachdem Scott Reynolds zwei Jahrzehnte lang als Sänger solch großartiger Bands wie The Pavers, Goodbye Harry, Bonesaw Romance und vor allem All aus der bunten Indie- und Pop-Punk-Welt kaum noch wegzudenken wäre, ist es doch langsam mal an der Zeit, dass sein neues Bandprojekt auch seinen eigenen Namen im Titel trägt. Andere Punkrock-Sänger fangen meistens viel früher an unter ihrem Namen, Soloprojekte zu starten.
Scott Reynolds & The Steaming Beasts ist mehr als nur ein kleines Soloprojekt mit alten Kumpeln, spielen hier neben Weggefährten von den Pavers und Bonesaw Romance namhafte Indie-Rocker von Bands wie Mercury Rev, Flaming Lips und Drag The River mit. Und genau so vielfältig wie die Liste der Gastmusiker ist, klingt auch das Album "Adventure Boy", welches sehr verspielt und leicht experimentell zwischen Genres wie Indie-Rock, Pop-Punk, Country, Singer/Songwriter und Pseudo-Jazz hin und her pendelt. Zusammengehalten wird das alles von Scott Reynolds' charismatischer und rauer Stimme, die diesem vielseitigen Album die nötige Kohärenz verleiht. Der Mann macht anscheinend nie etwas falsch.
Rocket From The Crypt R.I.P.
Vagrant/PIAS/Rough Trade
Rocket From The Crypt gehören zu den von mir zu Unrecht unterschätzten Bands, habe ich die Gruppe doch schon seit Mitte der 90er Jahre wahrgenommen, bin aber nie ein richtiger Super-Fan gewesen. "Warum eigentlich nicht?", frage ich mich beim wiederholten Hören des Live-Albums "R.I.P.", das die letzte Show der Band im Oktober 2005 dokumentiert. Wie viele Hits Rocket From The Crypt mit ihrem Sound aus Punkrock, Rock'n'Roll, Soul, Garage und Blues geschrieben haben, da würde schon die reine Aufzählung dieser Songs den Rahmen sprengen. Doch Gassenhauer wie "Middle", "Velvet Touch", "Born In 69", "Come See, Come Saw" oder "Used" wurden für die Ewigkeit geschrieben. Grandioses Live-Album einer ebenso grandiosen Live-Band. Als Bonus gibt es noch eine Live-DVD.
Sewer Rats Rat Attack
Bitzcore/Indigo
Wenn auf dem Waschzettel zur neuen Sewer Rats Platte schon mit Nachdruck darauf hingewiesen wird, dass es sich bei deren Musik nicht um Rockabilly, sondern um Punkrock handelt, sollte man sich ja schon langsam mal entscheiden, was man darstellen möchte. Die Rhythmussektion der Severratten hört sich nun mal stark wie Rockabilly nach Zahlen an, da führt kein Weg dran vorbei. Dennoch haben die drei Kölner auch in Sachen Streetpunk und Punk'n'Roll einiges zu bieten. Vielleicht ist ja gerade dese Mischung aus Punk und Rockabilly sowie das Bedienen sämtlicher Punkrock-Klischees das, was "Rat Attack" zu einem richtig netten Album macht.
Steve E Nix & The Cute Lepers Can't Stand Modern Music
Damaged Goods Records
Selten wurde ein Punkrock-Album in den letzten Jahren mit solch hohen Erwartungen bedacht, wie die neue Platte von Steve E Nix, der vorher über fünf Jahre fast ununterbrochen mit den Briefs irgendwie immer Punkrock machte. Nun gibt es "Can't Stand Modern Music" von Steve E Nix & The Cute Lepers endlich. Und wie der Titel schon andeutet, widmen sich die Cute Lepers dem schönen alten Oldschool-Punk - irgendwie melodischer, poppiger und abwechslungsreicher als der Sound der Briefs, die ja irgendwie immer eine Hardcore-Version des 77er Punk gewesen sind. Auch Power Pop und Wave-Punk machen sich hier breit.
Neben Steve E Nix, zahlreichen Background-Sängerinnen und weiteren Musikern, sollte man vor allem noch erwähnen, dass am Schlagzeug der Trommler der göttlichen The Spits sitzt. So macht sich dann auch im Song "The Day After The End Of The World" der Spits-Einfluss bemerkbar. Doch, doch, die Cute Lepers können all die hohen Erwartungen erfüllen und stecken sogar die Briefs in die Tasche.
Supernichts Fixpunkte & Bojen
Impact/Broken Silence
Da wo es den alten Funpunk-Helden wie die Frohlix, Walter 11 oder die Mimmis an Ironie und Bissigkeit fehlte, dockten Mitte der 90er Bands wie Knochenfabrik oder Supernichts an. Letztere hat nun mit "Fixpunkte & Bojen" ein weiteres spaßiges Album veröffentlicht - und das, obwohl sich das Haupthaar der vier Kölner auch immer weiter lichtet. Sie selbst verorten ihre Musik "irgendwo zwischen Black Flag und Bläck Fööss", ich behaupte ja, sie liegt zudem irgendwo zwischen Weezer und dem Wendler, haha. Allein schon derartige Songtitel wie "Aggro Ehrenfeld", "Generation Pissflitsche" oder "Ich will nicht so enden wie die ganzen Ramones" deuten an, dass es sich hierbei um ein richtig krankes Fun Punk-Album handelt.
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band 13 Blues For Thirteen Moons
Constellation/Alive
Wäre "13 Blues For Thirteen Moons" vor etwa 15 bis 20 Jahren entstanden, die Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band wäre womöglich beim legendären Indie-Noise-Label Shimmy Disc gelandet. Denn so schräg, experimentell, krank und ausufernd Shimmy Disc-Bands wie Bongwater, B.A.L.L., Shockabilly oder Jellyfish Kiss damals waren, ist es heute die Band mit diesem extrem langen Namen. Da gibt es zwei Gitarren, zwei Geigen, ein Cello, ein Kontrabass und ein Schlagzeug sowie jede Menge Kracheskapaden. Doch, "13 Blues For Thirteen Moons" weiß auf seine unkonventionelle und unangepasste Art zu gefallen. Dazu gibt es noch eine sehr schön aufgemachte Pappverpackung.
Tribute To Nothing Breathe How You Want To Breathe
Ass Card/Flight 13
Selten hat mich ja mal eine Vorband so dermaßen positiv überrascht wie Tribute To Nothing. Ich musste mal im Kölner Stollwerk ein Interview mit der Berliner Skate-Punk-Band ZSK führen, als auf jenem besagten Konzert, neben dem Headliner Donots und ZSK, eben Tribute To Nothing aus irgendwo in England spielten. Was war das für ein Aha-Erlebnis. Ich habe selten eine derart explosive und schweißtreibende Live-Show gesehen. Nach diesem Auftritt hätte man eigentlich nach Hause gehen müssen und die Donots einfach Donots und ZSK einfach ZSK sein lassen sollen.
Nun, Tribute To Nothing schaffen auf ihren Platten das fast Unmögliche und können hier einen großen Teil ihrer Live-Energie und Emotionalität konservieren. "Breathe How You Want To Breathe" ist ein mitreißendes und dynamisches Emo- und Post-Core-Album, dass an so große Bands wie Fugazi, Hot Water Music oder auch At The Drive-In erinnert. Da bekommt das oft gescholtene Wort "Emo" doch wieder eine ganz neue Bedeutung. Würde ein großer Teil der so genannten Emo-Bands klingen wie Tribute To Nothing, wäre aus diesem Begriff nie im Leben ein Schimpfwort geworden.
The Winchester Club Britannia Triumphant
Exile On Mainstream Records
In der Tradition großer Drone- und Spacerock Bands wie Mogwai, Godspeed You! Black Emperor, Isis oder Ostinato stehen The Winchester Club aus dem Vereinigten Königreich. Auch wenn deren neues Album "Britannia Triumphant" an der ein anderen Ecke etwas zu metallastig klingt, schaffen es die Damen und Herren große und berauschende Epen zu vertonen und kratzen dabei so gerade noch die Kurve vor der Abfahrt in Richtung Kitsch.