Konzerte




Jingo de Lunch

16.02.2011, München, Feierwerk
Etwa fünf Jahre nach der Reunion und dreieinhalb Jahre nach meinem letzten Besuch eines ihrer Konzerte, gingen Jingo de Lunch, die Helden meiner Teenagerzeit, endlich mal wieder auf Tournee und kamen doch prompt nach München vorbei. Und ja, das Konzert trug andere Vorzeichen als all die früheren Jingo Konzerte, die ich gesehen habe, denn die beiden alten Gitarristen Joseph Ehrensberger und der cool extrovertierte Tom Schwoll sind ja nicht mehr dabei und wurden erstklassig vom ebenfalls coolen Gary Schmalzl ersetzt. Und irgendwie ist Schmalzl dann doch mehr als ein Ersatz, denn nicht nur, dass er die Arbeit für zwei macht, nein, mit seiner lockeren, amüsanten und liebenswerten Art lockert er das ehemals harte und toughe Bandgefüge etwas auf. Besonders spannend anzusehen ist auch die herzliche Kommunikation und Interaktion zwischen Gary Schmalzl und der Sängerin Yvonne Ducksworth. Doch, da haben sich zwei auf der Bühne gefunden… einfach nur schön!
Es ist schon bemerkenswert, dass Jingo bei der Suche nach einem neuen Gitarristen sich nicht verjüngt haben wie das ja sonst eher der Fall ist. Nein, mit Gary Schmalzl tritt ja sogar eine Bandveralterung ein, die aber mehr als in Ordnung geht, denn, wie schon angedeutet, Gary Schmalzl ist ein absolutes Unikat und ein Meister seines Faches. Da verzeiht man ihm sogar gerne den etwas theatralischen Kniefall. Äußerlich sind die Jingos dann wohl etwas gediegener und gesetzter geworden, tragen nun schwarze Hemden und weiße Slipper, sind in Sachen Rasterlocken aber immer noch ganz weit vorne. Denn da hat das Publikum im Vergleich zu den 80ern und 90ern erheblich nachgelassen, sodass das Rasterverhältnis von Band und Publikum mit zwei zu eins locker auf Seiten der Band lag.
Ach ja, Musik gab es ja auch - und die war wohl wie zu erwarten großartig gut. Nach der Vorband mit dem fantastischen Namen AD/AC Motörwelt ging es bei Jingo direkt los wie auf der neuen Platte "Land Of The Free-ks". Der Titelsong markierte den Opener und danach kam dann auch direkt mein neuer Lieblingssong "Room 101". Klar wurden zahlreiche Songs des neuen Albums wie "Move", "Metherfor" oder "Messfacer", bei dem es zu einer kleinen Rage Against The Machine und Black Sabbath Einlage kam, gespielt und vor "Miss Demeanor" gab es noch eine kleine Ansprache von Yvonne über ihr großes Hobby Roller Derby, wobei sich Gary Schmalzl den kleinen Scherz nicht verkneifen konnte, dass Roller Derby wohl nie Massensport werden würde, wenn die Roller Girls nicht etwas offenherziger gekleidet wären.
Das Münchener Publikum, dass anfänglich etwas verschnarcht wirkte, wachte mit jedem Song etwas auf. Vor allem bei Klassikern wie "Cursed Earth", "Jingo", "Different World" oder "Peace Of Mind". Dann, nach mehreren Zugaben mit zum Beispiel "Did You Ever" und dem Slime Cover "Etikette tötet", war leider Gottes ein großartiger Konzertabend mit viel Schweiß und schmerzenden Knien vorbei. Ich hoffe ja, dass ich noch zahlreiche Jingo-Konzerte in Zukunft sehen werde…


Firewater

19.10.2009, München, 59 to 1
Tod Ashley und seine Jungs und Mädel von Firewater habenm endlich mal wieder der Arsch hoch bekommen, ein neues Album eingespielt und endlich wieder Konzerte in Deutschland gegeben. Obwohl der Ausdruck "gegeben" der Realität nicht ganz entspricht. Firewater haben, zumindest in München, ihr Konzert zelebriert und saumäßig abgefeiert. War das grandios….
Der 59 to 1 Club war zwar leider nur zu etwa 2/3 gefüllt, aber dennoch feierten alle Beteiligten diesen denkwürdigen Abend. Den Anfang machte der tanzende und trommelnde Derwisch mit seiner orientalischen Umhängetrommel. Normalerweise kannst du mich ja mit Ethno-Sounds jagen, aber der Typ mit dem schwarzen Nylonstrumpf auf dem Kopf war mit seinen Trommeln und Percussions mehr Punk, als die meisten langweilenden und stinkenden Irokesentypen.
Dann kam der Rest der Band: ein verdammt fitter und überzeugender Schlagzeuger, eine bezaubernde und mitreißende Posaunistin, ein verdammt tighter Bassist, ein richtig cooler Gitarrist und last but not least der zwar in die Jahre gekommene, aber immer noch das Publikum einnehmende Tod A. Ich habe selten eine so auf den Punkt genau agierende Band gesehen, die aber dennoch einen spielerischen und improvisierenden Charakter besitzt. Allein die beiden Rhythmustypen, die haben so verdammt gut zusammen agiert und harmoniert, als ob es sich um zwei getrennte siamesische Zwillinge handeln würde. Gratulation an Tod A, dass er die beiden Wahnsinnstypen für seine Band aufgetrieben hat.
Gespielt wurden hauptsächlich neuere Songs: die des letzten Albums "Golden Hour" und wahrscheinlich auch ganz neues Zeug. Man hörte also mehr Balkan-Beats-Punk, als den alten düsteren Cop Shoot Cop Indie-Sound. Auch wenn man nur, so wie ich, die ersten Alben "Psychopharmacologie" oder "The Man With The Burning Tight Rope" kennt, haben einen auch die unbekannten Songs mitgerissen. Es gab eh nur einen alten Song und das war "Get Out Of My Head". Das Publikum, das anfänglich noch ein wenig verhalten reagierte, kam in der zweiten Hälfte des Gigs aus sich heraus und rastete am Ende total aus. Bis hinten zur Theke wurde getanzt und geschunkelt. Und auch die Band versprühte von Song zu Song mehr Lust und spielte noch zahlreiche Zugaben. Man hatte den Eindruck, dass Firewater gar nicht mehr von der Bühne runter wollten. Super Konzert für alle Beteiligten; mehr davon.


Black Lips

14.08.2009, München, 59 to 1
Gut ein halbes Jahr später waren wieder die famosen Black Lips in der Stadt. Nachdem die vier schrägen Vögel schon beim letzten Mal einen sehr vollen 59 to 1 Club komplett zum Schwitzen gebracht haben, kam man wieder annähernd an die Leistung vom April ran - leider nur annähernd. Lag es vielleicht daran, dass die ersten Reihen vor der Bühne dieses Mal nicht nur von tobenden und kreischenden Mädels bevölkert wurden? Oder daran, dass die Black Lips nicht ganz diesen kaputten Charme vom letzten Mal hatten, bei dem zum Beispiel einer der Gitarristen einen Poncho samt Sombrero anhatte und die Jungs verdammt besoffen waren? Die Black Lips hinterließen dieses Mal gar einen recht aufgeräumten Eindruck. Vielleicht lag es auch am miesen Sound, der nie über einen diffusen Soundbrei hinauskam? Was ja nicht unbedingt der Band anzukreiden wäre. Oder lag es daran, dass ich dieses Mal nicht so betrunken gewesen bin.
Wie auch immer, die Black Lips spielten zwar ein richtig gutes und kurzweiliges Konzert, dennoch waren sie dieses Mal leider nicht diese grandiose Schau, wofür die Band ja landauf, landab bekannt ist. Dennoch waren die Black Lips wieder schön trashig und zelebrierten eine furiose 60ties-Garagepunk Show. Dabei wurden dann auch eher die flotteren und punkigen Nummern der früheren Alben wie "O Katrina!", "Bad Kids" oder "Cold Hands" gespielt. Aber auch Knaller wie "Short Fuse" oder "Drugs" vom letzten, eher psychedelisch wirkenden Album wurden nicht vernachlässigt. Das tanzende und schwitzende Publikum war sehr dankbar und am Ende wurde sogar noch der Bass demoliert.


The Pains Of Being Pure At Heart

03.06.2009, München, 59 to 1 Club
Im April zum Review zum neuen Pains Of Being Pure At Heart Album hatte ich noch gehofft, dass wenigstens eine Hand voll Leute zu deren Tour im Juni hingehen würden und hatte mich noch gefragt, weshalb meistens die doofen Bands das nächste große Ding werden. Tja, so schnell kann man sich auch mal irren, denn das Pains Of Being Pure At Heart Konzert in München war mehr als gut besucht. Für so eine junge und vorher kaum bekannte Band, die gerade mal ein paar Singles auf einem kleinen Indie-Label hatte, war das ziemlich grandios. Der 59 to 1 Club, der ja auch nicht gerade klein ist, war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Und dazu muss man sagen, dass sich die Band aus den USA zum ersten Mal auf Tour in Europa befand. Manchmal gibt es ja dann doch noch Gerechtigkeit auf dieser bösen, bösen, bösen Welt.
Besonders nett war der Umstand, dass die Pains Of Being Pure At Heart auf der Bühne mit zu den jüngsten Menschen im Club gehörten. Oh ja, die Halbglatzen- und melierte Haare-Fraktion war besonders groß. Es war wohl kaum jemand unter 30 im Saal, was die ganze Sache für mich noch etwas interessanter erschienen ließ. Der Sound der vier Jungs und der Keyboarderin aus New York lässt nun mal auch die 80er wieder aufleben. Da kamen bei den meisten wohl nostalgische Gefühle auf. Erinnerungen an eine Zeit, als Morrissey und Robert Smith noch jung und knackig aussahen, wurden hier wach. Da passten auch die dunklen Emo-Frisuren der Band wie die Faust aufs Auge. Im Gegensatz zu den Frisuren des Publikums, aber das ist ja eine ganz andere Geschichte.
The Pains Of Being Pure At Heart hatten richtig Spaß und waren sichtlich gerührt, vor dem großen und feiernden Publikum. Nur zu schade, dass die Band neben den Songs vom neuen Album und ein paar 7" Liedern, kein Material mehr hatten, so dass die Show relativ schnell wieder vorbei war. Das war aber das einzige Manko an diesem tollen Indie-Abend, dass sich wohl auch im Laufe der nächsten Zeit von alleine lösen sollte, denn die Pains Of Being Pure At Heart müssen uns unbedingt mit neuen Songs beglücken und, wenn's geht, mit einer neuen Tour in absehbarer Zeit.


A Camp

21.04.2009, München, Backstage
Nina Persson (Cardigans) war in der Stadt, um mit ihrer Zweitband A Camp den gut gefüllten Backstage-Club zu "rocken". Doch zuerst hat die Vorsehung den schnarchigen Kristofer Aström als Support auf die Bühne geschickt - geschenkt. A Camp kamen dann nach einer kurzen Pause auf die als Wohnzimmer mit Lampenschirmen, Häkeldeckchen und Anrichte dekorierte Bühne und direkt war allen klar, dass dies ein bezauberndes Konzert werden würde - und das lag nicht nur an Nina Perssons Hosenanzug. Die Band sah verdammt stylish aus und trank Toskana-Fraktions-mäßig Rotwein aus Schwenkern. Gespielt wurden so ziemlich alle Songs von der neuen Platte "Colonia" sowie einige ältere Lieder wie "I Can Buy You". Zwischendurch kam dann noch der Herr Aström auf die Bühne, um die zweite Gitarre zu spielen oder auch mal ein Duett mit Nina Persson zu singen und nach zahlreichen Zugaben war dann ein sehr schöner Abend leider zu Ende.


D.O.A.

18.04.2009, Diksmuide (Belgien), 4AD Club
30 Jahre D.O.A. - über zwei Wochen Tour quer durch Europa und Joey "Shithead" Keithley ist in seinem gesetzten Alter immer noch fitter als so mancher Jungspund. Auch wenn Shithead das einzig verbliebene Gründungsmitglied ist, schade, dass Randy Rampage, nach einer kurzen Reunion vor wenigen Jahren, nicht mehr dabei ist, kam in Diksmuide, nahe der belgischen Küste, doch ein richtiges Oldschool-Hardcorepunk-Feeling auf. Das lag natürlich an den ganzen alten Hits wie "World War 3", "General Strike", "Fuck You", "D.O.A.", "War" oder als grandiose Zugabe das legendäre "Disco Sucks" andererseits auch am ziemlich hohen Altersdurchschnitt des Publikums. Für viele war es wohl so etwas wie eine Reise in die Vergangenheit und am Ende kam sogar richtig Stimmung auf. Joey Keithley war verdammt bewegungsfreudig wie zu Jugendzeiten und vollführte des Öfteren einen sehr gewagten Stechschritt. Natürlich wurde auch noch das obligatorische Ramones-Cover (Gähn!) gespielt, das lässt sich auch ein Shithead nicht nehmen.


Joey Cape

08.04.2009, München, 59 to 1 Club
Aufmerksame Leser dieses Online-Fanzines haben schon längst mitbekommen, dass ich ein großer Joey Cape Fan bin. Ob nun als Sänger von Lagwagon, Bad Astronaut oder als Solist an der Klampfe, Joey Cape ist ein großartiger Songwriter, der mit seiner Musik die Leute berühren kann und sei es sogar in einer Skatecore Band wie Lagwagon, die sich ja in einem ansonsten banalen Genre aufhält. Wie habe ich mich gefreut, als Joey Cape mit seinem Soloprogramm auch in meiner Stadt vorbei kam. Natürlich hatte ich bedenken, dass so ein Klampfen- und Barhockerprogramm auch richtig in die Hose gehen könnte. So war ich beim betreten des 59 to 1 Clubs in München heilfroh, dass sich auf der Bühne zwar eine Akustikklampfe befand, aber kein Barhocker. Doch bis zum grandiosen Auftritt Joey Capes dauerte es dann doch noch eine halbe Ewigkeit, denn vorher hat der Veranstalter die Auftritte zweier weiterer Klampfenheinis vorgesehen: Chad Rex und den nerdigen Jon Snodgrass, der bei den ganz guten Drag The River um den ehemaligen ALL-Sänger Chad Price spielt. Dennoch langweilten die beiden mit ihrem 0815-Americana-Songwritersound ungemein.
Wenn man nicht gewusst hätte, dass gleich noch der Sänger von Lagwagon die Bühne betreten würde, hätte man fast denken können, dass sich bei dieser Veranstaltung um eine Art der Raum-Zeitverschiebung handeln würde: da stehen auf der einen Seite coole, trendige Hardcore-Kids mit "Sondaschule" und "Ignite" Shirts im Publikum und auf der Bühne zwei Klampfenhippies, die einen total drögen Sound spielen und denen die Kids noch nicht einmal einen müden Penny in den Hut geworfen hätten, würden die beiden, wie Millionen andere, ihre Songs auf der Straße spielen. Dennoch gab es Applaus - seltsame Veranstaltung.
Diese Akustik-Sache hatte dann aber doch einen Vorteil, denn es gab zum Glück keine lange Umbaupause. So kam dann endlich Joey Cape auf die Bühne, scherzte ein wenig herum und spielte Songs seiner neuen, fantastischen Soloplatte "Bridge". Die absoluten Schmankerl waren aber die akustischen Versionen diverser Lagwagon Hits wie "Angry Days" oder "Violins", dass ich leider nur vom Klo aus gehört habe - scheiß Timing. Doch, Joey Cape konnte mit seinen schaurig melancholischen Songs auf ganzer Linie überzeugen und sämtliche Kids sangen Zeile für Zeile lauthals mit. Am Ende kamen dann noch Jon Snodgrass und Chad Rex mit auf die Bühne und es wurde zu dritt geklampft, was das Zeug hielt. Als es in den Zugaben dann noch eine akustische Coverversion von NOFX's "Linoleum" gab, war das Publikum kaum noch zu halten. Toller Abend!


Mike Doughty

25.03.2009, München, Feierwerk
Normalerweise sind Konzerte, bei denen jemand auf einem Barhocker sitzend auf einer Klampfe herumspielt, eher langweilige Veranstaltungen - jedoch nicht bei Mike Doughty. Auch wenn der ehemalige Kopf der 90er Indie-Band Soul Coughing nur mit halbakustischer Gitarre und eben einem Barhocker bewaffnet auf der Bühne des Feierwerks saß, wusste der Mann wie man sein Publikum fast zwei Stunden lang vorzüglich unterhalten kann. Man muss aber dazu sagen, dass Mike Doughty von einem wortkargen - bis auf "ja" und "nein" war dem Mann nicht viel zu entlocken - aber dennoch recht unterhaltsamen Cellisten begleitet wurde.
Mike Doughty hatte ja erst kürzlich mit "Introduction" eine Art Best Of Album herausgebracht, auf dem sich zahlreiche Songs befinden, die er zusammen mit einer Band aufgenommen hatte, aber auch eine Hand voll akustische Klampfen-Lieder befinden. Diese sind zwar auch allesamt sehr gut, aber dennoch hoffte ich vor dem Konzert insgeheim, dass der Mann mit einer Band zusammen auf der Bühne stehen würde. Dass dem nicht so gewesen ist, war überhaupt nicht schlimm, denn in keiner einzigen Sekunde des Konzertes hat man eine Band vermisst. Im Gegenteil, mit Band wäre das Konzert vielleicht nicht so intensiv und kurzweilig geworden. Also, wie schafft es Mike Doughty nur mit seiner Klampfe und einem Cellisten zusammen eine fantastische Abendunterhaltung hinzulegen?
Das liegt natürlich erstens an den großartigen Songs und dem erstklassigen Songwriting. Lieder wie "Jennifers", die auf Platte mit einer Band arrangiert wurden, funktionieren auch akustisch hervorragend. Natürlich leben solche Songs auch von den vorzüglichen Texten und dem besonderen Humor Mike Doughtys. Da wären wir auch schon beim zweiten Punkt: Mike Doughty ist ein wahnsinnig humorvoller Zeitgenosse, der sein Publikum zwischen den Songs hervorragend unterhalten kann. Dabei ist er unheimlich witzig und authentisch. Mit seinem gebrochenen Deutsch und Running Gags wie "kostenlose Aufkleber", brachte er das Publikum schnell auf seine Seite. Der dritte Punkt wäre dann noch Mike Doughtys unglaubliche Bühnenpräsenz. Der Mann weiß mit seiner sympathischen Ausstrahlung, mit seinem tollen Gitarrenspiel und vor allem mit seiner eindringlichen, voluminösen sowie rauchigen Stimme auf ganzer Linie zu überzeugen. Wie auch immer, das Publikum war begeistert und wirklich jeder wird an diesen Abend mit viel Freude zurück denken. Mike Doughty ist eine absolute Ausnahmeerscheinung.


Earthbend

12.03.2009, München, 59 to 1
Wow, selten hat mich eine Band so positiv überrascht wie die Earthbend aus Finsterwalde. Irgendwie hatte ich die Band soundtechnisch so im Bereich Stonerrock meets Britpop in Erinnerung. Was das Trio aber auf der Bühne des 59 to 1 Clubs abzog, war einfach großartig. Natürlich bestand die Basis des Earthbend Sound irgendwie aus Stonerrock- und Indiepop-Fragmenten, dass die Jungs aber so progressiv, verspielt, versiert und verrückt an die Sache gehen, hätte ich vorher nicht erwartet. Das war Bombastrock mit Ideen und Spaß. Da gab es coole Breaks und Tempowechsel, einen Bassisten mit einer Doppelhalsigen Bassgitarre und einer Armada an Effekten, einen schrägen Gitarristen und einen waghalsigen Schlagzeuger, der in absoluter Topform gewesen sein muss. Die Earthbend rockte ziemlich lange, dafür aber kurzweilig das leider recht spärlich besuchte 59 to 1. Beim nächsten Mal sollte man sich die Band wirklich nicht entgehen lassen. Erstens hätte sie es verdient und man selbst bekommt einen wahnsinnigen Rockspaß geboten, der in Deutschland seines Gleichen sucht.


Botanica, The Jim-Jams

28.02.2009, Aachen, Musikbunker
Der Musikbunker in Aachen war an diesem Samstagabend gut gefüllt und alles deutete darauf hin, dass es ein fantastischer Abend werden sollte, hatte sich doch die hervorragende New Yorker Post-Rock Band Botanica angemeldet. Als Vorband fungierte die ebenfalls großartige Aachener Post-Rock-Band The Jim-Jams. Aber schnell stellte sich heraus, dass es zwar immer noch ein recht gutes Konzert werden sollte, aber leider nicht so fantastisch wie erwartet. Da habe ich beide Bands schon auf meilenweit besseren Konzertveranstaltungen gesehen. Das lag einerseits an der miesen Location, denn der Musikbunker ist nun wirklich kein guter Laden: das Bier, hier auch Plörre genannt, ist zu teuer, die Raumaufteilung mit der Säule vor der Bühne geht überhaupt nicht und der Sound war wie so oft unter aller Sau. Da hätte man ein paar Autoboxen hinstellen können und es wäre auch nicht viel schlimmer gewesen. Die Jim-Jams, die ich persönlich musikalisch wie auch menschlich sehr schätze, die Band sollte man sich auf jeden Fall merken oder mal auf Myspace antesten, hatten leider nicht ihren besten Tag erwischt. Zudem war das Musikbunkerpublikum leider etwas reserviert, so dass der Funke nicht so richtig rüber springen konnte. Dennoch sind die Jim-Jams mit ihrem Soundgemisch aus Indie, Tom Waits, PJ Harvey und Hardrock eine verdammt gute und einzigartige Band. Dass die außerhalb Aachens nicht bekannter sind, wundert mich eh schon seit einiger Zeit.
Nach einer kurzen Umbaupause kamen dann Botanica auf die Bühne. Das heißt Bandleader Paul Wallfisch und Gitarrist John Andrews als konstante Rumpfband und dazu ein neuer Schlagzeuger und ein neuer Bassist. Mit dabei war auch Gastgeigerin Anne de Wolff, die mit ihrem Gegeige und dem Backgroundgesang das i-Tüpfelchen gewesen ist. Botanica waren gewohnt souverän, sympathisch und einfach verdammt gut. Es wurden überwiegend Songs der letzten beiden, großartigen Alben "Berlin Hi-Fi" und "The Magnetic Waltz" gespielt, aber auch der ein oder andere alte Song vom "vs. The Truth Fish" Album kam hin und wieder zum Vorschein. Botanicas Sound aus Indie-Rock, Post-Rock, Kirmesmusik und osteuropäischer Folklore ist schon eine absolute Schau. Paul Wallfisch machte wie gewohnt andauernd Quatsch, kommunizierte mit dem Publikum, lief mit einem Megaphon durch den Raum, animierte das Publikum zum Rhythmus mitstampfen und klimperte auch mal auf seinem kleinen Spielzeugklavier herum. Nach zahlreichen Zugaben, kurz vorher ist das Publikum endlich mal aufgewacht, war dann ein, wenn man beide Bands schon anders und vor allem in anderen Locations gesehen hat, recht ernüchternder Abend zu Ende.


No Use For A Name, Only Crime

23.01.2009, München, Backstage
Die ollen Westcoast Punker von No Use For A Name und Russ Rankins (Good Riddance) Zweitband Only Crime zusammen auf einer Bühne - das versprach eine richtig gute Abendunterhaltung zu werden. Zudem war es für mich auch so etwas wie ein Nostalgiekonzert, habe ich No Use For Name das letzte Mal vor etwa 12 Jahren live gesehen - ob die Jungs immer noch rocken können?
Die Vorband lasse ich jetzt einfach mal weg. Darüber zu schreiben, wäre pure Zeitverschwendung, da man diese ja schon auf dem Konzert ertragen musste. Nach einer kurzen Umbaupause kamen dann Only Crime auf die Bühne, die mich mit ihrem an Black Flag erinnernden 80er Jahre Ami-Punk-Sound völlig überzeugten. Das war show- und soundtechnisch ganz weit vorne. Leider saß zwar der dicke Bill Stevenson nicht hinterm Schlagzeug, aber der Ersatzmann war ebenfalls sehr dynamisch und druckvoll. Russ Rankin und seine Jungs vollzogen eine fulminante Punkrock-Show, die sich sehen lassen konnte.
Als dann No Use For A Name die Bühne betraten, wurde es im Backstage richtig eng. Aber war das überhaupt die richtige Band? Waren das früher nicht so Sunnyboys mit Shorts, Baseballkappen und bunten Poloshirts? Jetzt standen da auf einmal so Punk'n'Roll-Typen mit Tätowierungen bis zur Halskrause, schwarzen Klamotten mit wilden Motiven auf den ärmellosen T-Shirts, Koteletten und Bärten. Und dieser etwas zu stark aufgeblasene Bassist sah auch eher wie ein Trucker aus als ein Skatepunker. Merkwürdig, so stark kann man sich dann im Alter doch verändern. Wie auch immer, nach dem ersten Song von der neuen Platte, die ich ja ausgesprochen gut finde, ging es dann in die Vollen und Songs des legendären "Leche Con Carne"-Albums und weitere alte Hits brachten die Pogo-Menge in Wallung. Stagediving war so gut wie nicht möglich, da man zwischen der Tanzfläche und der Bühne einen Festivalgraben errichtete und die Securitys höllisch aufpassten, dass da niemand hinkletterte. Nachdem No Use For A Name zahlreiche Hits der gesamten Bandgeschichte gespielt hatten, wurde dann noch "Johnny's Got A Problem" von der alten Skate-Punk-Legende DI gecovert und kurz darauf verabschiedete sich dann die Band, kam dann aber für einige Zugaben wieder auf die Bühne. Zusammen mit Russ Rankin am Mikro, dessen rauchige Stimme dafür prädestiniert war, wurde dann noch der alte The Pogues Klassiker "Fairytale Of New York" gecovert - ein gelungener Ausklang für einen tollen Abend.


Joe Lally

17.10.2008, München, Feierwerk
Joe Lally ist, für all diejenigen, die es noch nicht wissen, langjähriger Bassist der Indie-Hardcorepunk-Legende Fugazi aus Washington DC. Seit einigen Jahren macht Joe Lally, wie sein Weggefährte Ian MacKaye, nun Solomusik mit teilweise recht minimalistischer Instrumentierung und spartanischer Inszenierung. Aber gerade dieses erdige und ehrliche, macht Joe Lallys Musik so gut und einzigartig. Dennoch hört man, vor allem aufgrund des groovenden und rollenden Basses, eine dezente Verbindung zu Fugazi heraus, was ja im Grunde genommen nur positiv sein kann. Nun kam Joe Lally mit zwei weiteren Musikern am Schlagzeug und Gitarre endlich mal auf Tour nach Europa mit einem Freitagabend Gastspiel im Münchener Feierwerk. Die Vorband spare ich mir jetzt mal, das wäre sonst nur Zeitverschwendung, aber das Konzert von Joe Lally war herausragend. Ich befürchtete schon, dass der Herr Lally es sich nicht nehmen lassen würde, das eine oder andere Mal politische Predigten von der Kanzel, äh Bühne, abzulassen. Dem war zum Glück nicht so. Joe Lally ist eher ein ruhiger und zurückhaltender Vertreter seiner Zunft. Anscheinend lässt er lieber die Musik für sich sprechen, worin Joe Lally sehr gut ist. Wenn Lally am Ende des Sets von der Bühne kommt und inmitten des Publikums das aufrüttelnde Lied "Sons And Daughters" mit den unschlagbaren Textzeilen "The word is not a thing, we say war when we really mean rape and murder, word is not a thing we say war when we really mean making some money…" singt, kann man schon Gänsehaut bekommen. Doch, es war ein sehr tolles Konzert, sehr gediegen, teilweise experimentell, sphärisch und aufwühlend. Es ist immer wieder toll zu sehen, wie nur drei Leute mit spärlicher Instrumentierung, aber mit sehr guten Ideen, eine tolle Atmosphäre erzeugen können. Gespielt wurden so ziemlich alle Songs der beiden Alben "There To Here" und "Nothing Is Underrated" wie "Day Is Born", "Motora" oder das grandiose "Tonight At Ten". Die Band hatte sichtlich Spaß an diesem Abend und ließ sich auch nicht zweimal bitten, Zugaben zu spielen. Es war ein sehr beeindruckendes Konzert. Großartig.


The Night Marchers

14.10.2008, München, Atomic Cafe
Ha, der große Speedo, früher bei den göttlichen Rocket From The Crypt und Drive Like Jehu, hatte sich mit seiner neuen, tollen Combo The Night Marchers angekündigt. Und das in einem netten, stylischen Laden auf einer kleinen, niedrigen Bühne, sodass man dieser eigentlichen Indie-Rock'n'Roll Legende sehr nahe kommen konnte. Und so kam es dann auch. Doch vorerst musste man zwei Trash-Rock-Duos ertragen, wobei das erstere aufgrund des größeren Trash-Faktors doch etwas kurzweiliger war als die beiden Langweiler danach. Ich bin bestimmt kein konservativer Mensch und für sinnvolle Innovationen zu haben, aber Dinge, die sich über Jahrzehnte zu Recht bewährt haben, kann man nicht so einfach übern Haufen werfen. So hat sich eine Bassgitarre im Rock'n'Roll nicht umsonst durchgesetzt. Sie bildet zusammen mit dem Schlagzeug das Fundament, die Basis für diese Musik. Zudem kann sie ihr mehr Wucht, Dichte und Energie verleihen. Das sind alles unschlagbare Argumente - wenn man jetzt noch bedenkt, dass Bassisten in der Rockgeschichte meistens auch noch die größeren Chaoten und Asis waren als die coolen Gitarristen, wäre es doch schade, wenn diese Spezis aussterben würde. Also, frage ich mich, weshalb müssen da immer mehr Bands einen auf White Stripes machen, den Bassisten streichen und mit ihrem dünnen und faden Sound das Publikum langweilen. Bitte damit aufhören! Doch zurück zu den Night Marchers. Nachdem die ermüdenden Duos sich endlich verkrümelt hatten, kamen Speedo und seine Kollegen auf die Bühne und das Publikum im halbgefüllten Atomic Cafe bevölkerte sofort den Rand der selbigen. Nachdem Speedo das Publikum mit seiner unnachahmlichen, rauchigen Stimme begrüßt hatte, ja der Mann redet auch so wie er singt, ging sofort die volle Packung Garage-Punk los. Direkt an zweiter Stelle wurde dann der Hit "In Dead Sleep I Snore ZZZZ" gespielt und im Nu hatten die Night Marchers das Publikum auf ihrer Seite. Ab diesem Zeitpunkt wurde vorne vor der Bühne getanzt und geschunkelt und man konnte der Band ansehen, dass sie sichtlich Spaß an der ganzen Sache hatte. Danach wurde dann noch komplett die neue Platte "See You In Magic" runterzelebriert, inklusive der Hits "Whose Lady R U" und "I Wanna Deadbeat You" sowie einige weitere mir unbekannte Songs. Nachdem die Herren nun wirklich nichts mehr nachzulegen hatten, wurde dieses Konzert von zufrieden grinsenden Musikern beendet. Falls die Night Marchers mal in deiner Stadt spielen, heißt es unbedingt hinzugehen.


The Adicts

16.09.2008, München, Feierwerk
In Sachen Entertainment sind die Adicts ja wohl ganz weit vorne, da kann den alten Punkern aus Ipswich so schnell keiner was vor machen. Wie viele alte Punkbands gibt es, die einfach nur noch ihr Set runter spielen, um ein paar Kröten zu verdienen und man sieht ganz genau, dass die Jungs jetzt lieber ganz woanders wären? Nicht so bei den Adicts, denen sieht man die Lust und die Leidenschaft an. Zudem hat die Band, wie schon erwähnt, in Sachen Entertainment gut was drauf und macht richtig Spaß. Die Adicts waren an diesem Abend im Münchener Feierwerk in absoluter Spiellaune. Das Clockwork Orange Outfit der Musiker, sowie das Clowns/Joker-Kostüm von Sänger Keith „Monkey“ Warren sind ja allein schon eine Show. Wenn dann dabei noch mit Konfetti, Luftschlangen, Regenschirm und überdimensionalen Gummibällen, die ins Publikum geworfen wurden, gearbeitet wird, kann man eine Punkermeute im sehr gefüllten Feierwerk gut unterhalten. Dazu gab es zahlreiche Klassiker der über dreißigjährigen Bandkarriere wie „Tango“, „Calling Calling“, „Bad Girl“ oder „Numbers“. Ein Hit jagte den nächsten und als dann „Viva La Revolution“ gespielt wurde, kochte der Saal. Am Ende gab es dann noch das obligatorische „You'll Never Walk Alone“ und Münchens versammelte Punkerszene ging sichtlich zufrieden nach Hause. Beim nächsten Mal bin ich wieder dabei.


Dälek

27.08.2008, München, Feierwerk
Seit etwa 10 Jahren bin ich nicht mehr vorsätzlich auf ein HipHop Konzert gegangen. Auch die meisten Freunde und Bekannten haben die Welt kaum noch verstanden, als ich ihnen gestehen musste, dass ich auf ein solches Konzert gehen würde. Also, entweder ich bin total durchgeknallt oder bei Dälek handelt es sich um eine ganz besondere HipHop-Combo. In diesem Falle trifft eher letzteres zu. Ist es nicht so, dass es auch mal richtig gute und auch innovative HipHop-Bands gegeben hat, man braucht da nur an Public Enemy denken oder an NWA, Guru, Anarchist Academy, Fresh Family, Senser, Consolidated, Disposable Hereos of Hiphoprisy oder N-Factor. Die Liste ließe sich noch lange weiter führen. Zugegebenermaßen werden es zwar immer weniger richtig gute Combos, aber ein paar Rosinen gibt es dann doch noch. So wie das Duo Dälek aus New Jersey, welches nicht umsonst Platten auf Mike Pattons Ipecac Label veröffentlicht. Dälek schaffen es nämlich sehr gut, zwischen Rap, Industrial und experimenteller Musik hin und her zu switchen. Dabei kommt es auch schon mal vor, dass die Band eher von einem Rock-Klientel gehört wird als von HipHoppern mit schiefer Kappe und Baggypants. So auch an jenem Abend im Münchener Feierwerk. Hätte man nicht gewusst, dass man sich hier in erster Linie auf einem HipHop-Konzert befindet, hätte man vom Publikum her auch auf ein Hardcore- Doom-Rock-Konzert tippen können. Den Abend im Feierwerk eröffnete der Rap-Komödiant Misanthrop mit seinem kurzweiligen Ein-Mann-HipHop-Kabarett. Kurze Zeit später kamen dann MC Dälek und der Soundtüftler The Oktopus auf die Bühne. Sofort wurden mit Hilfe zweier Laptops und weiterer Effekte ein düsterer und grollender Sound fabriziert, der auch gut und gerne als Fundament für die eine oder andere Industrial-Band funktioniert hätte. Wäre da nicht MC Dälek, der zum recht mächtigen Sound eher etwas ruhig und zurückgenommen daherrapte. Das erinnerte dann hin und wieder an den düsteren Rapstil von Gang Starr/Guru. Passend zum Sound schnitt The Oktopus hinter seinem Pult diverse kranke und psychotische Grimassen, die einem ein wenig Angst machen konnten. Ja, Dälek konnten auf ganzer Linie überzeugen und hätten es beim nächsten Mal verdient, zwei bis drei Leute mehr als Publikum zu haben.


Billy Idol

26.07.2008, Düsseldorf, Polo rockt Festival
Was sollte man davon halten, dass Billy Idol auf einem Biker Festival der Nierengurtfirma Polo spielt? Es gibt ja sogar Freunde und Bekannte, die mich überhaupt für bekloppt halten, dass ich mir freiwillig die alte Kräusellippe angeguckt habe. Ja, ich stehe dazu und es war obendrein noch ein fantastisches Konzert, obwohl es fast die ganze Zeit regnete. OK, ein Grund für diesen unvergesslichen Abend war das fette Buffet und das Freibier im VIP-Zelt der Firma Polo, das auch Presseleute genießen durften. Aber der Gig war natürlich auch ganz großes Kino. Die Vorband, wie auch immer die hieß, haben wir natürlich verpasst, da uns das Freibier im Zelt nicht gehen ließ. Nachdem es dann zu schütten aufgehört hatte und es noch ein wenig nieselte, kam dann Billy Idol samt Altrocker als Band und Steve Stevens mit Kippe in der Schnauze auf die Bühne. Und ein Billy Idol lässt sich natürlich nicht lumpen und legt auch direkt richtig los: „Cradle Of Love“, „Dancing With Myself“ und „Flash For Fantasy“ gehörten mit zu den ersten Songs. Beim gegrölten „Flash“ von „Flash For Fantasy“ gingen auch sofort hunderte von Fäusten in die Luft und man kam sich vor wie in einem schlechten Rockkonzert in einem schlechten 80er Jahre US-Kinofilm. Es hat aber auch so viel Spaß gemacht. Nach einigen neuen Songs kam dann eine grandiose Version von „White Wedding“ mit einer akustischen ersten Strophe. Was für eine Dramatik!!! Natürlich kamen dann noch die alten Hits wie „Eyes Without A Face“, „Sweet Sixteen“, „Hot In The City“ und – wer hätte es anders gedacht – „Rebel Yell“. Mit „Ready Steady Go“ wurden dann noch die alten Generation X ausgepackt – und natürlich auch Billy Idols Waschbrettbauch, ha. Steve Stevens machte mit seiner toupierten Frisur, dem Kajal und dem Ketten rauchen eine verdammt gute Rock'n'Roll-Figur, nur das ellenlange Flamencosolo hätte er sich dann doch sparen können. OK, man konnte diese Zeit natürlich gut zum Bier holen nutzen. Nachdem am Ende mit „LA Woman“ die Doors gecovert wurden und „Speed“ und „Mony Mony“ gespielt wurden, war ein großartiges Konzert dann leider vorbei. Aber es gab ja noch genügend Bier im VIP-Zelt.


B-52's

16.07.2008, Bonn, Museumsmeile
Das wird bestimmt eine ganz erbärmliche und lächerliche Show, dachte ich noch auf dem Weg zur Bonner Museumsmeile. Da kommen vier alte Herrschaften an, zappeln ein bisschen auf der Bühne rum und kassieren dafür einen Haufen Geld. Die Vorzeichen für einen gelungenen Abend standen also nicht so gut.
Pünktlich um 19 Uhr ging es dann auch mit der Berliner Band The Man No. 9 los. Und die konnten mit ihrem Disco-Punk echt überzeugen, machten einen recht professionellen Eindruck, trugen schicke Schuluniformen und klangen wie 80er Jahre New Wave auf Techno. Am Ende wurden noch die Buzzcocks gecovert und das alte B-52's Publikum klatschte Beifall. Apropos Publikum: Es ist immer wieder etwas merkwürdig, auf einem Konzert zu sein, auf dem zum jungen Gemüse gehört. Kommt mittlerweile ja auch sehr selten vor und passte aber Altersdurchschnitt des Hauptacts, der dann unter Applaus die Bühne betrat.
Kate Pierson, Fred Schneider, Cindy Wilson und Gitarrist Keith Strickland standen wie an einer Kette aufgereiht vorne am Bühnenrand und dahinter waren ein paar Mitmusiker. Anfänglich machte diese Aktion einen recht gelangweilten Eindruck und meine Befürchtung von oben schien bestätigt zu werden. Ein paar berufsjugendliche Gesichtszombies in zu engen Glitzerklamotten bespaßten zahlreiche berufsjugendliche Langeweiler mit einer Caipi in der einen und einer Bratwurst in der anderen Hand. Als dann jedoch mit "Private Idaho" der erste alte Hit gespielt wurde, kam zum ersten Mal so etwas wie Stimmung auf. Und diese blieb dann auch bei den folgenden Songs erhalten. Die Band taute sichtlich auf und auch das Publikum kam langsam in Wallung. "Channel Z" und "Strobe Light" steigerten die Stimmung dann nochmals. Spätestens beim letzten Song des Sets, dem ewigen Hit "Love Shack", gab es auf beiden Seiten des Bühnengrabens kein Halten mehr. Und als der Song dann mit diesem fulminanten "Bang Bang" Finale beendet wurde, drehten die Leute fast durch. B-52's bedankten sich dann, gingen von der Bühne und kamen für mehrere Zugaben wieder. Unter anderem wurden hier natürlich die zwei verbliebenen Hits "Rock Lobster" und "Planet Claire" gespielt und das Publikum rastete förmlich aus. Nein, entgegen meiner anfänglichen Bedenken, war das ein mehr als gelungener Auftritt. Nur schade, dass der Flintstones Song nicht gespielt wurde. Kleiner Scherz.


World Friendship Inferno Society

09.07.2008, Aachen, AZ
Die World Friendship Inferno Society aus New York hat sich nun zum wiederholten Male im Autonomen Zentrum angemeldet. Nachdem ich bisher nur Positives von der Band - vielleicht sollte man eher Bandprojekt sagen, denn es kann schon mal vorkommen, dass zeitweise über zehn Musiker zu diesem Verbund gehören - vernommen habe, ließ ich mir die Combo nicht entgehen. Combo, dieses blöde Wort, das ich sonst eigentlich nicht benutze, trifft hier aber den Nagel auf den Kopf. Denn so wie die World Friendship Inferno Society auftritt, stelle ich mir eine Combo vor.
Die Damen und Herren traten in Abendgarderobe mit Anzug, Krawatte und kurzem Schwarzem auf, waren insgesamt zu sechst, hatten eine Orgel, ein Saxophon sowie eine zweite Trommel dabei, machten merkwürdige Faxen und Grimassen und waren in Sachen Theatralik kaum zu überbieten. Das Ganze hatte was von Rocky Horror Picture Show auf Punkrock. Der Sänger würde mit seiner pathetischen Gestik und Mimik einen erstklassigen Frankenfurter abgeben. Musikalisch sowie vom Entertainment und den Arrangements her ist die World Friendship Inferno Society ganz weit vorne, aber es wird dann doch immer wieder zu dick aufgetragen, dass man sich manchmal fragt, ob man noch auf einem Punk-/Indie-Konzert ist oder im Musical. Das Publikum hatte jedoch sichtlich Spaß an der ganzen Chose und tanzte wie wild umher. Fazit: Für mich ist die World Friendship Inferno Society eine ganz nette "gute Abend Unterhaltung", mehr aber auch nicht. Die ganze Euphorie, die mir Leute entgegenbringen, wenn sie von der Band reden, kann ich nicht so ganz teilen.


Bad Luck Charms

05.06.2008, Aachen, AZ
Nachdem einige Wochen vorher die US Bombs ohne Duane Peters in Aachen gespielt haben, kamen am 05. Juni nun die Bad Luck Charms ins Autonome Zentrum - aber mit Kerry Martinez, dem Gitarristen der US Bombs. Das AZ war für einen Donnerstag Abend recht gut gefüllt, versprachen die Bad Luck Charms doch eine gute Old School Punkrock-Show. Da durften ja auch nicht die obligatorischen Heartbreakers und Ramones Cover fehlen; zum hundertfünfundachtzigsten Mal. Na ja, die Meute steht halt auf so etwas und grölt gerne "Hey ho let's go" mit.
Neben den Coverversionen wurden natürlich zahlreiche, wenn nicht sogar alle Lieder der neuen selbstbetitelten Platte gespielt. Kerry Martinez machte in Cowboystiefeln, Uniform-Jacke und Hut eine richtig coole Figur und sah ein wenig nach Potato Fritz aus. Die Show war leidenschaftlich und auch sein Leadgitarrist, der sich vor der Show den einen oder anderen Schnaps gegönnt hatte, hatte sichtlich Spaß an der ganzen Sache. Einziges Manko an der ganzen Darbietung war der Drummer, der gelangweilt und dilettantisch vor sich hin schepperte. Dennoch, die Bad Luck Charms konnten live auf ganzer Linie überzeugen. Die Jungs machen eine Menge Spaß.


Motorpsycho

28.05.2008, Eindhoven, Effenaar
Da ich an dem Tag, an dem Motorpsycho in Köln gespielt haben, keine Zeit hatte, bin ich dann mal ins niederländische Eindhoven gefahren, um die norwegische Band im altehrwürdigen Effenaar zu sehen. Früher ist man nach Köln und nach Eindhoven gefahren, um die Band, so wie es sich für einen richtigen Fan gehörte, mehrmals zu sehen, da ja kein Motorpsycho-Konzert dem anderen auch nur ansatzweise gleicht.
Im Effenaar bin ich vor ca. sieben Jahren das letzte Mal gewesen und zufälligerweise auch bei einem Motorpsycho-Konzert. Dass ich das Effenaar aber nicht wieder erkannte, lag nicht an dieser langen Zeit, sondern vielmehr daran, dass aus der ehemaligen Fabrikhalle nun ein niegelnagelneuer, fetter Betonbunker geworden ist, der im ersten Moment etwas verstörend wirkte. Aber viel Platz gibt es dort. Zum Konzert bräuchte man an dieser Stelle gar nicht so viel zu schreiben, denn das übernehmen ja schon die Konzertbesucher selber im Setlist-Forum von http://motorpsycho.fix.no/.
Motorpsycho und ihre Fans sind schon ein Phänomen. Man versucht eigentlich immer mehrere Konzerte pro Tour zu sehen und diskutiert diese Konzerte und vor allem die Songauswahl stundenlang im Internet-Forum.
So wie eigentlich allen Forum-Usern, gefiel mir das Konzert ausgesprochen gut. Es gab eine sehr gute Auswahl an alten und neuen Songs, an knalligen Rocksongs sowie an ausufernden Improvisationen. Dabei wurden die ellenlangen Songs des neuen Albums "Little Lucid Moments" teilweise zerstückelt. An vierter Stelle, kann man auch im Setlist-Forum nachlesen, wurde dann das großartige "Greener" gespielt und ich dachte noch, wenn die diesen alten Hit spielen, kann heute noch einiges gehen. OK, die meisten Songs waren dann doch von den letzten drei bis vier Alben, die ja auch sehr gut sind. Doch als Zugabe, und man konnte es kaum fassen, da es ja so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz gab, dass Motorpsycho diesen Hit nie mehr live spielen wollten, wurde dann tatsächlich "Vortex Surfer" gespielt. Klickt man sich dann durch das Setlist-Forum, wünschte man sich, in Rimini zu wohnen, denn dort spielten Motorpsycho neben "Vortex Surfer" auch noch solche Gassenhauer wie "Hey Jane", "Starmelt/Lovelight", "Nothing To Say", "You Lied" und "The One Who Went Away". Seufz, man kann ja nicht alles haben. Aber allein schon für "Vortex Surfer" hat sich die Fahrt nach Eindhoven gelohnt. Da fehlten einem einfachdie Worte, auch wenn das holländische Publikum selbst da noch sehr reserviert wirkte.
Im Gegensatz dazu, machte die Band einen recht frischen Eindruck unter ihren langen Haaren und Bärten. Bent und Snah spielten wie entfesselt. Die Ansagen waren wie eh und je sehr kurz. Merkwürdige Filmchen gab es im Hintergrund auf einer Leinwand zu sehen, die, ob des grandiosen Konzertes, kaum jemanden wirklich interessierten. Ein Wort noch zum neuen Schlagzeuger Kenneth: Da dachte man ja, dass es wohl niemanden gäbe, der den einzigartigen Gebhardt ersetzen könnte. Kann ja auch keiner und es wäre ja auch etwas albern, wenn jemand versuchen würde, diesen Drumstil zu kopieren. Kenneth ist dennoch irgendwie mehr als ein Gebhardt-Ersatz. Mit seiner eigenen Art, die etwas rockiger und nicht so rollend erscheint wie Gebhardts Spiel, bereichert Kenneth den Motorpsycho-Sound ungemein. Die Interaktion zwischen Schlagzeug, Gitarre und Bass bei den Improvisationen ist annähernd perfekt, als ob die drei schon seit Jahren zusammen spielen würden. Und wie kann ein so relativ schmächtiger Norweger über 2,5 Stunden Animal-mäßig durchtrommeln? Und dabei auch noch so gut aussehen?


Tribute To Nothing

04.04.2008, Zentrum Altenberg, Oberhausen
Na, endlich wieder ein Konzert mit diesen englischen Derwischen von Tribute To Nothing. Man konnte sich also auf eine energetische und schweißtreibende Postcore- und Emo-Show gefasst machen. Die erste Vorband habe ich zum Glück verpasst, die zweite war mit einem uninspirierten Metalcore und miesen Rockstarposen nicht der Rede wert und die dritte Band namens Klay, ebenfalls aus England, war mit ihrem verspielten Postcore-Indierock-Gemisch dann doch ziemlich gut. Sollte man sich vielleicht mal merken.
So viel zum Pflichtprogramm des Abends, nun kam die Kür. Auch wenn das Zentrum Altenberg gerade mal zur Hälfte gefüllt war, ließen sich die vier Verrückten von Tribute To Nothing keine Allüren anmerken und rockten los wie Gestörte. Es gibt wohl kaum eine andere Band, die so viel auf der Bühne unterwegs ist. Vor allem die Mikrofonständer-Akrobatik des Sängers ist schier unglaublich. Dass der noch alle Zähne vorne drin hat, würde ich ja fast bezweifeln. Passend zu diesem schlaksigen Wirbelwind, gibt es dann noch den drahtigen und herumschwirrenden Leadgitarristen, der so etwas wie der Angus Young der Emo-Gitarre ist - so hat der den Stechschritt perfektioniert. Ganz hinten sitzt dann der Kris Kristofferson der Emo-Schlagzeuger.
Tribute To Nothing zogen wie gewohnt eine grandiose Live-Show ab. Ich kann das nur immer wieder betonen. Da wundert es einen ja doch, dass relativ wenige Leute da waren. Gespielt wurden größtenteils Songs des neuen, grandiosen Album "Breath How You Want To Breath", doch dazu gesellten sich hin und wieder auch ältere Lieder, die vom Publikum gebührend bejubelt wurden. Als am Ende dann der Hit "Day In, Day Out" gespielt wurde und die Leute vor der Bühne mit in die Luft gereckter Faust den Refrain mitgrölten, waren alle Beteiligten fertig und zufrieden.


Favez

25.03.2008, Hamburg, Hafenklang
Oh ja, das neue Favez-Album "Bigger Mountains Higher Flags" hat mich ja vollkommen begeistert, wie man ja auch schon bei den Rezensionen nachlesen konnte. Umso mehr freute ich mich, dass während meines kleinen Hamburg Ausfluges die Band aus der Schweiz im Hafenklang spielen sollte. Da musste ich also hin, zumal mein letztes Favez-Konzert auch schon sechs bis sieben Jahre her ist.
Die Vorband Ikaria, die noch sehr jung aussah, machte den Job mit ihrem Indie-Noise verdammt gut. Wenn die Jungs noch ein wenig mehr proben würden und die Sache ein bisschen ausgereifter klänge, könnte aus der Band mal was werden. Danach kamen dann Favez auf die kleine Bühne des Hafenklangs, die aufgrund der Bandmitgliederzahl ein wenig zu klein erschien. Favez bestehen mittlerweile aus sechs Musikern, mit zwei Orgelspielern und Gitarristen. Auf jeden Fall klingt der Soundteppich wegen der zahlreichen Instrumente dicht und sehr dick. Man muss sagen, dass das schon was her macht - Stadionrock-Sound auf einer kleinen Punkerbühne.
Das Repertoire orientierte sich fast permanent am neuen Album, was der ganzen Sache aber auch keinen Abbruch tat, da diese, wie schon erwähnt, mehr als großartig ist. Mit dem doomigen "White Limousine" wurde begonnen und Songs wie "The Highways Are Deserted", "The Goodbye Song" oder "Naked And Gasolined" brachten auch so etwas wie eine gute Stimmung ins leider halb gefüllte Hafenklang - na ja, es war ja auch ein useliger Dienstagabend. Und bei den spärlich gesäten alten Hits wie "Don't Let The Riot In", "Someday All This Will Be Mine" oder "Emmanuel Hall" hatte man fast den Eindruck, als ob hier heute noch was gehen würde. OK, die Band mühte sich mehr als ab, die Stimme von Chris Wicky ging am Ende fast flöten und immerhin ein Zuschauer bewegte sich permanent vor der Bühne und sang jede Textzeile auswendig mit. Das ist ja schon fast mehr, als man verlangen könnte.


Moneybrother

07.03.2008, Köln, Bürgerhaus Stollwerk
Ha, wie angenehm! Nach dem letztjährigen Ausflug von Moneybrother in den viel zu kleinen Prime Club, kamen die Schweden wieder zurück in das Bürgerhaus Stollwerk, dass man schon fast als deren Wohnzimmer bezeichnen könnte, so wohl fühlen sich alle Beteiligten hier. Als Vorband fungierten Radiopilot aus Berlin und die machten ihre Sache auch ganz gut. Doch Moneybrother in einem angemessenen Rahmen, also mit viel Platz und auf einer großen Bühne, zu sehen, ist wohl kaum zu toppen. Es gibt nur wenige Bands, die mit so viel Leidenschaft, Spielfreude, Inbrunst und Energie spielen wie die Band um den Sunnyboy Anders Wendin.
Dabei spielten die Jungs - man muss die Typen einfach "Jungs" nennen, so schließt man diese Band nach einem Konzert in sein Herz - ein recht ausgewogenes Programm, gespickt mit Hits aller drei Alben. Den Anfang machte der Sommerhit "Just Another Summer" und danach kam dann "Don't Call The Police". Und die hätte man gerne gerufen, dass sie den Soundmixer mitnehmen soll, der nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch einen ganz passablen Sound hinbekommen hat. Kurze Zeit später kam dann mit "Building Walls Around Us" der erste Höhepunkt des Abends und ab diesem Zeitpunkt ging es auch im Publikum richtig los und es gab kein Halten mehr. Bei "It Might As Well Be Now" gab es dann auch wieder die üblichen Lacher, beim Versuch der Bandmitglieder den eigentlich weiblichen Gesangspart zu übernehmen. Ist auch einfach zu komisch.
Und dann kam sie endlich, die Stelle, auf die wohl sämtliche junge Frauen - und davon gibt es bei Moneybrother-Konzerten gewöhnlich eine ganze Menge - sehnsüchtig gewartet haben: Bei der Ballade "Feelings Getting Stronger In The Dark" gibt es ja die Textzeile "Do You Love Me?" und ein paar Mädels schreien darauf dann immer "Jaaaa" oder "Yeah" oder "Yes" oder was auch immer. Auf jedem Konzert wiederholt sich dieses Ritual und dann passierte dieses Mal das Unglaubliche. Nein, keine Frau war die erste, die auf diese Frage antwortete, sondern ein Typ. Ist das geil?
Dann kamen irgendwann mit dem Überhit "Reconsider Me", "My Little Girl's Straight From Heaven" und "Down At The R" die Zugaben und jeder ging glücklich und zufrieden nach Hause. Vor allen Dingen wahrscheinlich der Typ, der "Yes" als erster gerufen hatte.


The Cult

06.03.2008, Köln, Live Music Hall
The Cult gehörten zu den ersten alternativen Rockbands, die ich in frühester Jugend gehört habe, umso aufgeregter war ich natürlich, dass ich die Band um Ian Astbury und Patrick, äh Billy Duffy (ha, den Scherz müsst ihr mir unbedingt verzeihen) nach über 15 Jahren wieder mal live und in Farbe sehen durfte. Nach einer eher miesen Vorband, deren Namen ich auch wieder vergessen habe und einer ellenlangen Umbaupause, kamen dann The Cult auf die Bühne, um direkt gnadenlos abzurocken. Schon nach den ersten drei Songs "Spiritwalker", "Rain" und "Lil' Devil" waren sämtliche Besucher aus dem Häuschen und es stellte sich eine leise Ahnung ein, dass das ein großer Abend werden würde. Nicht dass die Songs des neuen Cult-Albums schlecht wären, aber die Band hatte sich für diesen Abend entschieden, fast ausschließlich nur alte Hits zu spielen. Bis auf "Dirty Little Rockstar", das live überhaupt nicht knallte, und ein bis zwei weitere Songs, wurde nichts mehr von der neuen Platte gespielt. Nada!
Dafür wurden sämtliche Hits der legendären Alben "Sonic Temple", "Love" und "Electric" gespielt und vom Publikum frenetisch abgefeiert. Songs wie "Electric Ocean", "Sweet Soul Sister", "She Sells Sanctuary" oder "Wild Flower" brachten die Live Music Hall fast zum Kochen. Wären die einzelnen Bandmitglieder und vor allem Ian Astbury nicht so statisch gewesen und hätten sich mehr bewegt, hätte man wahrscheinlich für nichts mehr garantieren können.
Wie auch immer, als mit "Love Removal Machine" und "Fire Woman" zwei grandiose Zugaben zu Ende gingen, hatte man den Eindruck, dass alle Beteiligten einen perfekten Abend erlebt hatten und glücklich nach Hause gingen.


Hanoi Rocks

27.02.2008, Köln, Underground
Freitags Abend in Köln: Die Clubbetreiber wollen doppelt abkassieren, veranstalten für die Partypeople noch eine Disco nach dem Konzert, so dass jenes ganz früh anfangen muss. Und so kommt es, dass man schon gegen 21 Uhr - normalerweise eine Zeit, da Konzerte gerade erst anfangen - die Vorband Enemy Rose verpasst hat, die ich mir gerne angesehen hätte. Da heißt es: nicht grämen und gespannt auf die alten Säcke von den Hanoi Rocks sein. Und nachdem die Glamrocker auch nur ein paar Songs gespielt hatten, war die Sache mit der verpassten Vorband auch schon wieder vergessen. Die Hanoi Rocks wissen aber auch wirklich, wie man einen Saal zum Schwitzen bringt.
Das Underground war an diesem Abend gut gefüllt und wer dachte, dass man dort nur Altrocker mit Plauze, Pläte und Schnurrbart sehen würde, hat sich aber dermaßen getäuscht. Nein, es hatte den Anschein, dass die Hanoi Rocks so etwas wie die Boyband unter den Hardrockern sind. Dass der alternde Michael Monroe noch so eine Anziehungskraft auf junge Damen ausüben kann, kommt einem beim Blick ins fast schon mumifizierte Gesicht des Finnen nicht in den Sinn. Massenweise junge, gut aussehende Frauen bevölkerten den Saal und vor allem auch den Bereich vor der Bühne. Aber natürlich gab es auch die Männer mit Plauze, Pläte usw.
Die Hanoi Rocks, deren Gitarrist Andy McCoy und eben Michael Monroe noch zum Original-Line Up gehören, zogen eine verdammt gute Sleaze- und Glamrock-Show ab. Da gab es die altbewährten Rockstarposen der Gitarristen, Drumstickwirbel des Schlagzeugers und eine schweißtreibende Show des charismatischen Sängers, der hin und wieder hinter der Bühne verschwand, um das eine durchgeschwitzte Glitzer-Jackett mit dem nächsten zu tauschen, welches kurze Zeit später wohl auch durch war. Nur fehlte leider die Federboa und das Glitter-Outfit Michael Monroes wäre perfekt gewesen, doch der übergroße Rote Armee-Hut war auch nicht zu verachten.
Gespielt wurden zahlreiche Hits aus sämtlichen Schaffensphasen der Hanoi Rocks, angefangen bei "Highwire" über "This Ones For Rock'n'Roll", "Tragedy", die Ballade "Don't Never Leave Me" als Zugabe bis hin zum neuen Hit "Street Poetry". Und natürlich wurden diese, vor allem von den Mädels, frenetisch abgefeiert und mitgesungen. Wenn dann aber ein Song wie "Teenage Revolution" von Rock-Zombies gespielt wird, muss man sich ein kleines Schmunzeln fast verkneifen. Als dann "People Like Me" mit dieser wunderbaren Refrain-Zeile "Radio and MTV - you need people like me" gespielt wurde, konnte man nur noch Kopf nickend bestätigen: Mensch, der Mann hat ja verdammt noch mal Recht.


The Weakerthans

27.11.2007, Köln, Bürgerhaus Stollwerk
Nachdem die Weakerthans, die ja von diversen Rezensenten auch gerne mal "unser aller Lieblingsband" genannt werden, nach etlichen Jahren des Wartens mit "Reunion Tour" ein fantastisches neues Album veröffentlichten, wurde es auch wirklich mal wieder Zeit, dass die Kanadier live zu sehen sind. So war es auch kein Wunder, dass das Bürgerhaus Stollwerk verdammt gut gefüllt war. Als Vorband hatte sich die amerikanische Indie-All-Star-Truppe House & Parish angemeldet und die machte ihre Sache auch richtig gut. Man merkte, dass da erfahrene Indie-Rocker vom Schlage Texas Is The Reason oder Promise Ring am Werke waren. Und was man auch merken konnte, war das Gefühl, dass die Jungs nach langer Abstinenz so richtig Spaß daran hatten, mal wieder auf der Bühne zu stehen. Doch, House & Parish lieferten eine mehr als solide Performance ab. Die Band sollte man sich merken.
Nach einer ewigen Umbaupause kamen dann endlich die Weakerthans auf die Bühne. Sie zogen das Publikum direkt mit den ersten Tönen in ihren Bann. Es ist einfach eine grandiose Live-Band, die ja auch so was von sympathisch wirken kann, dass man glatt seine Schwiegereltern mit auf ein Weakerthans Konzert nehmen könnte. Mal ehrlich, Rock'n'Roll geht anders, aber darum ging es ja an diesem ehrwürdigen Abend in Köln auch nicht. Es ging vielmehr um Gefühle, Aussagen, Inhalte und einfach gute Indie-Musik, die so verdammt ur-amerikanisch klingt. Da wird auch mal gerne die Slide-Gitarre ausgepackt. Und wenn die Gitarristen und der Bassist dann mit einem Schmunzeln im Gesicht Hard-Rock-Posen zelebrierten, dann wehte doch ein Hauch von Rock'n'Roll durchs Bürgerhaus. Ein weiteres Highlight war der Song "Aside", bei dem die fehlenden Trompetenklänge durch ein fulminantes "Lalala" diverser Bandmitglieder ersetzt wurden. Neben zahlreichen Songs der neuen Platte und des letzten Albums "Reconstruction Site", waren es vor allem die Lieder der ersten beiden Alben, die vom Publikum mit frenetischem Applaus und wildem Getanze quitiert wurden. Dass dabei die komplette, grandiose erste Seite der "Left And Leaving" und das flotte "Confessions Of A Futon-Revolutionist" der "Fallow" gespielt wurden, werde ich den Weakerthans immer hoch anrechnen. Da wurden Erinnerungen an das magische Weakerthans Konzert 2000 im Aachener AZ wach. Nur, dass dieses Mal das pfeifende Rillen-Rohr nicht zum Einsatz kam. Ihr wisst schon, was ich meine.


Bad Brains

13.10.2007, Köln, Live Music Hall
Was habe ich mich auf die Bad Brains gefreut. Die Band gehört seit meiner frühesten Jugend zu meinen absoluten Top-Ten-Bands ever. Leider war mir bis dato ein Live-Konzert der Rastafaris vergönnt, doch nun nach über zehn Jahren Konzertpause der Band, hatte ich mir rechtzeitig ein Ticket für das Konzert in Köln gesichert. Und die Vorfreude war groß, obwohl die Angst, dass es die Band live nicht mehr bringt, überwog. Es ist mir schon klar, dass die Bad Brains nicht mehr so viel Power haben können wie 1982 im CBGB’s, aber ein wenig von dieser Energie und Atmosphäre hätten HR, Dr. Know und Konsorten doch ins neue Jahrtausend retten können. Eins vorneweg, das Konzert war recht langweilig, um nicht zu sagen: Unter aller Sau. Dabei hatte ich meine Erwartungen schon zurück geschraubt. Natürlich sind die Bad Brains Könner an ihren Instrumenten, haben auch eine ganze Reihe alter Hits gespielt, doch gab es auf der Bühne so gut wie keine Bewegung. Bassist Darryl Jenifer spielte recht teilnahmslos und Kaugummi kauend sein Set herunter, Drummer Earl Hudson trommelte ein wenig rum und HR stand wie angewurzelt vor dem Mikroständer herum. Einzig Dr. Know an der Gitarre ging mal von hinten nach vorne und wieder zurück. Dabei ist zu sagen, dass HR eh nur noch eine Karikatur seiner selbst darstellt. Der Mann sah mit seinem Rauschebart und dem Spültuch auf dem Kopf aus wie eine Mischung aus Jesus auf Urlaub und dem Kalifen von Köln. Und was sein breites Dauergrinsen und seine Haltung mit Dürer-mäßigen betenden Händen darstellen sollten, ist mir auch schleierhaft. Einzig und allein bei den drei bis vier Reggae- und Dub-Songs kam so etwas wie Leidenschaft bei den Bad Brains auf. Dub ist wahrscheinlich das, was die Band im Grunde genommen spielen möchte, aber wegen der Kohle müssen ja auch die alten Hardcore-Kracher runtergenudelt werden. Ich glaube, einen Gig bei dem die Bad Brains mit Leidenschaft nur Dub- und Reggae-Songs gespielt hätten, wäre wohl besser gewesen. Na ja, es gab genügend Leute im Publikum, die sich die Bad Brains schön gesoffen haben und einen geilen Massenpogo zelebriert haben. Und nach insgesamt einem Song als Zugabe und 50 Minuten Spielzeit, war der Spuk dann auch endlich vorbei. Im Grunde genommen bin ich schon froh, dass ich mir dieses Schauspiel angesehen habe, aber ein zweites Mal kriegen mich die Bad Brains nicht mehr und da bin ich bestimmt nicht der Einzige, der so denkt. Tja, so werden Legenden zu Grabe getragen.


Moneybrother

01.10.2007, Köln, Prime Club
Nachdem das neue Moneybrother Album „Mount Pleasure“ bei mir rauf und runter läuft, musste ich die Schweden unbedingt nochmals live sehen. Leider fand das Konzert jedoch im Prime Club statt und war zudem auch noch ausverkauft. Es gab wirklich kaum einen Quadratzentimeter Platz zwischen den Leuten im Saal, was natürlich bei einer Band, die verdammt tanzbare Musik macht fatal ist, da es kaum Platz gab sich zu bewegen, geschweige denn zu tanzen. Zwar gab es unmittelbar vor der Bühne einen kleinen Pulk von Leuten, die sich ein wenig mehr bewegen konnten, doch ein richtiges Konzertvergnügen war das bei weitem nicht. Und das lag nun wirklich nicht an der Band, denn die spielte einfach fantastisch. So wurden sämtliche Hits der drei Alben gespielt, wobei der Hauptfokus natürlich auf die neuen Songs gelegt wurde. Zuerst kam der Drummer auf die Bühne und legte mit diesem groovenden Beat von „Down At The R“ los, wobei dann die anderen Bandmitglieder nach und nach einsetzten. Als dann Anders Wendin die Bühne betrat, gab es vor allem beim weiblichen Publikum kein Halten mehr. Ich habe selten bei einem Rockkonzert einen Tanzpulk vor der Bühne gesehen, der fast ausschließlich nur aus jungen Frauen bestand. Neben den ganzen Songs von „Mount Pleasure“ wurden natürlich auch die älteren Hits wie „Reconsider Me“, „It’s Been Hurting All The Way With You Joanna“ oder „They’re Building Walls Around Us“ gespielt und dabei vom Publikum frenetisch abgefeiert. Ein besonders amüsantes Highlight war der Song „It Might As Well Be Now“, bei dem die ausschließlich männlichen Bandmitglieder mit falsettartigem Stimmen, den weiblichen Gesangspart übernahmen. Ha, das war sehr witzig. Alles in allem war es trotz der Enge ein ganz großartiges Konzert und man kann nur die Leute bedauern, die an diesem Abend nicht mehr in den Prime Club hineinkamen.


Jingo De Lunch

13.09.07, Köln Prime Club
Darauf habe ich ja lange warten müssen, auf ein Konzert der Berliner Punkrock-Legende Jingo De Lunch. Nachdem ich die Band Anfang der 90er auf zahlreichen Konzerten gesehen habe, war es das letzte Mal im Oktober 1994 im Aachener B9, also fast auf den Tag genau vor 13 Jahren. Und nun sollte die Band um Sängerin Yvonne Ducksworth und Gitarrist Tom Schwoll im Kölner Prime Club spielen, den ich ja aufgrund der Raumaufteilung und des recht miesen Sounds kaum ausstehen kann. Aber was soll es – wenn Jingo halt mal wieder auf Tour ist. Jetzt könnte man ja Bedenken haben, dass es die Band nach über zehn Jahren Pause nicht mehr bringt und das die Bandmitglieder alte Säcke geworden sind. Doch die Bilder, die im Internet von den ersten Gigs der Band in Berlin kursierten, ließen Positives erwarten. Und so kam es dann auch. Yvonne Ducksworth scheint seit Mitte der 90er kaum gealtert zu sein und dem Rest der Band sieht man die Jahre auch nur im Gesicht an. Doch, die Band versprühte auf der Prime Club Bühne eine jugendliche Frische und Leichtigkeit, die man bei vielen Bands, deren beste Tage lange zurück liegen, vergebens sucht. Man konnte richtig sehen, dass das gemeinsame live musizieren, den einzelnen Bandmitgliedern wohl gefehlt hat und dass sie dabei eine Menge Spaß haben. Doch, die Reunion kam in Köln verdammt authentisch rüber. Es gab kein Gefühl der Altersmüdigkeit oder des „wir machen die ganze Sache nur wegen der Kohle, eigentlich haben wir hier drauf gar keinen Bock“. Yvonne Ducksworth zeigte ein richtig dynamisches und wuchtiges Konzert und Tom Schwoll hüpfte und hampelte herum wie ein Rumpelstilzchen. Der Mann war ja kaum zu halten, pöbelte auf recht angenehme Weise das Kölner Publikum an und bedankte sich mit einem verschmitzten Lächeln bei der Vorband Patchwork, die eigentlich Linkwork hieß. Gespielt wurden fast ausschließlich Hits der ersten drei bis vier Platten, aber auch ein „Chew And Spit“ von der „B.Y.E.“ kam zum Einsatz. Am Ende gab es dann noch das obligatorische Thin Lizzy-Cover, ein Bad Brains Medley (das muss man sich auch erstmal trauen) und „I’m So Bored With The USA“ von The Clash. Es war ein grandioses Comeback einer noch grandioseren Band.